Die Renaissance der Reaktoren

17. Februar 2010, 19:53

In zahlreichen europäischen Staaten werden Atomkraftwerke wieder modern

Wien - Rund um Österreich erlebt die Nuklearenergie einen zweiten Frühling: Die Atomkraft ist in Europa wieder auf dem Vormarsch, ihre Befürworter in der Politik werden lauter.

In Deutschland steht die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken im schwarz-gelben Koalitionspakt, AKW-Neubauten soll es aber nicht geben. Jüngst forderte der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen einen "schnellen Ausstieg aus der Atomenergie" und wurde dafür von Regierungsmitgliedern heftig kritisiert. Vor allem FDP und CSU sorgen sich um die deutsche Atomindustrie. Die Debatte rund um den deutschen "Ausstieg vom Ausstieg" aus der Atomenergie bleibt in Politik und Öffentlichkeit ein strittiges Thema.

Italiens Premier Silvio Berlusconi wiederum forciert den Wiedereinstieg in die Nuklearenergie. Dies widerspricht zwar einer Volksabstimmung von 1986, in der für den Atomausstieg votiert worden war. Dennoch lässt Berlusconi Standorte für neue Kraftwerke prüfen, 2013 könnten die Bauarbeiten beginnen. Atomstrom bekommt die Apenninenhalbinsel bereits früher, ein AKW in Albanien soll Strom für Italien liefern. Experten warnen allerdings vor der Erdbebengefahr am Standort in Nordalbanien.

Österreich umzingelt

In Tschechien ist ein Ausbau des AKW Temelín geplant (siehe Grafik): Neue Hochspannungsleitungen um 455 Millionen Euro werden errichtet - der größte Ausbau seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ein noch größeres Projekt, der Bau von zwei neuen Blöcken in Temelín, gilt als fix und soll nach den Wahlen im Mai 2010 offiziell beschlossen werden.

Auch die Schweiz rüstet atomar auf, geplant sind zwei neue Reaktorblöcke. Die Bevölkerung befürwortet laut einer Umfrage die neuen Reaktoren. Geplant oder zumindest diskutiert wird über den Bau neuer AKWs in Slowenien, der Slowakei, Estland, Norwegen und der Ukraine. (eem, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)

Machtjan X
00
16.3.2011, 08:21

Sollen die Europäer und Amerikaner alle Publicity den Japanern überlassen oder mit diesen in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit treten? Wie man sieht, wird ein Land desto prominenter, je katastropher es in den Meldungen vorkommt.

Ihr Berlusconis, Obamas, Sarkosys: Schafft ein, zwei, viele Fukushimas in Europa und Amerika, generiert Katastrophen-Gaus allüberall und werdet unschlagbar berühmt!

2010sdafrika
00
27.8.2010, 14:59
Atomkraft eine Option, ob in Deutschland oder Südafrika?

Die Atomlobby ist eine wirklich bedeutende und einflussreiche Vertretung der Stromriesen. Auch in Südafrika wird weiterhin hinter vorgehaltener Hand auf Atomenergie gesetzt, sodass der Staatskonzern ESKOM an vier möglichen Standorten im Lande eine AKW-Errichtung grundsätzlich für möglich hält, trotz der teilweise massiven Proteste aus der Bevölkerung. Anbei empfehle ich ein wirklich sehr interessantes Interview mit einem Bundestagsabgeordneten, der die Atomstrompolitik in Deutschland und Südafrika thematisiert:
http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/08/1... udafrikas/

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.