Budgettrick könnte Milliarden kosten

Lukas Sustala, 17. Februar 2010, 17:57

Der Versuch, über Derivate und Zweckgesellschaften den Schuldenberg zu verstecken, könnte finanziell nach hinten losgehen

Griechenland nutzte zur Verschleierung von Schulden Derivate und Zweckgesellschaften. Der Versuch, über diese Konstruktionen den Schuldenberg zu verstecken, könnte jetzt finanziell nach hinten losgehen.

***

Wien - Die griechischen Wirtschaftspolitiker haben beim Abbau ihres Schuldenbergs auf göttliche Hilfe gehofft. Die Zweckgesellschaften, mit denen Schulden ausgegliedert und Forderungen des Staates verkauft wurden, tragen häufig so klingende Namen wie Aiolos, der Gott des Windes, oder Atlas, der Titan, der die Welt auf seinem Rücken trägt. Nur, dass im Falle des griechischen Schuldenmanagements die "Atlas Securitization S.A." immer mehr Schulden der griechischen Republik zu tragen hat.

Mit diesen Vehikeln hat Griechenland kurzfristig Budgetlöcher im Ausmaß von rund vier Milliarden Euro gestopft und Einnahmen von den Lotterien, der Flughafenüberwachung oder aus dem Strukturfonds verkauft. Auch andere Staaten in der Eurozone hatten bereits mehrfach versucht, durch verbriefte Verkäufe von Forderungen Einnahmen zu lukrieren. Das europäische Statistik-Institut hat gegen diese Tricks oft Einwände gehabt.

Erfolgreich war Griechenland hingegen seit 2001 dabei, mit Hilfe von höchst umstrittenen Derivaten direkt Schulden zu verschleiern, um die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes (drei Prozent Neuverschuldung, 60 Prozent Gesamtverschuldung) zu erfüllen. Zur Verwendung kamen dafür Cross-Currency-Swaps (CCS), Tauschgeschäfte in fremder Währung (meist Schweizer Franken oder japanischer Yen).

Die öffentliche Empörung von EU-Beamten und Spitzenpolitikern ist dabei schwer nachzuvollziehen. Denn die Deals sollten für sie nichts Neues sein, sind die Verträge doch seit 2001 öffentlich bekannt. Zudem ist Griechenland nicht das einzige Land, das Schuldenmanagement mit Derivaten betrieben hat. Italien hat dieselben Strukturen verwendet, um Milliarden Euro an Schulden zu verschleiern.

Derivate weit verbreitet

Solche Swaps werden regelmäßig verwendet, um niedrigere Zinsen in einem fremden Währungsraum auszunutzen oder Wechselkursrisiken abzusichern. Tatsächlich hat auch die Republik Österreich, über die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur, CCS im Ausmaß von 23 Mrd. Euro auf den Büchern. Werden Forderungen und Verbindlichkeiten aus den Produkten gegengerechnet, bleibt ein Netto-Volumen von 2,3 Mrd. Euro. Laut des Rechnungshofberichts zum Finanzierungsmanagement der Gebietskörperschaften aus 2009 konnte der Bund mit den Instrumenten die Zinslast von 2002 bis 2007 um 3,02 Mrd. Euro reduzieren.

Bei den griechischen Deals (und auch bei italienischen Swap-Kontrakten) ging es niemals um die Ausnutzung kleiner Zinsdifferenzen. Hingegen haben die beiden Staaten über die Investmentbanken Goldman Sachs (Griechenland) und JPMorgan (Italien) einen versteckten Kredit aufnehmen können, indem die Verträge mit marktunüblichen Konditionen ausgestattet waren.

Doch das griechische Faible für Derivate zur Budgetkosmetik könnte den Akteuren der hellenischen Republik noch mehr als das politische Kapital kosten. Griechenland hat über drei Zweckgesellschaften (Titlos plc, Revolver plc, Eterika plc) mit Sitzen in England und Wales verbriefte Wertpapiere an Investoren verkauft. Das Volumen der Deals: 8,2 Mrd. Euro. Diese Off-Balance-Sheet-Vehikel (die ähnlich auch von US-Banken bei komplexen Immobilienwertpapieren verwendet wurden) leben von ihren guten Bonitätsratings. Doch da die griechische Schuldenmisere die Ratingagenturen auf den Plan gerufen hat, sind auch die drei Gesellschaften in Bedrängnis.

Deren Ratings sind an die Bonität des Staates Griechenland geknüpft, und wenn die US-Ratingagentur Moody's die griechischen Staatsanleihen noch um einen Schritt herabstuft, durchbrechen die Gesellschaften einen vertraglich festgeschriebenen Schwellenwert. Dann könnten hohe Zahlungen von Sicherheiten notwendig werden. In welchem Ausmaß die Finanzierungskosten ansteigen werden, ist noch unklar. Griechenlands Ausflug in die exotische Finanzwelt wird EU-Beamte und Investoren noch länger beschäftigen. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.02.2010)

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José Atento
02
19.2.2010, 08:27
Der einzige Weg aus dieser griechischen Tragödie wäre:

wenn Griechenland offiziell die Insolvenz erklärt. Sie könnten dabei durchaus auch den Euro behalten.

Das wäre auch der gerechteste Weg. Denn in diesem Fall würden die unvorsichtigen Gläubiger Griechenlands zur Kasse gebeten werden. Das ist ein Lernprozess der schmerzt, aber unbedingt notwendig ist, um solche Schuldenexzesse in Zukunft hintan zu halten.

Aber POlitiker werden das verhindern, denn sie sind nicht daran interessiert, dass mächtige Schuldner (Freunde) Geld verlieren. Sie bürden alles dem kleine Bürger auf, indem die Steuern (oder die Inflation) erhöht werden.

Walter Bimini
00
19.2.2010, 07:51
ob aiolos nicht eher auf die windige hilfe von jenseits des atlantik hinweist.

MUNGO1
00
19.2.2010, 05:59
Was hat GS vor?

Nach Studie dieser Story kann man erahnen wohin es gehen wird.
Übrigens; dieser und auch andere Links über Goldmann Sachs stehen seit vielen Monaten für jeden zugänglich im Netz, sie wurden nicht entfernt und Klagen an den/die Herausgeber sind bisher auch ausgeblieben, warum wohl?!



http://frank-meyer.eu/blog/inde... ine?blog=4

freilife
02
18.2.2010, 17:19
Na klar wir das nach hinten los gehen

die einzigen Gewinner sind, wie immer....
die Geier von Goldmann Sachs

Millionendieb Franz
00
18.2.2010, 14:08
Kann denn niemand in Brüssel rechnen?

Die habenuns voll vorgeführt, damit ihre Pensionisten ein super Leben haben können? Gute Nacht, Euro. Ich wechsel mein Sparbuch in marokkanische Dirham, die wirtschaften seriöser...

Walter Bimini
00
19.2.2010, 07:53
brüssel ist selbst das korruptionszentrum. geld spielt dort keine rolle. nicht umsonst kauft sich die kommission kaffeemaschinen um schlappe 6000 euronen.

Walter Bimini
00
19.2.2010, 09:30
6000 euro pro kaffeemaschine

Maria Luise Caputo-Mayr
00
18.2.2010, 19:52
Will bei Gott weder die Griechen, noch ihre Goetter, nochunsere wunderbaren EU Abgeordneten verunglimpfen und entschuldige mich im voraus fuer meine pessimistischen Klagen

Gebe Ihnen voellig recht. Habe schon an die Presse geschrieben und gefragt, ob unter den besten Koepfen der EU sich nicht doch vielleicht eine Kommission findet, die notorischen Verschleierungsgenies (schon seit unser guter Zeus vom Olympus herunter seine Spaesse trieb, von Odysseus gar nicht zu sprechen...) besser auf die Finger, hinter die Schliche, unter die Hosen usw. zu sehen, zu gelangen, zu schauen etc etc?? Gibt es wirklich nur grosssprechende Liebkinder, abgsetzte Minister, Damen aus Italien (veline) und sonstige Schwerverdiener, die dort erhalten werden, in dieser wohl bald nutzlosen europaeischen Sandkiste, oder Spielwiese/ Moorbad, wo man schnell was einsteckt und sich dann drueckt????? Alle dabeigesessen, aber nichts bemerkt?

José Atento
00
19.2.2010, 08:31

Wenn manm pleite ist, macht man den Laden dicht und lässt die Gläubiger "dumm sterben". Ist wohl der einzige Weg, um aus der griechischen Tragödie herauszukommen. Danach werden die griechischen Betrüger es viel schwerer haben, an frisches billiges Geld zu gelangen.

Al Berto
00
18.2.2010, 11:40

es wird doch wohl hoffentlich einen "bilanzierungsmodus" geben, der zukünftige lasten des staates mit als schulden erfasst. so blöd kann doch niemand sein, dass diese geschichte mit den swaps einfach so durchgeht.

ndaa
12
18.2.2010, 10:24
Es lebe die Steuerpacht

Das Konzept ist 2000 Jahre alt - und wird immer nur zum Auspressen der Bevölkerung verwendet

Johann Hunger1
22
18.2.2010, 10:12
Wann kommt Europa drauf, dass man mit der usa kein Geschäft machen darf!

Auch mit der NATO sollten wir EuropäerInnen vorsichtig sein. Da sind wir schneller in einem Krieg als uns lieb ist!

Walter Bimini
00
19.2.2010, 07:55
sie tun so als ob die europäischen natoländer nicht am afghanischen krieg beteiligt wären.

also dann ...
02
18.2.2010, 09:50
zitat : "Hingegen haben die beiden Staaten über die Investmentbanken Goldman Sachs (Griechenland)

und JPMorgan (Italien) einen versteckten Kredit aufnehmen können, indem die Verträge mit marktunüblichen...Konditionen ausgestattet waren.

allein das wort : markt - un - üblich
sagt eh schon alles über diese "deals" ... aus.

und dass die goldmänner ...von gottes hand...
auch noch gegen ihre kunden (GR) auf das ausfallsrisiko spekulierten ( ! ) zeigt auf, wie verkommen die internatl. finanzwirtschaft geworden ist !

José Atento
00
19.2.2010, 08:35
Das läuft so

Zuvor wird mit Hilfe der Goldman-Sachsen markt-un-üblich manipuliert, danach wird durch Goldman Sachs über spekulative Finanzprodukte dagegen gesetzt, bis wieder markt-übliche Verhältnisse herrschen.

Dämlich sind nur jene - die Griechen -, die denken, dass sie mit einer markt-un-üblichen Praxis (Manipulation) durchkommen können.

Johann Hunger1
01
18.2.2010, 10:13
sie meinen die NY - Finanzwirtschaft, oder?

Walter Bimini
00
19.2.2010, 07:57
nicht nur die - london und frankfurt, um zwei beispiele zu nennen, sind sicher nicht viel besser

Bürger Masta
02
18.2.2010, 09:08
Die anderen machen es ja auch

Da hat der Staat sich in ein Spiel eingelassen, das Täuschung, Manipulation und Gier zum Inhalt hat. Staatliche Organisationen bedienen sich der selben zweifelhaften und langfristig kontraproduktiven Möglichkeiten in einem völlig deregulierten internationalen Finanzmarkt. Genau diese Staaten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vom den Banken und den Großkonzernen in eine wirtschafts- und finanzpolitische Starre drängen lassen. Die Argumente waren immer gleich: Andere tun es auch, wenn wir es tun, verlieren wir an Wettbewerbsfähigkeit und vernichten Arbeitsplätze uswusf. Die Probe aufs Exempel kann erst jetzt gemacht werden und wer sehen will, der sieht jetzt klar und deutlich, was diese Heilslehre angerichtet hat.

schafmeister
11
18.2.2010, 06:32

Griechenland hat die EU betrogen und abgezockt. Es gehört aus der EURO-Zone hinausgeworfen!

Johann Hunger1
34
18.2.2010, 10:14
Was können die BürgerInnen dafür? Raus mit der usa aus Europa!

Walter Bimini
00
19.2.2010, 07:59
beides wäre vernünftig. allerdings wird es die eudssr samt euro sowieso bald zerreißen. womit man sieht, daß auch krisen etwas gutes haben.

captain_phaser
10
18.2.2010, 13:51

Thema verfehlt Hansi.
Setzen.

soamist
00
18.2.2010, 09:22

ich bin für eine geographisch-physische abtrennung von europa also aus griechenland eine ECHTE insel machen.

Bono Nobo
02
18.2.2010, 08:23

Die Daten die Griechenland vorgelegt hat wurden nicht ordnungsgemäß überprüft, daher drohen nun
EU-Sesselfurzerenthebungsanklagen.

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