Peres zu Spindelegger: "Iran wirft Schatten über Israel", Ahmadi-Nejad "ein Bandit"
Jerusalem - Nach beinahe fünfjähriger diplomatischer Absenz schicken die USA wieder einen Botschafter nach Damaskus. Der Karrierediplomat Robert Ford, derzeit stellvertretender Missionschef im Irak, soll den Posten übernehmen. Die Nominierung wird als weiteres Zeichen der Entspannung zwischen den Amerikanern und Syrien gewertet. US-Beobachter meinten, damit könnte auch wieder etwas Bewegung in die verfahrenen Nahostpolitik von Präsident Barack Obama kommen.
In Israel dagegen bleiben Diplomaten skeptisch. Den USA gehe es bei der Entsendung weniger um die regionalen Konflikte als vielmehr um die Überwachung der syrisch-irakischen Grenze. Der israelische Staatspräsident Shimon Peres indes gab Außenminister Michael Spindelegger, der derzeit durch die Region tourt, eine Botschaft an Syriens Machthaber nach Damaskus mit: "Hört endlich auf, auf den Iran zu hören. Wir sind bereit für Friedensverhandlungen und können schon morgen damit beginnen."
Das Regime in Teheran bezeichnete Peres im Gespräch mit dem österreichischen Außenamtschef als die Wurzel allen Übels in der Region: "Der Iran wirft einen Schatten über Israel und die gesamte Region, Atomwaffen in der Hand eines diktatorischen Regimes wären eine furchtbare Kombination." Teheran verhindere einen Palästinenserstaat, weil es die Hamas unterstütze, und destabilisiere den Libanon durch die Hisbollah. Man müsse endlich klar sagen, was Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad sei, nämlich ein "Bandit und Diktator" .
Neben Peres traf Spindelegger auch Premier Benjamin Netanjahu, Außenminister Avigdor Lieberman und Oppositionschefin Zipi Livni. Sie interessierten sich vor allem für Österreichs Position im UN-Sicherheitsrat in Sachen Iran. Spindelegger erklärte, der Rat müsse handeln, Entwürfe für neue Sanktionen kursierten bereits in New York. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)