Schiffe brauchen Genehmigung für Durchquerung argentinischer Hoheitsgewässer
Buenos Aires - Fast drei Jahrzehnte nach dem Falklandkrieg will
Argentinien die bevorstehende Suche britischer Unternehmen nach Ölreserven vor
den Falkland-Inseln so schwer wie möglich machen. Staatspräsidentin Cristina Fernandez de
Kirchner ordnete per Dekret schärfere Auflagen für Schiffe an, die Kurs auf die
Falklands im Südatlantik nehmen. Die Inseln gehören zu Großbritannien, werden
aber auch von Argentinien beansprucht. Im Frühjahr 1982 hatte die argentinische
Armee die Inseln angegriffen und damit den Falklandkrieg mit Großbritannien
ausgelöst, das die militärische Auseinandersetzung für sich entschied.
Nach dem von Fernandez unterzeichneten Dekret müssen Schiffe, die vom
argentinischen Festland zu den Falkland-Inseln wollen oder auf der Route dorthin
Hoheitsgewässer des Landes durchqueren, künftig zuvor bei argentinischen
Behörden eine Genehmigung einholen. Argentiniens Vize-Außenminister Victorio
Taccetti betonte am Mittwoch in Buenos Aires, die Maßnahmen seien Teil "der
Strategie zur Verteidigung unserer legitimen Rechte (über die Falklands), die
systematisch von den Engländern nicht anerkannt werden".
Probebohrungen geplant
Hintergrund des Streits zwischen Argentinien und
Großbritannien sind geplante Probebohrungen, für die die britische Firma Desire
Petroleum bereits eine Plattform zu den Malvinas, wie die Falklands in
Argentinien heißen, schickte. Sie soll in den nächsten Tagen dort ankommen.
"Sie wollen einseitig und illegal Rohstoffe abbauen, die der Republik
Argentinien gehören und Argentinien wird angemessene Maßnahmen ergreifen, um
seine Interessen und seine Rechte zu verteidigen", betonte Taccetti weiter.
Natürlich werde sein Land dies mit friedlichen Mitteln tun.
Argentinien ruft UNO an
Argentiniens Außenminister Jorge Taiana wird nächsten Mittwoch in New York UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon treffen, um ihm den argentinischen Standpunkt darzulegen. Zuvor besucht der Minister Mexiko, wo er Amtskollegen aus der Rio-Gruppe lateinamerikanischer Staaten um Unterstützung bitten will.
Bereits Anfang Februar hatte Argentinien den Geschäftsträger der britischen
Botschaft ins Außenministerium in Buenos Aires einbestellt und dabei nach
Regierungsangaben "auf das energischste gegen den unmittelbar bevorstehenden
Beginn der Öl-Suche nördlich der Malvinas" protestiert".
Berichte über britische Truppenverlegungen
Das britische Boulevardblatt "The Sun" berichtet unter Berufung auf einen Informanten in der Navy, dass in der Nacht auf Donnerstag der Zerstörer HMS York vor den Falklands eingetroffen sei. Das Versorgungsschiff "Wave Ruler" soll ebenfalls unterwegs dorthin. Außerdem seien bereits tausend Soldaten, vier Eurofighter und ein Tankflugzeug auf die Inseln verlegt worden.
Sir Nicholas Winterton, der Vorsitzende des Falkland-Ausschusses im britischen Parlament,warf den Argentiniern "feindseliges Verhalten einem freundlichen Nachbarn gegenüber" vor. Er mache sich aber keine Sorgen um einen bevorstehenden Konflikt, weol
60 Milliarden Barrel
Argentinien beansprucht die seit dem 19. Jahrhundert zu Großbritannien
gehörenden Inseln vor der Küste Patagoniens. 1982 besetzte das Militär die
Inseln, wurde jedoch von einem britischen Expeditionsheer geschlagen. Die
Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus britischstämmigen Kelpern, die nicht
unter argentinischer Oberhoheit leben wollen.
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Die Ölvorkommen in der von Großbritannien beanspruchten 200-Meilenzone rund
um die Inseln werden auf bis zu 60 Milliarden Barrel geschätzt. Damit wäre es
eines der größten Vorkommen weltweit. Schon 1998 war nach Öl gebohrt worden, die
Ausbeutung galt damals jedoch als nicht wirtschaftlich. Die inzwischen
gestiegenen Preise könnten dies jedoch ändern. (red/APA/apn)