Weil staatliches Geld nie und nimmer reicht, um Klima- und Energieziele ausreichend zu fördern, setzt der Klimafonds auf Modellprojekte, erläutert Ingmar Höbarth
Weil staatliches Geld nie und nimmer reicht, um Klima- und Energieziele ausreichend zu fördern, setzt der Klimafonds auf Modellprojekte, erläutert Ingmar Höbarth im Gespräch mit Johanna Ruzicka.
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STANDARD: Den Klima- und Energiefonds gibt es jetzt seit gut zweieinhalb Jahren. Können Sie eine Bilanz ziehen?
Höbarth: Es ist gelungen zu beweisen, dass wir sehr schlank und effizient Großes bewirken können, weil wir mit unserer Förderpolitik auf Modelle für die Zukunft abstellen. Zum Beispiel: Klima- und Energiemodellregionen oder E-Mobilität-Modellregionen. Wir können modellhaft zeigen, wie Regionen in der Zukunft energieunabhängig werden. Diese Modelle haben eine dementsprechende Multiplikatorwirkung. Oder bei der E-Mobilität: Die wird mit Sicherheit in den nächsten zehn, 15 Jahren den Durchbruch erreichen. Da testen wir schon jetzt, wie die Infrastruktur, die Speicherkapazitäten, Ladestationen etc., wie das alles zusammenspielt.
STANDARD: Das heißt, eine solche modellhafte Förderung lässt sich auch mit relativ geringen Mitteln umsetzen und kann trotzdem viel bewirken?
Höbarth: Das ist ein strategischer Ansatz, der bewusst gewählt wurde, weil wir so jeden Förder-Euro multiplizieren. Um strukturverändernde Impulse geben zu können, muss man entweder sehr viel Geld in die Hand nehmen oder aber Impulse setzen.
STANDARD: Ein Beispiel?
Höbarth: Es gibt mittlerweile 37 Regionen mit 437 Gemeinden, die bei den Klima- und Energie-Modellregionen mitmachen, das betrifft 840.000 Menschen. Das ist beispielhaft für sehr viele andere Gemeinden. Die sehen sich das an und denken sich: Das wollen wir auch. Bei den Modellregionen geht es darum, dass man vom zentralen, fossilen System in der Zukunft zu einem klugen regionlaen Energie-Mix kommt. Dieser Mix wird in einem Alpental anders aussehen müssen wie im Waldviertel. Auch Energieeffizienz wird regional angepasst sein müssen. Die Umsetzung solcher Konzepte, mit optimaler Ausnutzung der lokalen Gegebenheiten, das ist durch die modellhafte Förderung möglich.
STANDARD: Stichwort thermische Sanierung: Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hat vor kurzem gefordert, dass es da ein neues Förderprogramm von 100 Millionen Euro geben muss, damit auf wirklich breiter Basis saniert wird. Würde so etwas nicht an den Grenzen des Klimafonds kratzen?
Höbarth: Der Gebäudesektor ist in dem ganzen Zusammenspiel Energieeffizienz / erneuerbare Energien / weniger fossile Energien sehr wichtig. Sanierung wirkt sich ja für mindestens 40 Jahre aus. Der Klimafonds geht deshalb auch den Weg einer Mustersanierungsoffensive, bei der Leuchtturmprojekte auf Niedrigstenergiestandard fördern. Da gibt es bereits die ersten umgebauten Beispiele. Zum Beispiel die Bipa-Filiale in der Kärntner Straße 3. Die wurde von 100 Kilowattstunden (KWh) auf 14 KWh heruntersaniert, komplett mit LED-Technologie, Wärmerückgewinnung etc. Diese Filiale dient jetzt als Muster für alle "grünen" Geschäftslokale, nicht nur für Rewe, die angekündigt haben, dass sie in Zukunft alle Bipa-Sanierungen auf diesem Standard machen wollen. Ein ähnliches Musterprojekt haben wir mit dem Boutiquehotel Stadthalle gefördert. Wir mögen Leuchtturmprojekte.
STANDARD: Das heißt also, dass Sie annehmen, dass der Klimafonds in seiner Struktur über das Jahr 2010 hinaus gesichert ist?
Höbarth: Der Klimafonds ist effizient und wirkt. Warum soll er dann in der Zukunft nicht weiterbestehen. .
STANDARD: Nun ist aber in letzter Zeit viel über die Zukunft des Klimafonds spekuliert worden. Man könnte ihn einer anderen Förderinstitution eingemeinden, meinen einige - und das käme auch billiger.
Höbarth: Der Klimafonds erfüllte innovative Aufgaben und ist schlank aufgestelltd. Der Klimafonds hat eine effiziente Struktur für Fragen wie Nachhaltigkeit in der Energieversorgung oder bei den Problemen des Klimawandels. Diese Probleme werden uns noch lange begleiten, und ich denke, dass der Klimafonds als Instrument dringend notwendig ist.
STANDARD: Der Rechnungshof hat den Klimafonds kürzlich überprüft?
Höbarth: Ich kenne den Rohbericht des Rechnungshofes noch nicht, aber die Gespräche waren intensiv. Ich bin zuversichtlich, dass der Rechnungshof unsere Effizienz entsprechend würdigt. Wir arbeiten mit fünf Mitarbeitern und ein paar kleinen Büroräumen 17.000 Projekte im Jahr ab. Das soll uns mal wer nachmachen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2010)
Zur Person
Ingmar Höbarth ist seit Oktober 2007 Geschäftsführer des Klima-
und Energiefonds. Er hat 1982 Global 2000 mitbegründet und war
Vorstandsmitglied dieser Umweltschutzorganisation.
Wissen: Förderung von Nachhaltigkeit
Der Klima- und Energiefonds (Klien) wurde im Juli 2007 im
österreichischen Nationalrat per Gesetz beschlossen, er soll bei der
Umsetzung der österreichischen Klimastrategie mithelfen. Ziel ist die
Verwirklichung einer nachhaltigen Energieversorgung, die Reduktion der
Treibhausgas-Emissionen sowie die Steigerung der Forschungsquote in
diesen Bereichen.
Der Fonds ist für den Zeitraum von 2007 bis
2010 mit einem Fördervolumen von bis zu 500 Millionen Euro dotiert. Im
Jahr 2007 standen 50 Millionen, im Jahr 2008 150 Millionen Euro zur
Verfügung.
Mit den Fördergeldern sollen innovative Projekte
unterstützt und Aufträge erteilt werden, die einen wesentlichen Beitrag
für eine umweltfreundlichere und energieschonende Zukunft bringen. Zwei
entscheidende Kriterien bei der Aufsetzung des Förderprogramms sind die
Effizienz und die Nachhaltigkeit. (red)