Baubewilligungen gehen drastisch zurück

17. Februar 2010 16:47

GBV-Aufsichtsratschef Lugger befürchtet einen massiven Preisschub in den nächsten Jahren

Österreich hat der Immobilienkrise weitgehend getrotzt, die Zahl der Wohnungsfertigstellungen konnte 2009 nur hierzulande sowie in der Schweiz gehalten werden, berichtete Klaus Lugger, Aufsichtsratsvorsitzender des Verbands der Gemeinnützigen Wohnbauträger (GBV). Während beispielsweise in Spanien zuletzt um 60 Prozent weniger Wohnungen fertiggestellt wurden und in Irland sogar noch weniger, liege Österreich damit im europäischen Feld "sehr gut".

56 Prozent wohnen im Eigentum

Beim Bereitstellen des Wohnbedarfs der Österreicherinnen und Österreicher sei generell in den letzten Jahrzehnten "sensationell aufgeholt" worden. 56 Prozent der Einwohner der Alpenrepublik wohnen heute im Eigentum.

Die Ausgaben der österreichischen Privathaushalte für das Wohnen stehen außerdem seit mehreren Jahren stabil bei 20 Prozent. Derzeit würden die Wohnungskosten außerdem nicht stärker steigen als der Verbraucherpreisindex, weshalb das Wohnen kein Preistreiber mehr sei. Bis vor rund zehn Jahren sei dies aber der Fall gewesen, so Lugger. Der Geschäftsführer der Genossenschaft "Neue Heimat Tirol" gibt seit 1995 in mehrjährigen Abständen das "Österreichische Wohnhandbuch" heraus, am Mittwoch präsentierte er gemeinsam mit s-Bausparkasse-Generaldirektor Josef Schmidinger die sechste Auflage.

Zuwenige Fertigstellungen

Lugger stellt darin unter anderem mehrere demographische Faktoren gegenüber, die - einmal mehr - allesamt auf eines hinweisen: eine drohende Wohnraumknappheit in Österreich. Die Zahl der jährlichen Fertigstellungen an Wohneinheiten ist zwar mit etwas mehr als 40.000 vorerst noch stabil, doch die Baubewilligungen sind seit 2008 massiv eingebrochen. Den starken Rückgang an Bewilligungen für Ein- und Zweifamilienhäuser, der sich vor allem in den "Flächen-Bundesländern" Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark niederschlägt, führt Schmidinger direkt auf die Wirtschaftskrise zurück.

Noch dramatischer dürfte sich aber auswirken, dass seit dem Jahr 2006 auch die Baubewilligungen im mehrgeschoßigen Wohnbau zurückgehen. 2008 wurden nur noch 28.000 Wohneinheiten baubewilligt. In drei bis fünf Jahren - "so lange rechnen wir von der Bewilligung bis zur Fertigstellung" - sei deshalb mit einem massiven Preisschub zu rechnen, warnte Lugger.

Bedarf nimmt weiter zu

Gleichzeitig steigt nämlich der Bedarf an Wohnraum, eine vielzitierte Wifo-Studie aus dem Jahr 2007 spricht von 56.000 neuen Einheiten jährlich. "Das ist eine gefährliche Entwicklung", so Lugger. Es werde zu einem neuen "Anschwellen der Wohnungspreise" kommen.

Zuletzt zogen die Preise für Mieten und Eigentumswohnungen Ende der 90er Jahre um 10 bis 25 Prozent dramatisch an, nachdem die Republik die Wohnbaudarlehen um zehn Prozent gekürzt hatte. Die Entwicklung wurde damals mit Budgetmitteln abgefedert. "Wenn die Baubewilligungen 2009 ein zweites Mal so niedrig ausfallen, kommt es unweigerlich auch zu sehr starken Mieterhöhungen", so Lugger. Die genauen Zahlen liegen erst in ein paar Monaten vor.

Single-Wohnungen weiter gefragt

Mit rund 1,3 Millionen stellen Single-Haushalte im Jahr 2010 nach wie vor unangefochten die relative Mehrheit aller 3,6 Mio. Haushalte. Weiteres gibt es in Österreich derzeit rund 1 Million Zwei-Personen-, knapp 600.000 Drei-Personen- und etwa 470.000 Vier-Personen-Haushalte. Rund 240.000 Haushalte bestehen aus fünf oder mehr Mitgliedern. Bis 2040 werde die Zahl der Single-Haushalte auf 1,72 Mio. ansteigen, die Gesamtzahl der österreichischen Haushalte dürfte dann 4,32 Mio. erreichen, in den kommenden 30 Jahren werden also 700.000 zusätzliche Wohneinheiten benötigt.

Derzeit herrsche in erster Linie Nachfrage nach günstigen Mietwohnungen, die Zahl der Eigenheime geht kontinuierlich zurück. "Das Phänomen Mietkauf hat den Eigentumswohnungsbau nahezu ruiniert." Seit 1980 fällt der Eigentumsbau kontinuierlich, gleichzeitig steigt der Mietkauf. "Der Mittelstand ist offenbar in einer sehr prekären Situation und hat zu wenig Bargeld", so Lugger. (map, derStandard.at, 17.2.2010)

Hinweis

Das "Österreichische Wohnhandbuch 2010" von Klaus Lugger ist im StudienVerlag erschienen und kann zum Preis von 22,90 Euro bestellt werden.

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