Der ägyptische König dürfte an Malaria gestorben sein und litt an einer Knochenerkrankung - insgesamt 16 Mumien wurden analysiert
Wien/Kairo/Berlin - Der ägyptische König Tutanchamun starb laut einer neuen
Untersuchung ägyptischer, italienischer und deutscher Forschungseinrichtungen vermutlich an Malaria. Die Wissenschafter, darunter Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass, fanden zudem Hinweise auf eine Knochenerkrankung, die allerdings nicht lebensbedrohlich
gewesen sein dürfte. Die Arbeiten wurden in der
Wissenschaftszeitschrift "JAMA" veröffentlicht.
Die Forscher sehen bestätigt, dass Tutanchamun ein Sohn
des legendären Pharao Echnaton war. Auch die Mumie von Tutanchamuns Mutter wurde identifiziert. Es stellte sich heraus, dass seine Eltern Geschwister waren. Inzestiöse Beziehungen waren in Ägyptens Königtum allgemein üblich, erläuterte Hawass im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch in Kairo. "Ein König konnte seine Schwester und seine Tochter heiraten, weil er ein Gott war", so Hawass.
Hintergrund
Tutanchamun war vor rund 3.300 Jahren ein Pharao des Neuen Reiches. Er wurde
im Alter von kaum zehn Jahren gekrönt, starb aber rund zehn Jahre später.
Bekannt wurde er weniger durch seine kurze Regentschaft als vielmehr durch das
beinahe unversehrte Grab mit sensationellen Beigaben. Um Leben und Tod Tutanchamuns ranken sich Legenden.
Seit Howard Carter im Jahr 1922 das Grab im Tal der Könige entdeckte, haben Wissenschaftler gerätselt, warum der Kindkönig so jung gestorben ist. Manche gehen davon aus, dass er nach einem Sturz von seinem Streitwagen gestorben ist, andere vermuten ein Verbrechen. Da er so jung starb und keine Nachkommen hinterließ, wurde auch angenommen, dass er an einer erblichen Krankheit gelitten haben könnte. In Frage käme zum Beispiel das Marfan-Syndrom. Hawass lehnt diese Theorien ab. Es gebe keine überzeugenden Beweise dafür, dass der König oder einer seiner Vorfahren am Marfan-Syndrom gelitten habe. Die weiblichen Formen - auf vielen Darstellungen ist der Pharao mit vorgewölbter Brust zu sehen - seien viel mehr ein Ablenkungsmanöver und spiegelten die Mode der Zeit wider.
Genetische Tests
Das Forschungsteam hat zwischen 2007 und 2009 genetische Tests an 11 Mumien des
neuen Reiches und fünf Mumien früherer Epochen, als auch weitere Untersuchungen wie Röntgen- und
Gewebsanalysen durchgeführt. Der junge Pharao litt den Ergebnissen zufolge an einer
Knochenerkrankung (Morbus Köhler 2) im linken Fuß, die wohl nicht lebensbedrohlich war, aber seine
Mobilität einschränkte. Dazu komme noch ein Klumpfuß und eine Krümmung der Wirbelsäule. Das erklärt laut den Wissenschaftern auch die Tatsache,
dass im Grab viele Gehstöcke gefunden wurden.
Es fanden sich aber auch Hinweise auf Malaria. Da es sich um eine
vergleichsweise gefährliche Form handelte - Malaria tropica - dürfte diese
Parasitenerkrankung in Kombination mit den Knochenproblemen zum Tod geführt
haben. Damit wären Spekulationen über eine Ermordung des jungen Königs obsolet.
Tutanchamuns Eltern
Die Gen-Analysen hätten die Vaterschaft von Echnaton (Geburtsname Amenophis IV.) bestätigt, gab das Forschungsteam bekannt. Prinzipiell
wurde auch die Mutter gefunden (die Mumie KV35YL), um wessen Mumie es sich dabei handelt, müssen
allerdings weitere Untersuchungen klären. Dass Nofretete, die Frau Echnatons,
auch die Mutter Tutanchamuns war, schließt Hawass aus. Nofretete sei ohne Sohn geblieben, so habe Echnaton seine Schwester geheiratet. Es brauche aber noch Monate an Nachforschungen, um mehr über ihre Identität zu erfahren, so der Ägyptologe bei der Pressekonferenz.
Reaktion
Der deutsche Ägyptologe Dietrich Wildung stellte am Mittwoch in Frage, ob die
Mumie, die jetzt als Vater des Pharaos identifiziert worden sei, tatsächlich
Echnaton sei. "Auf den Mumien steht nicht drauf, wer sie
sind", sagte der frühere Direktor des Ägyptischen Museums Berlin dem
Sender MDR Info. Die beiden Mumien seien ganz offensichtlich umgebettet worden. Damit erlaubten die Fundumstände auch keine verlässliche Aussage über deren
Identität, so Wildung. Allerdings gebe es eine Wahrscheinlichkeit, dass Echnaton
der Vater von Tutanchamun gewesen sei. In historischen Texten sei noch nichts
über die Familienverhältnisse des Pharaos gefunden worden.
Im Ägyptischen Museum in Berlin werde jedoch ein kleines Kalksteinrelief
gezeigt, das die neuen Forschungsergebnisse zum schlechten Gesundheitszustand
Tutanchamuns untermauert. Es stellt ein Königspaar beim Spaziergang im Garten
dar. Auf diesem Bild werde der jugendliche König mit Krückstock gezeigt, und
eines seiner Beine sei sehr dünn und kraftlos dargestellt. "Die Kunstgeschichte
liefert den Bildbeleg, liefert die Illustration zu der naturwissenschaftlichen
Analyse", so Wildung. (APA/pte/Reuters/red)