Tutanchamuns Eltern waren Geschwister

18. Februar 2010, 12:34

Der ägyptische König dürfte an Malaria gestorben sein und litt an einer Knochenerkrankung - insgesamt 16 Mumien wurden analysiert

Wien/Kairo/Berlin - Der ägyptische König Tutanchamun starb laut einer neuen Untersuchung ägyptischer, italienischer und deutscher Forschungseinrichtungen vermutlich an Malaria. Die Wissenschafter, darunter Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass, fanden zudem Hinweise auf eine Knochenerkrankung, die allerdings nicht lebensbedrohlich gewesen sein dürfte. Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift "JAMA" veröffentlicht.

Die Forscher sehen bestätigt, dass Tutanchamun ein Sohn des legendären Pharao Echnaton war. Auch die Mumie von Tutanchamuns Mutter wurde identifiziert. Es stellte sich heraus, dass seine Eltern Geschwister waren. Inzestiöse Beziehungen waren in Ägyptens Königtum allgemein üblich, erläuterte Hawass im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch in Kairo. "Ein König konnte seine Schwester und seine Tochter heiraten, weil er ein Gott war", so Hawass.

Hintergrund

Tutanchamun war vor rund 3.300 Jahren ein Pharao des Neuen Reiches. Er wurde im Alter von kaum zehn Jahren gekrönt, starb aber rund zehn Jahre später. Bekannt wurde er weniger durch seine kurze Regentschaft als vielmehr durch das beinahe unversehrte Grab mit sensationellen Beigaben. Um Leben und Tod Tutanchamuns ranken sich Legenden. 

Seit Howard Carter im Jahr 1922 das Grab im Tal der Könige entdeckte, haben Wissenschaftler gerätselt, warum der Kindkönig so jung gestorben ist. Manche gehen davon aus, dass er nach einem Sturz von seinem Streitwagen gestorben ist, andere vermuten ein Verbrechen. Da er so jung starb und keine Nachkommen hinterließ, wurde auch angenommen, dass er an einer erblichen Krankheit gelitten haben könnte. In Frage käme zum Beispiel das Marfan-Syndrom. Hawass lehnt diese Theorien ab. Es gebe keine überzeugenden Beweise dafür, dass der König oder einer seiner Vorfahren am Marfan-Syndrom gelitten habe. Die weiblichen Formen - auf vielen Darstellungen ist der Pharao mit vorgewölbter Brust zu sehen - seien viel mehr ein Ablenkungsmanöver und spiegelten die Mode der Zeit wider.

Genetische Tests

Das Forschungsteam hat zwischen 2007 und 2009 genetische Tests an 11 Mumien des neuen Reiches und fünf Mumien früherer Epochen, als auch weitere Untersuchungen wie Röntgen- und Gewebsanalysen durchgeführt. Der junge Pharao litt den Ergebnissen zufolge an einer Knochenerkrankung (Morbus Köhler 2) im linken Fuß, die wohl nicht lebensbedrohlich war, aber seine Mobilität einschränkte. Dazu komme noch ein Klumpfuß und eine Krümmung der Wirbelsäule. Das erklärt laut den Wissenschaftern auch die Tatsache, dass im Grab viele Gehstöcke gefunden wurden.

Es fanden sich aber auch Hinweise auf Malaria. Da es sich um eine vergleichsweise gefährliche Form handelte - Malaria tropica - dürfte diese Parasitenerkrankung in Kombination mit den Knochenproblemen zum Tod geführt haben. Damit wären Spekulationen über eine Ermordung des jungen Königs obsolet.

Tutanchamuns Eltern

Die Gen-Analysen hätten die Vaterschaft von Echnaton (Geburtsname Amenophis IV.) bestätigt, gab das Forschungsteam bekannt. Prinzipiell wurde auch die Mutter gefunden (die Mumie KV35YL), um wessen Mumie es sich dabei handelt, müssen allerdings weitere Untersuchungen klären. Dass Nofretete, die Frau Echnatons, auch die Mutter Tutanchamuns war, schließt Hawass aus. Nofretete sei ohne Sohn geblieben, so habe Echnaton seine Schwester geheiratet. Es brauche aber noch Monate an Nachforschungen, um mehr über ihre Identität zu erfahren, so der Ägyptologe bei der Pressekonferenz.

Reaktion

Der deutsche Ägyptologe Dietrich Wildung stellte am Mittwoch in Frage, ob die Mumie, die jetzt als Vater des Pharaos identifiziert worden sei, tatsächlich Echnaton sei. "Auf den Mumien steht nicht drauf, wer sie sind", sagte der frühere Direktor des Ägyptischen Museums Berlin dem Sender MDR Info. Die beiden Mumien seien ganz offensichtlich umgebettet worden. Damit erlaubten die Fundumstände auch keine verlässliche Aussage über deren Identität, so Wildung. Allerdings gebe es eine Wahrscheinlichkeit, dass Echnaton der Vater von Tutanchamun gewesen sei. In historischen Texten sei noch nichts über die Familienverhältnisse des Pharaos gefunden worden.

Im Ägyptischen Museum in Berlin werde jedoch ein kleines Kalksteinrelief gezeigt, das die neuen Forschungsergebnisse zum schlechten Gesundheitszustand Tutanchamuns untermauert. Es stellt ein Königspaar beim Spaziergang im Garten dar. Auf diesem Bild werde der jugendliche König mit Krückstock gezeigt, und eines seiner Beine sei sehr dünn und kraftlos dargestellt. "Die Kunstgeschichte liefert den Bildbeleg, liefert die Illustration zu der naturwissenschaftlichen Analyse", so Wildung. (APA/pte/Reuters/red)

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Linke Chuzpe
00
24.2.2010, 17:03
Aber das darf die Winter nicht sagen - Volksverhetzung wegen Inzest!

Psychedelic Brain
00
21.2.2010, 19:48
aha

Wie sehr ich doch solch' präzise Aussagen wie "eine Knochenerkrankung" mag.
In seiner jetzigen Verfassung, dürfte dem Patienten die ärztliche Schweigepflicht eh' nicht mehr so wirklich am Herzen liegen!

wurzen sepp
 
01
20.2.2010, 20:32
glaub ich nicht.

ich war selbst mehrere jahrzehnte herrscher in ägypten.
mir wäre nie eingefallen, meine schwester anzubaggern.

artemis70
00
21.2.2010, 19:26
aber hallo - da hat die schwester ja noch einmal glück gehabt!

Fritz Wunderlich
01
19.2.2010, 15:25

Results Genetic fingerprinting allowed the construction of a 5-generation pedigree of Tutankhamun's immediate lineage. The KV55 mummy and KV35YL were identified as the parents of Tutankhamun.

Waldgaenger
20
19.2.2010, 13:46
nicht so unüblich

Es werden wohl nur Halbgeschwister gewesen sein, das dürfte im Altertum nicht ungewöhnlich sein, man denke an den ältesten Sohn von König David und die Beziehung zur vergewaltigten Halbschwester Tamar, die vor der Vergewaltigung meint, der König wird dir meine Hand geben, wenn du ihn darum bittest.

Nick Tameer
07
19.2.2010, 12:45

Der kleine Tut-ench brachte seine Eltern oft dadurch schier zur Vezweifelung, dass er quengelte, er wolle auch zwei Größväter und Großmütter haben wie die anderen Kinder.

Nevim
01
19.2.2010, 13:24

Andererseits, wie viele Kinder sind schon ihr eigener Cousin?

Nick Tameer
00
19.2.2010, 15:18

Nein, das half leider nichts: "Ich will aber richtige Cousins und Cousinen!!! *plärr* "

füllhornkäfer
00
20.2.2010, 16:01

Ooooch, er hatte eine Menge Cousinen und sie waren zugleich seine Schwestern. Eine davon hat er geheiratet: so bleibts halt in der Familie.

Nick Tameer
00
20.2.2010, 18:02

Richtig, die moderne Kleinstfamilie hat doch glatt meinen Blick getrübt.

Raphael Hythlodeus
02
19.2.2010, 18:46
Nick Tameer
00
19.2.2010, 21:49
Whatever became of Joe F.?

Das Kufstein-Lied kenne ich (leider) schon länger, aber dass es auch ein Amstetten-Lied gibt, war mir neu.

(HR15714N
11
19.2.2010, 08:17
Tutanchamuns Eltern waren Geschwister


und zwar Brüder!

Faktor I
00
18.2.2010, 21:07
Sehr merkwürdig...

Also, mal abgesehen davon, daß man schon ziemlich lange von Geschwisterehen im ägypt. Königshaus weiß, was ist damit bewiesen, daß man zwei nicht eindeutig zuordenbare Mumien als die Eltern von Tut erkannt hat? Meines Wissens weiß man bei beiden nämlich so nicht ganz genau, wer sie waren... Und es gibt stichhaltige Argumente, daß das Skelett (Mumie ist wohl sehr übertrieben...) eben nicht Echnaton sein kann (Alter...).

Joseph III. - Von eigenen Gnaden etc. etc.
 
18
18.2.2010, 18:40
Das ist jetzt nicht wirklich eine neue Erkenntnis ...

Inzestuöse Beziehungen innerhalb der Pharao-Dynastien sind eigentlich Usus gewesen.

Und wenn man sich den Hochadel, teils bis in unsere Tage anschaut ... na ja ...

Aber klar im "Zeitalter der marktschreierischen Medien" macht sich eine angeblich "neue" Erkenntnis immer gut!

P.S.: Passt zwar nicht ganz hierher, aber ich bin überzeugt, das Beste was dem Menschlichen Genpool passieren kann, ist eine möglichst intensive Durchmischung der verschiedenen genetischen Zweige über alle Grenzen und Kulturen hinweg.

füllhornkäfer
01
20.2.2010, 16:20

Der heutige Hochadel wehrt sich aber vehement gegen Gen-Tests. (Sie werden schon wissen warum :)

Trotzdem ist es eine Sache, ob man aus schriftlichen Quellen über die Geschwisterehen weiß, eine andere, den Befund auch über die DNA-Tests zu bestätigen.

HisHasH
02
19.2.2010, 02:06
off-topic

»Das Beste was dem Menschlichen Genpool passieren kann, ist eine möglichst intensive Durchmischung der verschiedenen genetischen Zweige über alle Grenzen und Kulturen hinweg.«

Und keine roten Stricherln :-)

So eine Aussage können's aber auch nur hier machen, da die Möglkichkeit, ein effe könne sich in das Wissenschafts-Forum verirren, irgendwo bei Null liegt. Die haben andere Interessen.

Hmm.. Ich weiß nicht, ob im Krone-Forum auch die Möglichkeit besteht, Postings zu bewerten. Ich schau jedenfalls nach.
Falls Ja, leihen Sie mir bitte diesen Satz!
Irgendein Thema, wo man diese Aussage unterbringt ist im Krone-Forum sicher schnell gefunden.

Mal schauen, wie er dort ankommt - falls er nicht als anstößig der Zensur zum Opfer fällt ;-)

MarktSopherl
10
18.2.2010, 18:18
Wer weiß ohne Gentest schon wer der Hr. Papa ist?

In Europa soll es bis zu 15% Kuckuckskinder geben.

Nichts gegen die Frauen, es waren Männer gleichermaßen beteiligt.

Nur daß alle Männder Schweine seien wird sich nicht halten lasssen.

fish13
01
18.2.2010, 16:41
wow, die schau´n vielleich alt aus ;)

HisHasH
01
19.2.2010, 01:48

Ja, aber die Nase hat er definitiv von der Mama :-)

Zrp Zrpov
 
00
18.2.2010, 17:58
Obwohl's ein Archivbild ist...

Death 'n' Roll
03
18.2.2010, 13:53
Zu gehen tut´s.

Wie bei den Habsburgern.

tomsphotography
00
18.2.2010, 13:22

jö, schau da Tutanchamun hat is Gsicht vo da Mama! Eindeutig... aber ob der andere der Papa is..? Vo dem hat er zumindest ned viel kriegt...
;-)

Blablub
01
18.2.2010, 13:16

das war zu erwarten

da es üblichw ar unetr königsfamilien zu heiraten..

es wäre eien überraschung gewesen wäre er das kind von wem anderen als von den angeblichen eltern... -.-

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