Dalai Lama-Besuch

Map Room statt Oval Office

Frank Herrmann, 16. Februar 2010, 19:02

Geistliches Oberhaupt der Tibeter besucht USA - Gespannte Beziehungen mit China

Zum Glück hat das Weiße Haus genügend Zimmer, um Spielraum für die feinen Nuancen der Diplomatie zu bieten. Wenn Barack Obama am Donnerstag den Dalai Lama empfängt, dann nicht im Oval Office, was protokollarisch die höchste Ehre wäre. Stattdessen wird er den illustren Gast im Map Room treffen, dort, wo Franklin D. Roosevelt im Zweiten Weltkrieg auf Landkarten den Verlauf der Fronten studierte.

Der Dalai Lama an der Pennsylvania Avenue, es ist ein Termin mit Tradition. Seit George Bush senior hat noch jeder US-Präsident dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter den roten Teppich ausgerollt. Es gehört zum Selbstverständnis der amerikanischen Demokratie, einen Mann willkommen zu heißen, der das Streben eines unterdrückten Volkes nach Selbstbestimmung symbolisiert. Doch jedes Mal achtete man darauf, China nicht allzu sehr zu reizen. Ein Handshake vorm Kamin des Oval Office blieb dem Friedensnobelpreisträger immer verwehrt, auch unter den Bushs und Bill Clinton.

Obama war noch einen Schritt weiter gegangen, um die Volksrepublik gnädig zu stimmen. Im Oktober, einen Monat vor seiner Reise nach Peking, ließ er den Dalai Lama noch ausladen. Für John Delury, den China-Experten der New Yorker Asia Society, war es ein Fehler, ein Zugeständnis, das nicht belohnt wurde. "Obamas Administration hat mit unrealistischen Erwartungen angefangen. Für all ihre Anstrengungen hat sie kaum Früchte geerntet."

Zwölf Monate lang hat sich das Weiße Haus alle Mühe gegeben, die Chinesen für einen ruhigen, kühlen Interessenausgleich zu gewinnen. Außenministerin Hillary Clinton, eigentlich bekannt als Streiterin für die Menschenrechte, schlug so leise Töne an, dass es an Selbstverleugnung grenzte. Die Zurückhaltung hatte Gründe. Mit mindestens 800 Milliarden Dollar steht die alte Supermacht bei der potenziell neuen in der Kreide. Seit der Finanzkrise hält China die meisten US-Staatsanleihen. Eine wechselseitige Abhängigkeit: Als Exporteur und Investor hat das Reich der Mitte kein Interesse daran, Uncle Sam im Stich zu lassen und den Dollar auf Talfahrt zu schicken.

Bei allen traditionellen Reizthemen sind die beiden Seiten jüngst aneinandergeraten: bei Anti-Dumping-Zöllen und Währungsmanipulation, bei Klimaschutz, Internetzensur und Waffenverkäufen an Taiwan. Obama muss schon deshalb dagegenhalten, weil daheim der Druck wächst. Die Folge sind schärfere Töne. Hillary Clinton forderte vehement Meinungsfreiheit im Internet und wetterte gegen die chinesische Zensur. Dann verteidigte das Weiße Haus ein Rüstungsgeschäft mit Taiwan. Auch die Kontroverse um die Währungspolitik wird nun öffentlich ausgetragen. Die Zeit der Moll-Töne scheint fürs Erste vorbei. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2010)

Kommentar posten
12 Postings
Halbmond
00
19.2.2010, 14:26

Das was die Amis für eine vorstellung abgeben ist einfach Heuchlerisch.

equality
30
17.2.2010, 11:11
ich frag mich nur warum sich der dalai lama für dieses kasperltheater hergibt.

das sind ja alles handlanger eines kranken systems wo sicher keiner auch nur einen finger für das tibetische volk rühren wird.

Ductus
51
18.2.2010, 00:24
warum sich der dalai lama für dieses kasperltheater hergibt?

er ist doch der Kasperl!

Odo
32
17.2.2010, 01:53
"Obamas Administration hat mit unrealistischen Erwartungen angefangen. Für all ihre Anstrengungen hat sie kaum Früchte geerntet."

Völlig richtig. Schön, dass man dies mittlerweile auch im Standard lesen darf.

Dies gilt - ich wiederhole mich da - im übrigen nicht nur für China, sondern auch für die Politik von Präsident Obama gegenüber anderen Staaten wie Iran, Nordkorea, Birma, Kuba oder Venezuela. Obama ist den Regimen all dieser Staaten entgegengekommen ohne dafür aber von diesen Regierungen Zugeständnisse irgendwelcher Art zu bekommen. Gutes Zureden und eine Politik der "ausgestreckten Hand" alleine hilft bei solchen Regierungen wohl doch nicht weiter.

Ductus
10
18.2.2010, 00:26
Irgendwie hast du einen Knick in der Wahrnehmung,

umgekehrt ist es, alle wären ihm entgegengekommen aber Maulhelden wie er sind geborene Versager!

Hans Remmer
02
19.2.2010, 08:59

In Bezug auf Maulhelden, da war doch Herr Bush aus anderen Holz geschnitzt: Nicht viel überlegen und denken, . . Dreinhauen, Staaten die ihm nicht passten wurden militärisch überfallen, was zählen da 10.000 oder 15.000 Tote in Bagdad am 1.sten Tag des Überfalls, . . . was sich der Rest der Welt denkt war und ist ihm gleichgültig. . . . Man muss der Welt klarmachen, wer der Herr in der Wlet ist (so Bush).

max 1231
 
24
16.2.2010, 19:24
also ich finde einen dalai lama ehrenwerter

als die ganze kommunistenriege in peking denn der dalai lama stellt das tibetische volk dar, die kommunisten in peking stellen nur das militär dar, denn die kommunisten sind nur ein front end für das militär, die tatsächlichen herrscher in china sind das militär !.

Ductus
41
18.2.2010, 00:29
Vor 50 Jahren wurde in Tibet von Feudalherren und Theokratie ein Aufstand inszeniert der die Macht der Feudalherren vollständig wiederherstellen sollte!

Durch den Einsatz der chinesischen Armee wurde vor 50 Jahren:

das Auspeitschen von unbotmäßigen Leibeigenen abgeschafft

das Ausstechen Augen abgeschafft

das Abschneiden der Zunge abgeschafft

das Abhacken der Hände abgeschafft

das Abziehen der haut bei lebendigem Leib abgeschafft

der Verkauf von Sklaven abgeschafft

das straflose Ermorden von Leibeigenen oder Sklaven abgeschafft

Vor 50 Jahren wurden in Tibet schließlich Millionen Sklaven und Leibeigene befreit


Schande über die chinesischen Armee, wegen der vielen Abschafferei !!!!

greenboy
00
19.2.2010, 11:57
so, hier die Wahrheit, der Gegenwart.

@ductus
kommt mir sehr bekannt vor ihr posting, wieviele nick's haben sie denn?

http://media.phayul.com/flv-view.... nks_id=323

PS: Außerdem, Frage! Gewalt aus der Vergangenheit rechtfertigt jetzt Gewalt? Oder Wie?
Wenn dem so wäre, würde die Welt schon lange nicht mehr stehen.

Hans Remmer
01
19.2.2010, 09:01
. . und heute in China?

Sie vergessen die Methoden aufzuzählen die HEUTE in China praktiziert werden.

Willi Rauer
01
19.2.2010, 08:48

Sie vergessen die Methoden der chinesischen Militär-diktatur aufzuzählen. Diese habe andere sehr unapetitliche Methoden.

grenzen meiner sprache , grenzen meiner
02
19.2.2010, 07:41

naja, so zimperlich sind die chinesen mit ihren politischen gegnern ja auch net umgegangen.stichwort:"laogai"; stichwort "großer sprung nach vorn", stichwort:"kulturrevolution".
die unterschiede schwinden, je genauer man hinsieht.
und nicht zu vergessen: die berühmte chinesische hinrichtungspädagogik!!!

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