Walter Mixa

Bischof: Missbrauch auch Folge sexueller Revolution

16. Februar 2010 17:56

Deutsche Grünen-Chefin: Mixa verhöhnt die Opfer, wenn er einer Sexualisierung der Gesellschaft eine Mitschuld an den Vorfällen gebe

Augsburg - Der sexuelle Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen ist nach Überzeugung des Augsburger Bischofs Walter Mixa auch eine Folge der zunehmenden Sexualisierung der Öffentlichkeit. "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig", sagte Mixa.

Er nannte die Übergriffe von Geistlichen auf Jugendliche allerdings ein "besonders abscheuliches Verbrechen". Als Seelsorger mache es ihn "zutiefst betroffen", wie selbst Priester in "entsetzlicher Weise schuldig werden können", sagte Mixa.

Kritik von Grünen-Chefin

Die deutsche Grünen-Chefin Claudia Roth griff Mixa wegen dessen Äußerungen scharf an. Der Kirchenführer verhöhne die Opfer, wenn er einer Sexualisierung der Gesellschaft eine Mitschuld an den Vorfällen gebe, sagte Roth. Roth forderte die katholische Kirche auf, "sich in aller Schärfe von diesen Entlastungsversuchen ihres Bischofs zu distanzieren"

Mixa räumte ein, dass in der Kirche Verantwortliche in der Vergangenheit gegenüber Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen "zu blauäugig" waren. "Da sind kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im Bereich des staatlichen Strafrechts Resozialisierung statt Strafe propagierte", so der Bischof. "In der Vergangenheit hat oft der gut gemeinte Versuch, die Opfer vor einer voyeuristischen Berichterstattung zu schützen, in Wahrheit die Opfer zusätzlich gequält und die Täter geschützt." Einen Zusammenhang von priesterlicher Ehelosigkeit und den sexuellen Übergriffen erkannte Mixa indessen nicht.

"Mit seinen unseligen Äußerungen" stelle der Bischof in Frage, "inwieweit es bei der katholischen Kirche wirklich ein glaubwürdiges Interesse daran gibt, das erschreckende Ausmaß an Missbrauchsfällen schonungslos und selbstkritisch aufzuklären", sagte Roth. Dazu müsse auch "die kritische Auseinandersetzung mit der repressiven Sexualmoral der katholischen Kirche und ihrer Rolle bei diesem furchtbaren Komplex des Wegsehens und der Verheimlichung" zählen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Tinzi
09.03.2010 20:34

Ich denke, dass Kindesmissbrauch in vielen Kulturen eine gängige Praxis war. "Josefine Mutzenbacher", ein lange verbotener Roman, zeigte deutlich und erschütternd die Praxis im Wien vor der Jahrhundertwende. Hinlänglich erforscht ist die Tatsache, dass beim Tod der Mutter, eines der weiblichen Kinder alle Pflichten beim Vater übernehmen musste. Nicht nur in Arbeiterfamilien sondern auch im ländlichen, bäuerlichen Umfeld.
Der Adel konnte beinahe ungestraft Kinder missbrauchen. Wenige Skandale kamen ans Licht: Wie der des Kinderballetts des Theaters an der Wien (1822), wo ein Fürst Kaunitz reihenweise vorpubertäre Mädchen missbrauchte, 200 an der Zahl. Ihm passierte nichts, das Ballett wurde abgeschafft, anscheinend waren die Kinder schul!

Mathbau
19.02.2010 19:06

So unrecht hat Mixa nicht. Seine Aussage impliziert ja nicht, dass es weder davor noch danach zu sexuellen Missbrauch gekommen ist bzw dass dadurch irgendetwas entschuldigt werden soll (ähnliches gilt auch für prominente Fälle wie Polansky oder diverse Kommunen - dort wies man ja auch auf das besondere "Klima" der 70er Jahre hin - ohne das das Verhalten der Täter damit auch nur im entferntesten entschuldigt werden kann). Folgendes ist augenscheinlich: Der größte Teil der Vorwürfe bezieht sich auf Fälle in den 60er/70er Jahre und scheint (trotz massiv gestiegener Sensibilität diesem Thema gegenüber) mit Mitte der 80er Jahre abzuklingen.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
21.02.2010 12:29
Sorry, ich kann Ihnen nicht ganz folgen.

Seine Aussage impliziert ja nicht..., gut, was impliziert sie sonst?

Change
18.02.2010 21:22
er meint wohl vor der sexuellen revolution hätten die Opfer noch geschwiegen

jaja die guten alten zeiten

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
24.02.2010 15:29
Dann hat er richtig ;-).

Marlon62
18.02.2010 07:51
Der Typ denkt so verkehrt,

weil er die Anfangsbuchstaben seines Namens ein bisserl verändert hat: Beim Nachnamen hat er den ersten Buchstaben auf den Kopf gestellt, beim Vornamen hat er den Anfangsbuchstaben des Nachnamens hinzugefügt.

Lord Chaos
17.02.2010 15:34


Aber natürlich sind die 68ger schuld! Zumindest aus der Sicht des Bischofs. Diese Generation hat die Unangreifbarkeit der Kirche zerstört, die Unabhängigkeit der staatlichen Behörden vorangetrieben, usw. Kurz: Ohne die 68ger wäre dieser Skandal nie an die Oberfläche gekommen.

michael-joseph schaaf
23.02.2010 10:10
die auflösung der familien......

ob sie kirche angreifen oder auch nicht, sie mitglied sind oder auch nicht - schauen sie sich die problematik vieler familien an - die kinder ebenso - viele auffällig, lernauffällig, - das ergebnis der visog. erwachsenen, die gealterte jugendliche sind, ist beschämend! es stimmt, "obgleich sie leben, sind sie tot"; über 90 % sexueller nötigung und missbrauchs pasiert in der famile, durch nahe anverwandte, gute bekannte - die bischöfe häten die menschen, die diese verbrechen taten aus dem klerikerstand entlassen müssen - das war die notwendige komsequenz, die eltern, die missbrauchen, kann ich nicht entlassen, die behalte ich als kind - immer; aber nicht den geistlichen lehrer! also die sache steht im vordergrund - nicht Ihre persönliche fru

Bienenkönigin
19.02.2010 08:26
Soo unschuldig sind die 68er nicht:

Was sich damals in den diversen Kommunen in Bezug auf die Kinder abgespielt hat, ist ja nicht unbekannt. (Nicht nur MÜHL) Und mit diesem Argument wurde auch versucht, die Verfehlungen des KInderarztes Dr. ..... zu relativieren, der letztlich auch nicht deshalb, sondern wegen Anstiftung zum Mord an seiner Frau verurteilt wurde.

Kremser
17.02.2010 16:52
Die Unabhängigkeit der staatlichen Behörden

vorangetrieben?
Nein, bekämpft haben sie die staatlichen Behörden immer und überall, das ist die Wahrheit!

Dr. Seltsam
 
17.02.2010 15:23

Also mit sind Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch Geistliche VOR der sexuellen Revolution bekannt.

Den Menschen weismachen zu wollen, dass es sich bei dem Pädophilieproblem der römisch katholischen Geistlichen um ein zeitlich begrenztes Problem handelt, das erst in der jüngsten Zeit virulent geworden ist, ist an Niederträchtigkeit schwer zu überbieten.

Nick Tameer
18.02.2010 21:42

Es handelt sich überhaupt um eine der ältesten Traditionen in der Kirche.

Le Monde
17.02.2010 13:57
solche psychopathischen volltrottel sind jetzt

das beste beispiel, dass man nur mit einer kranken und perversen psyche in das (geschützte) regime kirche flüchten kann!

Mathias
 
17.02.2010 13:24
Hut ab ...

... von Claudia Roth! Wer sonst würde sich trauen, sowas zu fordern?

Da könnte ja in Zukunft jeder Vergewaltiger (oder andere Gewalttäter) behaupten, Schuld hätte das Opfer bzw. die sexuelle Revolution! Bin gespannt, was ein Richter darauf sagen würde!

Kremser
17.02.2010 16:55

es ist schlimm was da im kirchlichen bereich geschehen ist, aber claudia roth ist nun wirklich nicht die geignete person bischof mixa zu kritisieren. er hats ja klar gesagt, aber roth verstehts einfach nicht, wills nicht verstehen!

H.F.1
17.02.2010 10:53
der mann verdient..

..den ehrenpreis.
das ist die daemlichste,niedertraechtigste und hinterlistigste ausrede der letzten jahre und weist direkt ins mittelalter.

Gilgamesh
17.02.2010 13:20

Des letzten Jahres??

Für das gesamte Jahrtausend...

H.F.1
17.02.2010 13:59
ich schrieb..

..'der letzten jahre'.sie haben aber recht und ich korrigiere: 'der letzten 1000 jahre'
ps.:einer claudia roth recht geben zu muessen ist eine fuerchterliche qual.aber was solls,sie hat eben recht.

Gilgamesh
17.02.2010 07:58

Also gab es vor den 60'ern keinen Missbrauch in der Kirche??

Ist es nicht viel mehr die Tatsache, dass die Kirche ihre Macht komplett verloren hat und die Opfer nun endlich anklagen können, ohne von der Organisation der Nächstenliebe in eine Schmutzkampagne gezogen zu werden?
Ohne dass man von der Kirche aus der Gesellschaft gedrängt wird?
Ist nicht auch der Umstand schuld, dass die Menschen nun endlich die Scheu verloren haben und offen aussprechen, dass es Personen gibt die Kinder missbrauchen?

Nach dem Missbrauch durch die Geistlichen werden die Opfer ein zweites mal verhöhnt....

Joe Freibergson
17.02.2010 06:29
man könnte ja

hrn. mixa in seinem erstaunlichen anfall von erkenntnis darauf hinweisen, dass schäfchen mit ihren hufen nicht klatschen können, schön garnicht wenn sie damit gerade davongallopieren.

aber es würde halt nichts biringen, da der erkenntnisanfall in die entgegengesetzte richtung gallopiert.

Brigitte Kashofer1
 
17.02.2010 02:04
Sexuelle Befreiung?

Die Erklärung des Bischofs erscheint mir durchaus logisch. Die sexuelle Befreiung der 68-er hat im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils auch vor Kirchentüren nicht Halt gemacht. Alles lustig - alles harmlos war die Devise. Und aus lauter Angst vor dem Priestermangel hat man die Mißstände unter den Teppich gekehrt. Auch Kleriker sind Menschen.

Nick Tameer
18.02.2010 21:58

Schon sehr langer vor der "sexuellen Revolution" hat die Kirche Kinder - unter Androhung denkbar sadistischer Bestrafung - genötigt, in einer intimen Situation gegenüber Geistlichen über ihre sexuellen Erlebnisse Auskunft zu geben. Ich spreche von der sog. Ohrenbeichte, die insoweit auch eine Form sexueller Belästigung Minderjähriger darstellt.

19k
17.02.2010 09:11
Auch Kleriker sind Menschen.

Mixa ist auch Kleriker, aber nach dieser Aussage zweifle ich daran, daß er auch Mensch ist.

puwit
17.02.2010 16:55

Lol

Waldgaenger
 
16.02.2010 19:52
Verjährung

Es wird allgemein betont, dass die Delikte schon verjährt seien, strafrechtlich wird das stimmen, aber die Schäden die aus Verbrechen resultieren, verjähren in Österreich etwa erst nach 30 Jahren, und insofern wäre es zweckmäßig wenn alle die Geschädigten sich um Schadenersatz bemühten, denn wenn es in der Kirche ums Zahlen geht, da wird man aktiv, und dann wird man auch solche Missstände nachhaltig abstellen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.