Moderierte Gespräche sollen helfen

Christoph Prantner, 16. Februar 2010, 17:30

Eine unilaterale Staatsausrufung ist für die Palästinenser laut Außenminister Malki "derzeit nicht aktuell"

In Zeiten, in denen alle Scheinwerfer auf den Iran gerichtet sind, fristet der Nahostkonflikt ein bisher eher ungekanntes Schattendasein. Amerikaner, Europäer, Israelis suchen nach Wegen, den Atomstreit zu lösen. Den Palästinensern bleibt nichts, als darauf hinzuweisen, dass es derzeit nicht einmal Gespräche zwischen Ramallah und Jerusalem gibt, geschweige denn einen Friedensprozess.

So traten der palästinensische Außenminister Riyad Malki und sein zu Besuch weilender österreichischer Kollege Michael Spindelegger am Dienstag in Ramallah vor die Presse. Es werde demnächst wieder den Versuch indirekter Gespräche mit der Gegenseite geben, sagte Malki. Allerdings: "Es gibt eine großen Unterschied zwischen Gesprächen und Verhandlungen. Das ist einfach eine Fortsetzung des Status quo." Bevor man wieder verhandeln könne, müsse Israel die Bedingungen der Roadmap erfüllen, inklusive eines völligen Siedlungsstopps, also auch inklusive des Ausbaus bestehender Siedlungen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte zuletzt in Doha erklärt, die USA wollten den Konflikt "ein für alle Mal" lösen. Von den bisherigen Fortschritten seien Präsident Barack Obama und Nahostvermittler George Mitchell "enttäuscht" . Die indirekten Gespräche sollen drei Monate dauern, die USA zwischen den Streitparteien den "postillon de politique" geben. Noch gibt es aber keinen Termin. Außerdem wollen die Palästinenser noch nicht ganz unwesentliche Details klären: Gibt es Bedingungen? Was ist der Zeithorizont? Was geschieht, wenn auch dieses Format scheitert?

Kleine Verhandlungschance

Malki sah zwar eine Chance für neue Verhandlungen, aber diese sei klein. Denn während die Palästinenser Interesse an einem Engagement hätten, würden die Israelis "facts on the ground" schaffen. Österreich habe nun wegen seines Sitzes im UN-Sicherheitsrat besondere Verantwortung in dieser Frage. Außenminister Spindelegger: "Moderierte Gespräche sind ein Weg, der nach vorn führen kann. Die Geduld auf allen Seiten ist am Ende." Jede Chance müsse genützt werden, den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen.

Den Plan von Palästinenserpremier Salam Fayyad, einseitig die Unabhängigkeit auszurufen, ist laut Malki derzeit nicht aktuell. "Es wird derzeit keine unilateralen Aktionen geben. Wenn wir in eine Sackgasse geraten, dann werden wir dem UN-Sicherheitsrat unilaterale Schritte präsentieren. Wenn wir das tatsächlich tun, wollen wir eine möglichst breite Unterstützung dafür haben." (Christoph Prantner aus Ramallah, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2010)

Kommentar posten
10 Postings
troob
42
17.2.2010, 07:07
Die schiere Menge jener poster, die meinen, die PA könne sich ihre Gesprächspartner nicht aussuchen, ist endenwollend...

Eingedenk der Unzahl jener überaus israelkritischen postings, welche repetitiv die Meinung vertreten haben, Israel könne sich eben nicht aussuchen, mit wem es sich an einen Tisch setze, um über Frieden zu verhandeln, ist das Schweigen zu dieser Thematik hier geradezu ohrenbetäubend laut.

Wie war das doch immer? Es gehe eben nur in direkten Verhandlungen? So war doch der Tenor hier, oder?

Man müsse eben auch mit Personen verhandeln, deren Agenda, usw. usw., usw. bla bla bla - so las ich hier doch immer und immer wieder.

Wie liest es sich denn jetzt?

Schreiben wir, wie es ist: Es liest sich gar nicht...

Im Klartext: Israel muß. Aber das gilt eben laut postercommunity nur für Israel. Die Araber müssen nicht. Weil da ist alles anders. Oder ist vielleicht nicht bei den Arabern alles anders, sondern bei Israel?

Fragen über Fragen...

Carlito336
34
16.2.2010, 19:13
die USA wollten den Konflikt "ein für alle Mal" lösen


Na so was!
Wollteten sie wirklich, dann müssten sie dafür was tun:
Sie müssten Israel die bekannten Bedingungen oktroieren.

Und warum geht das nicht?
Lieber dohc einmal so tun als ob... Zeit gewinnen...

troob
00
17.2.2010, 21:25
Liebe E-Standard-Redaktion! Das ist der mittlerweile 5.Versuch eines postings, das völlig p.c. ist!

@Carlito

Vielleicht geschieht das bloß deswegen nicht, weil sie halt nicht so sehr den Durchblick haben?

Haben sie diese unglaubliche Möglichkeit schon je reflektiert?

Sollten Sie!

Jene "Bedingungen", die heute im Dunstkreis von israelbashenden postern so im Wesentlichen kursieren, waren allesamt vor dem 6-Tage-Krieg schon gegeben. Es gab damals keine "Siedler" in "Siedlungen, ja, es gab nicht einmal von Israel besetzten Gebiete - ja sowas auch! Allerdings: Besetzte Gebiete gab es damals sehr wohl! Allerdings nicht von Israel besetzt! Aber von Jordanien annektierte Gebiete - nämlich Judäa und Shomron gab es, bzw. den Gazastreifen, der von Ägypten besetzt war. Dennoch haben die Araber sich nicht nur geweigert, mit Israel Frieden zu schließen, sondern Israel faktisch tagtäglich angegriffen.

Haben sie das schon einmal reflektiert?

Nach dem 6-Tage-Krieg waren diese Bedingungen auch gegeben, da gab es immer noch keine "Siedler" und "Siedlungen" in den besetzten Gebieten.

Aber die Araber wollten keinen Frieden und schon gar keine Anerkennung eines Staates Israel (Sie nannten das "the zionist entity". Wie ein kleines Kind im Kindergarten, welches die Hände vor die Augen legt und sagt, "ich sehe Dich nicht".) Es gab nur die "Drei No" von Khartoum, keine Verhandlungen, kein Friedensangebot.

Haben sie das schon einmal reflektiert?

omar chamra
12
16.2.2010, 22:41
Wenn die PA und Hamas derartig den Frieden wünschen

warum könnnen sich dann die beiden nicht versöhnen?
Und wenn sie den Frieden wirklich mit Israel wünsche, wie erklärt man die Indoktrination von kleinen Kindern zum Judenhass?

Fox_Aut
22
16.2.2010, 20:51

glauben sie den konflikt können allein israel und us lösen`?

Hubert Ungeist
 
31
17.2.2010, 05:34
Ja,...

weil bei einem halbewegs vernünftigen ANgebot die P. nicht mehr nein sagen könnnen.

Allerdings ist halbwegs vernünftig die Auflösung aller Siedlungen im WJL, LInien von 67 als Grenzen, und Entschädigung der Flüchtlinge

troob
00
18.2.2010, 20:37
Wie eigenartig...

@Ungeist

All das gab es doch vor dem 6-Tage-Krieg - oder haben sie Anderes in Erinnerung?

Warum, so möchte ich doch nur zu gerne von ihnen wissen, hat das damals von Seiten der Araber nicht geklappt?

Da gab es, und ich zitiere jetzt in ihrem Text:

"Allerdings ist halbwegs vernünftig die Auflösung aller Siedlungen im WJL" - es gab damals nicht eine Siedlung! in Juda und Shomron, erinnern sie sich? Aber jede Menge Anschläge auf Israel! ",LInien von 67 als Grenzen" - es gab damals genau diese Waffenstillstandslinien, und die Araber lehnten es strikt und schriftlich mehrfach ab, diese Linien als Grenzen anzuerkennen! ", und Entschädigung der Flüchtlinge“ - und auch da gab es jede Menge Angebote am Tisch. Die wurden von den Arabern aber samt und sonders in Bausch und Bogen abgelehnt, weil sie das als Ausverkauf der unveräußerlichen Rechte des arabischen Volkes (damals gab es keine Palästinenser, die kamen erst 1965 in Mode) erachteten.

Also: wenn es damals, vor dem 6-Tage-Krieg, genau diese Situation schon gab, die sie jetzt als idealerweise anzustrebende Lösung postulieren: Warum können ihrer Meinung nach heute die Araber zu etwas nicht nein sagen, wozu sie damals sehr wohl (und konkludent) nein gesagt haben, mehrfach nein gesagt haben, unter für sie ungleich besseren Verhältnissen und Bedingungen? Warum glauben sie das? Und - nicht weniger wichtig - warum sollen die Israelis das glauben?

Ihre Argumente würden mich interessieren!

d_parker
01
17.2.2010, 10:24
Was lag denn bitte in Camp David 2 bzw. Taba auf dem Tisch?

http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_David_II

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/P... yLife.html

bzw. in den Worten d. saud. Prinz Bandar, der hinter den Kulissen an den Verhandlungen beteiligt war, an Arafat: "Since 1948, every time we've had something on the table we say no. Then we say yes. When we say yes, it's not on the table anymore. Then we have to deal with something less. Isn't it about time we say yes?"

Hubert Ungeist
 
10
17.2.2010, 14:56
In Ihrem Artikel wird darauf verwiesen..

dass man sich 10% des Landes krallt und dafür ein Stück Wüste Negev hergibt *lach

Hubert Ungeist
 
10
17.2.2010, 14:53
Es gab nie ein Angebot der Auflassung der Siedlungen

immer sollten die bestehen bleiben und den neu entshteheden Staat mit Strassenverbindungen die nur Isralis vorbehalten wäre durchschneiden

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