EU/Russland

Dialog mit Aussetzern

Josef Kirchengast, 16. Februar 2010 17:36

Ein Memorandum über einen Neuansatz in den EU/Russland-Beziehungen wird Mittwoch in Wien präsentiert

In den Expertengesprächen dazu wurden Schlüsselfragen weitgehend ausgeblendet.

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Wien - Ein hehres Ziel, große Worte: Einen "vertieften Dialog" zwischen der EU und Russland will das Grundsatzpapier anstoßen, das europäische und russische Experten nach zweitägigen Gesprächen am heutigen Mittwoch in Wien vorstellen. Gleichzeitig soll damit der "Wiener Prozess" beginnen, ein ständiger Expertendialog, in den sich dann auch führende russische Politiker und EU-Kommissare einbringen.

Federführend dabei ist das vor eineinhalb Jahren in Wien gegründete europäisch-russische Forschungszentrum Iceur (International Center for Advanced and Comparative EU-Russia/NIS Research), in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen (Imemo) und dem Wiener Renner-Institut.

Die Ausgangsposition ist einigermaßen klar. Die Gespräche über ein neues Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Russland liegen auf Eis. Ein Hauptgrund dafür ist Russlands "Patenschaft" für die abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien. Andererseits wurde der EU-Untersuchungsbericht über die Ursachen des Georgien-Kriegs vom August 2008 (Tiflis hat den Krieg nach russischen Provokationen begonnen) von beiden Streitparteien begrüßt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise wiederum hat Europa und Russland geschwächt und die wechselseitige Abhängigkeit (Russland größter Gaslieferant, die EU größter Gasabnehmer) noch verstärkt. Und seit der Wahl eines russlandfreundlichen Präsidenten in der Ukraine blickt Moskau wieder sehr entspannt nach Kiew. Hinter der Orangenen Revolution von 2004 sei nämlich nach verbreiteter russischer Ansicht die EU gestanden, meinte Wladimir Baranowski, Vizedirektor des Imemo. Insgesamt, das war ein Tenor der Wiener Gespräche, gibt es heute weniger Konfliktbereiche und damit mehr Chancen für ein pragmatisches Verhältnis.

Als "Trainingsfeld" dafür nannte Iceur-Präsident Erhard Busek die Schwarzmeerregion: Warum sei es nicht möglich, den Konflikt um Transnistrien (von der Republik Moldau mit Unterstützung Moskaus abgespaltene Region) zu lösen, der wirklich nichts mit dem Kosovo zu tun habe? Damit spielte Busek auf Abchasien und Südossetien an, deren Unabhängigkeit Russland auch mit Hinweis auf den Kosovo anerkennt.

Nato als Herausforderung

Symptomatisch für das wechselseitige Misstrauen war, was Sergej Kortunow, Leiter der Abteilung Weltpolitik an der Moskauer Schule für Internationale Wirtschaft und Außenpolitik, zum Thema Nato sagte: Einer Nato, die sich von einem engen Militärbündnis zu einer offenen, auf Friedenserhaltung konzentrierten Organisation entwickle, könnte Russland beitreten. Trotz aggressiver Anti-Nato-Äußerungen russischer Generäle räumt Kortunow ein, dass die westliche Allianz "keine militärische Bedrohung, sondern eine zivilisatorische Herausforderung für Russland" sei.

Ob das auch für die EU gilt, blieb zumindest angesichts des Konferenzverlaufs offen. Anatoli Adamischin, russischer Ex-Vizeaußenminister, meinte, sein Land solle sich die strategische Perspektive einer EU-Mitgliedschaft offenhalten. Ohnehin finde in vielen Bereichen eine "schleichende Integration" statt, womit offenbar eine Anpassung an europäische Werte und Normen gemeint war.

Darüber aber wurde so gut wie nicht geredet. Die Worte Menschenrechte, Medienfreiheit und Pluralismus fielen kein einziges Mal. Allein Ex-Außenministerin Ursula Plassnik erinnerte an die Worte von Präsident Dmitri Medwedew, wonach Russlands Zukunft von Erneuerung und einer offenen Gesellschaft abhänge. Mehr Offenheit und Rechtsstaatlichkeit seien entscheidend für die Entwicklung eines Mittelstandes, sagte Plassnik. Dabei blieb es. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2010)

D.S.1
16.03.2010 12:53
Idee für Medwedew: Gas gegen Menschenrechte

Er könnte einmal vehemend uiverselle Menschenrechte (Recht auf Leben), auch z.B.: für Südosseten und Afghanen, einfordern und die Beziehungen mit der EU auf Eis (Gas abdrehen?) legen, bis die EU die Tötung von Zivilisten durch US-Georgien von 2008 und in Afghanistan nicht mehr gutheist und endlich effektiv Ermittlungen gegen die Verantworlichen verlangt.

tony bennett
19.02.2010 08:00
EU-Amerika vs. Russland

Vor kurzem war ein Vortrag von Mangott, Jäger u. Hoffmann Ostenhof über die Beziehungen zw. EU, USA, Russland.
http://etalks.tv/blog/2010... -russland/

Vielleicht ist das eine Erklärung, warum es zw. EU und Russland kaum Annäherung gibt: Für Russland ist die EU wurscht, in der EU wächst das Misstrauen gegenüber Russland (siehe Energie). Russland-Amerika Beziehungen drehen sich nur um Sicherheit. Und die Russland und Europa haben sich seit 500 Jahren über die gegenseitige Abgrenzung definiert (Russland: Barbaren - EU: Zivilisation --> Renaissance, Barock usw.)
Scheint noch immer tiefe Gräben zu geben, obwohl meiner Meinung nach wir ja eh recht ähnlich sind.... ob sich das mal ändern wird?

Joseph EU
17.02.2010 13:07
Russland in der Nato.......

solange die ihre Nachbarstaaten bedrohen wird es das gluecklicherweisenicht spielen, ja und auch im Landesinneren wird nur gedroht und dreinghaut....mit Zivilisatorischer Herausforderung hat er allerdings recht.....den am dzt. russischem Wesen kann keiner - nicht mal die Russen selber - genesen ???

D.S.1
16.03.2010 12:39
russisches Wesen vs. Zivilisation

"nur gedroht und dreinghaut?" Also meine Erfahrungen sind ganz anders:
Die Menschen sind hilfsbereit und gastfreundschaftlich und (mit Aussnahmen wohl) nicht geldgierig. Habe niemanden getroffen der agressiv gewesen wäre.
Beispiel:
Als ich in Russland am Land eine Autopanne hatte, wurde mir sofort von tatkräftigen jungen Leuten geholfen. Man ließ mich sogar gratis übernachten, da das Auto in die Werkstätte musste. Niemand wollte Geld oder sonst etwas dafür. Ein freundliches Dankeschön genügte!
Wenn man bei uns eine Panne hat, bleibt oft nicht einmal jemand stehen. Ausser vielleicht Ausländer oder der ARBÖ (gegen Bezahlung)! Wenn das die grossartige Zivilisation, als Gegenpol zum "russischen Wesen" sein soll - na Danke!

Blablub
22.02.2010 20:02

immerhin sidns die nachberstaaten nciht wie die europäcer udn amis die ganze welt... O.o

Der Zwersch
23.02.2010 18:13

Wenn man nur einen einzigen Satz zum besten zu geben hat, kann man sich doch echt ein wenig Mühe geben.

Joseph EU
17.02.2010 13:04
Ja die Frau Plassnik, neben Herrn Busek .......

eine der wenigen Anstaendigen in der VP...oh den Herrn Mock nicht zu vergessen....

Walter Bimini
17.02.2010 09:05
jetzt haben die schwarzen den busek noch immer nicht entsorgt.

naja, mit dem ende der eudssr wird spätestens auch seine karriere enden.

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