Eine Umfrage macht klar: Saniert wird meist in Eigenregie, bei einem Neubau vertraut man eher auf die Profis
In Österreich existiert ein Bestand von rund 1,5 Millionen Gebäuden, die zwischen 1945 und 1980 errichtet wurden und nun sanierungsbedürftig wären. Der Großteil davon sind Ein- und Zweifamilienhäuser.
Aktuelle Zahlen der Baubranche weisen auf einen Trend zum Sanieren hin: So wurden im Vorjahr laut Baudateninstitut (BDI) 17,5 Milliarden Euro in Sanierungsprojekte gesteckt, dieser Sektor weist zudem seit Jahren Zuwächse auf. Für heuer wird ein Anstieg auf knapp 18,5 Mrd. Euro prognostiziert. Der Wohnbau (Ein- und Mehrfamilienhäuser) ging demgegenüber schon von 2008 auf 2009 leicht zurück und dürfte heuer bei 8,3 Milliarden Euro zu liegen kommen.
Dennoch wird jedes Jahr kaum mehr als ein Prozent der Bestandsbauten saniert. Um die Gründe dafür zu erfahren, hat die Raiffeisen Ware Austria AG, besser bekannt unter dem Markennamen "Raiffeisen Lagerhaus", eine Umfrage beauftragt. Die Conclusio in aller Kürze: Für fast zwei Drittel der Befragten ist Sanieren "zu kompliziert."
Neubau statt sanieren
Konkret sprachen sich 62,5 Prozent für einen Neubau aus, wenn sie "zur Erfüllung ihres Wohntraums" freie Wahl zwischen Neubau und Sanierung hätten. Je jünger die Befragten waren, desto weniger war an Begeisterung für's Sanieren vorhanden.
Als Hauptargument gegen das Sanieren nannte fast jeder Zweite, dass er sich "nicht um so viele Details kümmern" wolle bzw. lieber in eine fertige Wohnung bzw. ein fertiges Haus einziehen möchte. Weitere wichtige Gründe: "Ich möchte lieber weiterhin in meiner derzeitigen Unterkunft wohnen", "zeitliche Komponente" (jeweils 38,3 Prozent) und "Ich möchte grundsätzlich in keinem Altbau wohnen" (36,7 Prozent). Die Fördersituation war interessanterweise nur für relativ wenige Personen ein Grund, sich gegen die Sanierung auszusprechen. 16,7 Prozent fanden die Förderungen "zu kompliziert", 13 Prozent "zu gering".
Eigenregie oder Profis?
Wer sich doch für eine Sanierung entscheidet, tut das bevorzugterweise in Eigenregie. 69 Prozent votierten im Vergleich mit einem "Alles aus einer Hand"-Angebot (31 Prozent) dafür. Welche Tätigkeiten dabei am ehesten selbst durchgeführt würden, und welche eher nicht, das wurde in der marketagent.com-Studie auch sehr deutlich hervorgestrichen (siehe Artikel).
Im Falle eines Neubaus würden dagegen 60 Prozent auf ein solches "Alles aus einer Hand"-Angebot zurückgreifen, nur 40 Prozent sehen sich in Eigenregie werken - wobei, das sollte an dieser Stelle festgehalten werden, etwaige Kostenfragen in der Befragung nicht erörtert wurden.
Häufige Fehlerquellen
Der Auftraggeber der Studie, RWA-Vorstandschef Klaus Buchleitner, wies aber darauf hin, dass Selbermachen "nicht zwingend immer die günstigste Variante" sei - nämlich dann nicht, wenn aufgrund von mangelndem Know-how gravierende Fehler passieren. Ein solcher könnte etwa sein, dass die Fenster getauscht werden, noch bevor die Bausubstanz analysiert wurde, oder dass auf "Energiefresser" wie ein alter Heizkessel beim Sanieren schlicht vergessen wird.
Der Einwand ist nicht unwichtig, wenn man bedenkt, dass fast jeder zweite (46,9 Prozent) Eigenregie-Sanierer die Kosten als Grund dafür nennt, und sich nicht einmal jeder sechste (13,1 Prozent) als "handwerklich begabt" ansieht. Immerhin noch 6,2 Prozent der Sanierer wollen es selbst machen, weil es ihnen Spaß bereitet. Hauptmotivation für eine "Alles aus einer Hand"-Sanierung ist mit 18,5 Prozent die Meinung, dass man selbst nicht ausreichend handwerklich begabt ist. (Martin Putschögl, derStandard.at, 15.2.2010)