Volksheld entthront

"Bäuerlicher Unterteufel" Andreas Hofer fiel nicht durch Mut auf

16. Februar 2010 16:02
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    Foto: archiv

    Andreas Hofer bei seiner Gefangennahme auf der Pfandler Alm am 28. Jänner 1810. Hofer wurde zuerst nach Meran, Bozen und am 5. Februar nach Mantua gebracht. Am 20. Februar wurde Andreas Hofer in Mantua hingerichtet.

Bayerisches Schwarzbuch stößt Tiroler Helden vom Sockel: Nur Platz 8 in Liste der "vorzüglichsten Männer der Insurrektion 1809"

Innsbruck - Während Tirol Andreas Hofer als "ihren Nationalhelden" verehrt und ihm 2009 als Gedenkjahr gewidmet hat, fällt die Sichtweise der Anfang des 19. Jahrhunderts in Innsbruck agierenden bayerischen Polizei eher nüchtern aus und entthront den Freiheitskämpfer kurz vor seinem 200. Todestag am kommenden Samstag: Lediglich "Platz acht" belegt Hofer in der Liste der "vorzüglichsten Männer der Insurrektion 1809" in der Neuerscheinung "Das Schwarzbuch der bayerischen Polizei. Innsbruck 1809".

Einer von mehreren "bäuerlichen Unterteufel"

"Er fiel nicht durch Mut auf, weil er immer Stunden hinter seinen eigenen Leuten war", schilderte einer der Autoren, Thomas Albrich vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, den Blickwinkel der Bayern. Hofer sei einer der "bäuerlichen Unterteufel" gewesen, der sich nur im "Schupfen" (Gasthaus an der Brennerstraße, Anm.) oder in Südtirol aufgehalten und von dort aus seine Befehle erteilt habe. Der Polizei sei der Mann als "einer von mehreren" vor allem durch seinen schwarzen Bart aufgefallen.

Als "eigentlicher Held" und als späterer Offizier und Träger des Militär-Maria-Theresia-Orden zurecht, ist der im Südtiroler Schlanders geborene Martin Teimer auf "Platz drei" im bayerischen Schwarzbuch zu finden. "Frech, wie er war, hat er in Bayern geplündert. Und in der ersten Schlacht am Bergisel hatte er das Kommando über", führte Albrich aus. Unter seiner Hand hatten die Streitkräfte die Landeshauptstadt Innsbruck befreit. Bereits in den Tagen zuvor habe Teimer die Leute mobilisiert, nach Innsbruck geschickt und alles für die Schlacht organisiert.

Nummer eins: Johann Gabriel Marquis du Chasteler

In den weiteren Kämpfen sei Teimer die rechte Hand des an erster Stelle im Schwarzbuch stehenden österreichischen Generals Johann Gabriel Marquis du Chasteler gewesen. "Als die Bauern Innsbruck erobert hatten, übernahm Teimer das Kommando", schilderte der Historiker dessen Bedeutung. Erst durch seinen Aufruf zum nach dem vereinbarten Waffenstillstand erneuten Angriff im August 1809 sei Hofer zum "Helden und zum größten Feind der Bayern" geworden. Den Sieg der 3. Bergiselschlacht hatte der Freiheitskämpfer für sich entschieden.

"Der Blick der Bayern ist ein ganz anderer als jener der Tiroler", relativiert der Historiker die "Vergötterung" Hofers. Teimer sei in der Wahrnehmung der Tiroler "komplett untergegangen". Er hatte sich Mitte Juli 1809 im Zuge der Räumung Tirols und Vorarlbergs von österreichischen Truppen mit jenen des Kaisers zurückgezogen und Tirol verlassen. "Teimer kam nicht mehr zurück und ist deshalb aus Sicht der Tiroler kein Held, weshalb er vergessen wurde", erklärte der Autor. (red/APA)


Buchtipp
Thomas Albrich/Roland Sila:
"Das Schwarzbuch der bayerischen Polizei. Innsbruck 1809"
Haymon Verlag
216 Seiten, 14,90 Euro
ISBN 978-3-85218-638-2

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Posting 1 bis 25 von 112
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A Voice
21.02.2010 07:52
Unterteufel

ich kenn das nur als Unterle(/ä?)ufel.

Scheint einigen ja schlimm aufzustossen, daß Hofer anscheinend doch nicht DER Dorn in der Seite der Bayern war.

Dyne
18.02.2010 22:57

Seit wann kämpfen denn die Strategen an der vordersten Front ?

General zu seinen Leuten :
"Männer,ich steh voll und ganz hinter euch......
ausserhalb der Geschützreichweite des Feindes"

Hartmuth Staffler
26.02.2010 10:56
Strategen und Helden

Napoleon hielt sich bei allen seinen Schlachten immer bescheiden zurück und würde nur ein einziges Mal leicht verwundet, und zwar bei Regensburg, als er sich zu weit vorgewagt hatte. Der Schütze, der Napoleon auf eine für unmöglich gehaltene Entfernung traf, war übrigens ein Tiroler. Andreas Hofer hingegen hat bei den Gefechten in Welsch-Tirol, als er noch Korporal einer Meraner Schützenkompanie bzw. Hauptmann der Passeirer Schützenkompanie St. Leonhard war, stets an vorderster Front gekämpft. Der dort bewiesene Mut hat ihn zum Oberkommandanten von Welsch-Tirol und später von ganz Tirol werden lassen. Die Bayern haben das nicht mitbekommen, sie haben sich wohl zu sehr auf das Plündern konzentriert.

Mormoloc
27.02.2010 23:45
Welch Expertentum...

Nick Tameer
19.02.2010 10:19

Nun ja, zu dieser Zeit war es durchaus üblich, dass sich Strategen, so z.B. Napoleon, zumindest im Bereich feindlichen Geschützfeuers aufhielten oder sogar in der vordersten Linie bei Attacken mitmachten (wie viele Generäle fielen nicht im amerikanischen Sezessionskrieg uns selbst im 2. Weltkrieg gab es noch Truppenführer, die "von vorne" führten), aber Hofer scheint ohnehin eher ein Organisator als ein militärischer Anführer gewesen zu sein (was ich insoweit sine ira et studio sage).

Bono Nobo
18.02.2010 08:10

Immerhin war er so mutig schon damals eine Lebensmittelkette zu gründen obwohl die Bayern mit Rewe und Lidl bereits im Lande waren und sich Markt augeteilt hatten.

Nick Tameer
19.02.2010 10:20

Ich nehme an, er hielt sich immer in der Nähe der Kasse auf.

major grubert
 
18.02.2010 13:43
und hat

dabei gleich die bayern infiltriert indem er den alias aldi annahm.

Igor Gassner
17.02.2010 16:01
Übrigens dieser bericht zeigt auf

wieso die Bayern eins auf die Nase bekommen haben weil sie ihn unterschätzten ,denn so wie die Beschreibung es dar stellt war er ein guter Organisator. Man muss als Historiker schon sehr plank sein wenn man nicht zwischen den Zeilen lesen kann.

Naschgul
18.02.2010 11:23

Es gehört zur Aufgabe von Historikern, zwischen den Zeilen zu lesen; dass die Bayern Hofer ganz anders sehen als die Tiroler, ist vollkommen verständlich und das sollte ein Historiker auch so darstellen.

pier paolo pasolini1
 
18.02.2010 11:13

Wahrscheinlich haben sich die "planken" Historiker
ein bisserl genauer mit den Quellen beschäftigt als sie diesen unterstellen.

Nick Tameer
17.02.2010 19:45

Dass die bayerischen Niederlagen ihren Grund in der Unterschätzung der Person Hofers und nicht der der Austandsbewegung selbst hatten, scheint mir beweisbedürftig zu sein.

Jürgen Rembremerding
 
17.02.2010 22:15
Und man darf nicht vergessen, dass die

Mehrzahl der bayerischen Truppen 1809 im Kampf mit der regulären österr. Armee stand und unter anderem in den Schlachten von Abensberg und Eggmühl das eigene Land verteidigte und später den Marsch nach Wien mitmachte u. z.B. in der Schlacht von Wagram zum Einsatz kam.

Letzteres ist in der bayerischen Armee vor allem deshalb legendär geworden, weil es Wredes SAoldaten gelang, in voller Ausrüstung in nur vier Tagen von Linz nach Wagram zu marschieren, wo sie quasi mitten in der Schlacht eintrafen.

ora 600
03.03.2010 20:08
aber linz ...

... ist auch eher eine stadt zum weglaufen und nicht zum ankommen und bleiben.

Igor Gassner
17.02.2010 15:59
Leider ist aber genau diese dritte Schlacht

entscheident da zuvor ja noch die Unterstützung Österreichs da war und es ging nicht um einen Perfifärkriegsschauplatz sondern um eine nationale Volkserhebung wie das im ganzen damaligen Deutschland gesehen wurde.

Mathias
 
24.02.2010 14:17
wie das im ganzen damaligen Deutschland gesehen wurde

Leider gab es damals diesen Begriff "Deutschland" gar nicht. Das war noch das "Heilige Römische Reich deutscher Nation", und erst mit 1806 durch den kleinen Korsen Napoleon zum "Rheinbund" (Preussen, Bayern, Württemberg und Baden) erklärt.

Nach der Niederlage Napoleons wurde dann ab 1815 der Deutsche Bund ohne Preussen geschlossen. Quasi so ähnlich wie das heutige Deutschland ohne Brandenburg :-)

Jürgen Rembremerding
 
17.02.2010 22:38
"wie das im ganzen damaligen Deutschland gesehen wurde"

Es hat im "damaligen Deutschland" keinen Eindruck hinterlassen.

Die österr. Niederlage 1809 liegt ja auch darin begründet, dass es (mit Ausnahme Tirols) trotz entsprechender Aufrufe nirgendwo gelang nennenswerte Unterstützung zu mobilisieren.

Die Mystifizierung Hofers setzt erst später ein. Interessanterweise sogar in Bayern, wo er in der Ära der katholischen Restauration nach Montgelas v.a. als Glaubensheld verkauft wurde.

Nick Tameer
17.02.2010 20:34

Um 1809 hat man es in großen Teilen des damaligen Deutschland vielleicht doch eher als die Angelegenheit perfifärer Hinterwäldler betrachtet (vgl. die Ansicht des Badeners J.P. Hebel). Ein paar Jahre später mag sich das geändert haben, aber entlang des Rheins hatte man noch länger das Gefühl, dass die Freiheiten, die Napoleon mitgebracht hatte, vielleicht doch nachhaltiger waren als das diejenigen, die in den Befreiungskriegen erkämpft wurden.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
17.02.2010 14:22
Ein mäßig beziler Artikel,

freundlich ausgedrückt.

Über den Hofer gäb es GANZ andere Sachen zu sagen, z. B. daß seine Hauptmotive Religion und Konservatismus (siehe seine Verordnungen aus der Hofburg über züchtige Weibertracht etc.), im Gegensatz zu den ebenso aufklärerischen wie blutrünstigen Franzosen, waren, er mit Fug und Recht als eine Khomeini-artige Figur (das hat der Speigel einmal, wohl so ca. 1984, geschrieben) gesehen werden kann.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
17.02.2010 22:25
" Hauptmotive Religion und Konservatismus "

Genau das Gleiche gilt aber z.B. für die Niederlande beim Kampf gegen die Spanier.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
18.02.2010 08:41
ja eh

aber das waren halt damals die Antriebsfedern, wobei der Hofer halt schon ziemlich spät dran war...

Nick Tameer
17.02.2010 19:36

Vergleiche dieser Art sind zwar immer ein wenig gewaltsam, aber die Parallelen zu bin Laden, der mehr als Galionsfigur, Fundraiser und durch prapagandistische Aufrufe denn als Kriegsheld in Erscheinung tritt, scheint mir doch irgendwie naheliegender.

Igor Gassner
17.02.2010 15:57
um 1800 waren alle konservativen Helden noch Komeinis

und das Aufgeklärte war schon immer Vorwand für allerlei Sauereien.

Nick Tameer
18.02.2010 10:35

Der Vorteil beim Unaufgeklärten ist, dass es keinen braucht.

füllhornkäfer
17.02.2010 13:30

Was ist das für ein hanebüchenes Büchel? Eine Hitparade der Nationalhelden oder was? - Das die Baiern eine andere Perspektive haben, eben eine bairische, ist eigentlich auch nicht so erstaunlich.

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