Europäische Jugend wird neues Forschungsobjekt

8. April 2003, 21:06
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EU-Studie untersucht politische Beteiligung

Wien - Protestmails verschicken, wählen gehen, demonstrieren - oder gar nichts: Wie stark und mit welchen Mitteln sich junge Menschen in Europa politisch engagieren, darüber gibt es derzeit noch keine Daten. Zumindest keine auf EU-Ebene vergleichbaren.

Diese sollen über das sozialwissenschaftliche EU-Projekt "Euyoupart" erhoben werden, das vom österreichischen Institute for Social Research and Analyses (Sora) eingereicht wurde. Projektkosten: 1,84 Millionen Euro. 1,35 Millionen davon kommen aus dem Topf für EU-Forschungsförderung, der Rest von den acht Teilnehmerstaaten, Österreich zahlt 278.000 Euro.

Engagement in Parteien nimmt ab

Das Interesse der EU ist verständlich: In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass das Engagement europäischer 15- bis 25-Jähriger in Parteien und Gewerkschaften abnimmt. Doch von Politikverdrossenheit will Reingard Spannring vom Österreichischen Institut für Jugendforschung, einem Projektpartner, nicht sprechen. Denn gleichzeitig komme es zu steigender Beteiligung Jugendlicher an neuen Formen der Partizipation. In Österreich seien es Themen wie Umweltschutz und globale Gerechtigkeit, für die sich junge Menschen engagierten - durch gezieltes Konsumverhalten und Vernetzung in Bewegungen wie etwa Attac.

Ein "Ansteigen dieser nicht institutionalisierten Formen der Partizipation" in Österreich sieht auch Sora-Geschäftsführer Günther Ogris. Obwohl sich kein Trend abzeichne: "Alle fünf bis sieben Jahre kann man von einer Jugendgeneration sprechen - und jede ist wieder anders."

Streiken wie Italiener

Die Daten für einen Vergleich auf europäischer Ebene sollen nun über das Euyoupart-Projekt erhoben werden, und zwar vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Kultur und Tradition. Schließlich, meint Ruth Picker von Sora, könne politische Partizipation Wahlbeteiligung bedeuten - "oder das Mitmachen beim Straßentheater". Und während Streiks in Italien fast zum Alltag gehören, sind sie in anderen Ländern fast abwegig.

In den 30 Monaten Projektdauer soll ein Fragebogen entwickelt werden, der EU-weite Ergebnisse liefern soll. Dann, hofft Ogris, werde man auch im zeitlichen Verlauf sehen, ob sich "eine europäische Jugend entwickelt, die demonstriert wie die Franzosen und streikt wie die Italiener". (Heidi Weinhäupl/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2003)

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