Palais Coburg wird zum Luxushotel für den Geldadel

9. April 2003, 13:19
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Ihm drohte der Verfall - jetzt wird es vom Finanzmagnaten Peter Pühringer in ein Suitenhotel umgebaut

Wien - "Es wird ein kleines, aber feines Suitenhotel", bestätigt Ernst Skleniczka. Wobei die Betonung gewiss auf "fein" liegt. Und "klein" wohl ein wenig relativiert werden muss. Denn so bescheiden ist das Palais Coburg in der Wiener Innenstadt auch wieder nicht - derzeit wird es unter Hochdruck saniert.

Im Inneren entstehen nach den neuen Plänen nun 37 Apartments mit großer Nutzfläche in einem Hotel höchsten Standards. Vom ursprünglichen Vorhaben, vornehmlich Wohnungen und Büros zu errichten, ist man somit wieder abgekommen - wohl auch mit Blick auf den derzeit stagnierenden Büromarkt. Es werden zwar Wohnungen und Büros eingerichtet, aber "vor allem für die Peter-Pührin- ger-Privatstiftung und deren Tochterunternehmen", erläutert Skleniczka, der für die Pühringer-Stiftung den Umbau des Wiener Traditionspalais leitet.

Der deutsche Finanzmagnat Pühringer hatte das heruntergekommene Palais um 10,17 Millionen Euro aus einer Konkursmasse erworben - jetzt investiert er noch einmal rund 50 Millionen Euro für die höchst aufwändige Instandsetzung und den Umbau.

Domizil der Prinzessin

Und damit rettet Pühringer ein historisches Juwel, das in den Jahren 1840 bis 1845 über den hier ebenfalls noch erhaltenen Kasematten der Wiener Bastei errichtet wurde. Und zwar von Herzog Ferdinand von Coburg-Kohary, einem Zweig des Hauses Sachsen-Coburg. Jener hatte 1843 Prinzessin Clementine, Tochter des französischen Königs Louis Philippe von Bourbon, geheiratet und das Gebäude als sein Wiener Domizil errichten lassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war im Palais Coburg übrigens längere Zeit die Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen eingemietet. Im Jahr 1978 verkaufte Prinzessin Sarah Aurelia von Sachsen-Coburg schließlich das Gebäude an einen Realitätenmakler.

In nächster Zukunft soll dieses Palais also eher dem Geldadel dienen - und neben dem Hotel auch eine Vinothek und gastronomische Einrichtungen beherbergen. Für den Betrieb des Toprestaurants seien mit einigen potenziellen Betreibern Verhandlungen geführt worden. Unter anderem mit der Familie Reitbauer, die aber nun das neue Steirereck doch in der Meierei im Stadtpark einrichtet. "Letztlich fiel der Entschluss, dass das Restaurant von einer eigenen Betriebsgesellschaft geführt werden soll", erläutert Skleniczka. Derzeit wird mit Spitzenköchen im In- und Ausland verhandelt.

Neues "k und k"

Für Pühringer lautete das Motto für diesen Palaisumbau jedenfalls von Anfang an: "k und k" - wobei dieses Kürzel für "kulturell und kulinarisch" steht. Schließlich ist das Gebäude bereits einschlägig vorbelastet: Hatte doch beispielsweise Johann Strauß bereits für die Sachsen-Coburgs komponiert und auch in diesem Palais geheiratet.

Künftig können hier ähnliche "Eventveranstaltungen" in den unterirdischen Gewölben der ehemaligen Kasematten möglich sein - wo bis zu 200 Personen Platz haben werden. In einem weiteren Abschnitt wird hier im Untergrund die gesamte Haustechnik untergebracht - auf rund 700 Quadratmetern.

Durchgang von Singerstraße zum Parkring

Ein Vorteil wird sich übrigens nach der Fertigstellung des Umbaus auch für die Bezirksbevölkerung eröffnen: Durch eine Mall soll ein direkter Durchgang von der Singerstraße zum Parkring möglich werden.

Vorerst aber wird alles darangesetzt, dass der angepeilte Fertigstellungstermin im Herbst dieses Jahres tatsächlich gehalten werden kann. "Wir denken, dass uns das auch weitgehend gelingen wird", ist Skleniczka zuversichtlich. (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2003)

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