"Der muss weg"

8. April 2003, 20:10
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Enttäuschte Freundschaft und Geschäftsneid führten zum Auftragsmord und dann vor das Gericht

Korneuburg - "Der muss weg!" Dieser aus Wut über enttäuschte Freundschaft und Geldsorgen geäußerte Satz eines Wiener Unternehmers führte zur Suche nach einem Auftragskiller. Das gescheiterte Verbrechen brachte fünf Personen wegen Anstiftung zum Mord auf die Anklagebank des Landesgerichtes Korneuburg, DER STANDARD berichtete. Die Angeklagten bekannten sich Dienstag zu Prozessbeginn teils schuldig.

Die Vorgeschichte scheint einem Krimidrehbuch entnommen: Gerhard R. (46), Inhaber einer Großtischlerei in Wien-Fünfhaus, hatte seinen langjährigen Prokuristen Franz F., mit dem der gemeinsam die HTL besucht hatte, im März des Vorjahres fristlos entlassen, dieser klagte 67.000 Euro an nicht ausbezahltem Lohn und Abfertigung ein.

In die eigene Tasche arbeiten

Der Unternehmer glaubte, sein seit 25 Jahren bei ihm beschäftigter Freund würde in die eigene Tasche arbeiten. Zur Entlassung kam es, nachdem der Prokurist im Krankenstand einen Konkurrenzbetrieb gegründet und sowohl Beschäftigte als auch Kunden abgeworben hatte.

Bei einem Treffen mit Karl (39) und Juliana (46) S. soll der Unternehmer den Wunsch geäußert haben, F. müsse "verschwinden". Das Paar kam später zufällig mit Gabor T. (47), einem gebürtigen Ungarn, in Kontakt, der mit Unterweltverbindungen geprahlt haben soll.

"Nur Abkassieren"

Anfang Oktober 2002 soll der Ungar den Auftrag erhalten haben, einen Auftragsmörder zu suchen. Gabor T. glaubt im Rumänen Lucian M. "seinen" Mann gefunden zu haben, als er von dessen Geldproblemen hörte. Er hätte das Opfer durch einen gezielten Kopf- oder Herzschuss töten und danach dessen Wohnung nach Wertsachen durchsuchen sollen. Der Rumäne ging aber zur Polizei.

Gabor T. erklärt nun, er habe nur "abkassieren" wollen, er habe an den Tischler herankommen und am "Nichtmord" verdienen wollen. Gerhard R. will geglaubt haben, die Sache sei abgeblasen, weil er nach seiner Anzahlung nichts mehr davon hörte. Der Prozess dauert noch an. (APA)

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