Büchelhofer verlässt überraschend VW

8. April 2003, 19:55
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Gebürtiger Österreicher war seit 1995 im Konzern

Wolfsburg - Volkswagen-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer hat bei Europas größtem Autohersteller überraschend seinen Posten mit sofortiger Wirkung aufgegeben.

"Die Vertragsauflösung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die Vertriebspolitik des Konzerns", teilte Volkswagen am Dienstag in Wolfsburg mit. Ein Nachfolger für den 60 Jahre alten Manager, der ebenso das Marketing von Volkswagen verantwortete, sei noch nicht benannt worden. Nach Finanzvorstand Bruno Adelt, der zum Jahresende von Hans-Dieter Pötsch ersetzt wird, hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder seit seinem Antritt vor rund einem Jahr damit den zweiten Personalwechsel im Vorstand veranlasst. Die VW-Aktie baute nach der Mitteilung ihre Kursverluste aus und notierte am frühen Abend gut fünf Prozent im Minus bei rund 32,20 Euro.

Differenzen

Der gebürtige Österreicher Büchelhofer organisierte jüngst vor allem die Expansion des Konzerns in Asien, insbesondere in China, wo VW Marktführer ist. Allerdings wird Büchelhofer in der Branche ein schwieriges persönliches Verhältnis zu Pischetsrieder nachgesagt. Büchelhofer war einst bereits beim Münchener Konkurrenten BMW unter Führung Pischetsrieders tätig und hatte das Unternehmen nach Differenzen mit dem damaligen BMW-Chef verlassen. Er wechselte dann in den VW-Konzern. Differenzen innerhalb des VW-Vorstands, an denen Büchelhofer beteiligt war, gab es zuletzt unter anderem um den schleppenden Verkauf der neuen VW-Luxuslimousine Phaeton.

In der Branche war deshalb seit längerem über ein Ausscheiden Büchelhofers spekuliert worden. Büchelhofer selbst hatte Produktionsvorstand Folker Weißgerber dafür verantwortlich gemacht, dass nicht rechtzeitig ausreichend Motorvarianten für die Phaeton-Einführung zur Verfügung gestanden hätten und damit die schleppende Einführung begründet. In Unternehmenskreisen hieß es, Büchelhofer habe sich nach einem Gespräch mit Pischetsrieder entschieden, zu gehen. Mit der Personalentscheidung verbinde Pischetsrieder auch ein Signal in den Konzern hinein. "Es ist eine Frage, ob jemand gefeuert wird, weil es allgemein so erwartet wird, oder weil man selbst an irgendeinem Punkt zu der Entscheidung gelangt ist", hieß es in den Kreisen.

Absatzsteigerung

Während der Amtszeit von Büchelhofer habe Volkswagen zwischen 1995 und 2002 seinen Autoabsatz von rund 3,4 Millionen auf knapp fünf Millionen Fahrzeuge gesteigert, teilten die Wolfsburger mit. Zugleich sei in diesem Zeitraum der Konzernumsatz von gut 39 Mrd. Euro auf knapp 87 Mrd. Euro in die Höhe geschnellt.

Derzeit bekommt Volkswagen wie auch die weltweite Konkurrenz die schwache Konjunktur kräftig zu spüren. VW hat bereits angekündigt, dass auch 2003 mit einem Rückgang des Betriebsgewinns zu rechnen sei, falls die Autokonjunktur nicht anziehe. Bei der gegenwärtigen Konjunktur werde es sehr schwer, den operativen Konzerngewinn des Jahres 2002 von knapp 4,8 Mrd. Euro wieder zu erreichen, hatte Pischetsrieder jüngst eingeräumt. Erst 2004 sei ein besseres Ergebnis zu erwarten. Dazu beitragen sollen vor allem deutliche Kostensenkungen. 2003 will Volkswagen seine Investitionen um zehn Prozent zurückfahren, um den Ertragsrückgang in diesem Jahr in Grenzen zu halten. (APA/Reuters)

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