Notarzt per Heli immer beliebter

9. April 2003, 10:34
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Nach Skiunfällen naht die Rettung immer öfter aus der Luft -Überstellungstransporte könnte aus Geldmangel aber das Aus drohen

Wien - Exakt 1579-mal stieg im Jahr 2002 einer der gelben Christophorus-Notarzthubschrauber auf, um verletzte Wintersportler aus den Bergen ins Krankenhaus zu bringen. Die Flugrettung ist mit einer signifikanten Steigerung in diesem Bereich konfrontiert, da Patienten sich immer häufiger den Abtransport mittels Ackja und Rettungswagen ersparen wollen. Und das, obwohl sie die Kosten selbst tragen müssen.

Touristenzahlen steigen auch in schneearmen Wintern

Wolfgang Voelckel, leitender Flugrettungsarzt von Christophorus 1, geht von weiteren Zunahmen aus, wie er am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte. "Die Touristenzahlen steigen auch in schneearmen Wintern weiter, und durch die Carvingskier steigt die Geschwindigkeit auf den Pisten. Dazu kommt der Kunstschnee, der einen härteren Untergrund darstellt und zu schwereren Verletzungen nach Stürzen führen kann."

Die Folge: Mittlerweile ist schon bei jedem fünften Einsatz nach einem Skiunfall eine Wirbelsäulenverletzung zu versorgen, ein weiteres Fünftel betrifft Kopfverletzungen, die von Gehirnerschütterung bis zu einem Schädel-Hirn-Trauma reichen. Skifahrer tragen dabei ein höheres Risiko: 80 Prozent der Rettungseinsätze betrafen Alpinskiläufer, nur 16 Prozent Snowboarder. Und dass, obwohl das Verhältnis zwischen Ski und Board auf den Pisten 70 zu 30 ist.

Kassen zahlen nichts

Die Kosten für den Taltransport auf dem Luftweg tragen übrigens nicht die Krankenkassen. Der Gerettete bekommt eine Rechnung zugestellt, eine Flugminute schlägt dabei mit 56 Euro zu Buche. In den meisten Fällen muss dafür dann die private Unfallversicherung aufkommen.

Neben der Versorgung von Verunglückten und Erkrankten sind Lawinenunfälle ein Einsatzgebiet der Flugretter im alpinen Bereich. 22-mal wurden bei 38 Lawinenabgängen die Hubschrauber gerufen, für zwölf Opfer kam dennoch jede Hilfe zu spät.

Vierzig Minuten ins Spital

Alle Unfälle und Transport-und Hilfseinsätze zusammengenommen, schraubte sich im Vorjahr 13.631-mal ein Notarztteam in die Höhe, berichtete der ÖAMTC, der die aus 18 Maschinen an 15 Standorten bestehende Christophorus-Flotte betreibt, bei der Pressekonferenz. Die modernen Fluggeräte Marke Eurocopter benötigten dabei im Schnitt nur 40 Minuten zwischen Alarmierung und Erreichen eines Krankenhauses.

Zwölf Prozent aller Einsätze waren so genannte Verlegungstransporte, bei denen Schwerverletzte zwischen Spitälern überstellt werden. Über 500 dieser 1648 Flüge wurden mit einem speziellen Intensivtransporthubschrauber durchgeführt. Dieser fliegenden Intensivstation könnte 2004 das Aus drohen, wenn sich die Flugretter und die Sozialversicherungen nicht über die Bezahlung einigen. "Wir erhalten derzeit von den Versicherungen nur knapp 22 Euro für eine Flugminute, unsere Kosten liegen aber mehr als doppelt so hoch", erklärt Flugrettungspressesprecher Manfred Pfnier. "Das ist ein Verlustgeschäft für uns, wir müssen daher über die Abgeltung verhandeln."

Bis zum Sommer soll es zu Gesprächen mit den Sozialversicherungen kommen. Wird dabei keine Einigung erzielt, könnte im nächsten Jahr der Dienst eingestellt werden. (moe/DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2003)

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