Ein triumphaler Sieg nach Noten

8. April 2003, 19:18
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Das erste Konzert des Pittsburgh Symphony Orchestra unter Mariss Jansons

Wien - Manche US-Regimenter feiern tatsächlich glänzende Siege. Das Pittsburgh Symphony Orchestra zum Beispiel im Goldenen Saal des Musikvereins. Nicht zuletzt, weil Mariss Jansons, sein charismatischer Befehlshaber, nicht irgendwo, weit vom Schuss, agiert, sondern, wie es sich gehört, an der vordersten Linie, am Pult.

Mit beigetragen zu diesem bejubelten Triumph hat wohl auch das Wiener Publikum, das ohne die geringste Spur von etwaigem unangebrachtem Ressentiment vorbildlich zwischen Kunst und Krieg zu unterscheiden wusste, was von den Gästen wohl auch mit freudiger Erleichterung quittiert wurde.

Schon nach der eingangs gespielten Unvollendeten von Franz Schubert war die Reaktion von anerkennender Herzlichkeit getragen. Grundsätzlich zu Recht, auch wenn der zweite Satz im Vergleich zum Nuancenreichtum des ersten vor allem in der Dynamik für die Ohren der österreichischen Eingeborenen etwas zu pompös und offiziell geklungen haben mochte.

Trotz allem spiegelte diese Wiedergabe eine reizvolle Symbiose zwischen detailreicher romantischer Versonnenheit und dem, durchaus kultivierten, Kraft- und Prachtpotenzial dieses Orchesters wider.

Voll zum Einsatz kamen diese Vorzüge freilich erst in der 10. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch. Und dies nicht nur im martialischen Furioso des zweiten Satzes, das in der Wiedergabe der Pittsburger mit, beinah möchte man sagen, tatsächlich chirurgischer Präzision die Wiener Trommelfelle attackierte.

Auch das kontrastreiche emotionale Aprilwetter, das in den übrigen drei Sätzen dieses thematisch kunstvoll verschlungenen Musikromans herrscht, wussten die Gäste auf plastische Weise nachzuzeichnen.

Glaubte man, die Grade des am Schluss dieses Werkes losbrechenden Jubels wären nicht mehr zu steigern, irrte man gewaltig. Es ging noch herzlicher: Nach der als Zugabe gespielten Valse triste von Jean Sibelius. Vielleicht auch wegen der Wahl dieses Werkes. Sagt doch auch Musik weit mehr als tausend Worte. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.04.2003)

Peter Vujica
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