Eiskalt im Fettnapf

15. Februar 2010, 18:16
  • Claudia Reiterer
    foto: orf/thomas ramstorfer

    Claudia Reiterer

Man soll die Ballnacht nicht vor dem letzten Interview loben - "ORF-Lady Claudia Reiterer sah Rot" behauptete "Österreich" in seiner Freitag-Ausgabe

Man soll die Ballnacht nicht vor dem letzten Interview loben. ORF-Lady Claudia Reiterer sah Rot, behauptete "Österreich" in seiner Freitag-Ausgabe, aber nicht, weil irgend etwas den Zorn der ORF-Lady erregt hatte, ganz im Gegenteil: Die ORF-Lady meisterte ihr Debüt am Opernball trotz enormen Lampenfiebers souverän in ihrer roten Traumrobe. Bei dieser Einschätzung wäre es vielleicht geblieben, hätte nicht youtube dreingepfuscht. Da konnte - zwei Tage später - auch "Österreich" nicht mehr schweigen und rückte mit der Korrektur heraus: 23 Sekunden genügten, um das Opernball-Debüt von Claudia Reiterer entgleiten zu lassen.

Ein Opernball-Debüt souverän zu meistern, und dennoch entgleiten zu lassen, und beides in derselben roten Traumrobe, ist ein Widerspruch, den das Blatt nur auf Hybris zurückzuführen vermochte. Dass die Textsorte Opernball-Englisch das Schicksal auf den Plan ruft, kommt leider zu selten vor, lag in diesem Fall aber nahe. Dabei hat sich noch niemand dem Problem gestellt, ob diese Frage der ORF-Lady an Originalität verloren hätte, wäre sie in tadellosem Oxford-Englisch oder gar auf Deutsch gestellt worden: "Lingeries is in effect woman underwrapping. Do you imagine, is it wrapping to be opened as a man or do you design it for the woman herself?"

Hybris, weil: Noch wenige Minuten vor dem schicksalsträchtigen Interview mit Dessous-Designerin Chantal Thomass war die gebürtige Steirerin der heimliche Star des Abends. In ihrer wunderschönen roten Robe des Wiener Labels Stoffwerk ließ sie so manche Society-Lady alt aussehen. Wenn die Götter, die sich erfahrungsgemäß lieber auf die Seite so mancher Society-Lady schlagen, eine gebürtige Steirerin zum heimlichen Star des Abends aufsteigen sehen, greifen sie ein, im gegebenen Fall umso heftiger, als die ORF-Lady auch einen der Ihren zu entweihen drohte: Im eloquenten Talk mit Spitzenpolitikern spielte die ehemalige Moderatorin des ORF-Magazins "Report" selbst Opernball-Routinier Alfons Haider an die Wand. Der rächende Blitz - egal, ob nun woman underwrapping is to be opened as a man oder umgekehrt - schlug voll in der Englischabteilung des Sprachzentrum der Lady ein, was neben einem pädagogisch wertvollen Kommentar im "Standard", in dem stante pede Englisch auf Weltniveau gefordert wurde, auch einen gravierenden Effekt hatte: Mit dem, was sie für Englisch hielt, übertraf sie sogar Bambis Busenblitzer. Das zu schaffen, müssten andere sich schon sehr bemühen, umso mehr, als diese Übertrumpfung eines Busenblitzers nicht geplant war. Irgendwer muss gewusst haben, dass die Lady in Red eine Schwachstelle hat - und stieß sie dennoch eiskalt in den Fettnapf.

Wer dieser Schurke sein könnte, verriet "Österreich" bisher nicht, aber seine Enthüllung exklusiv ist nur eine Frage der Zeit. Er muss in diesem Nest auf dem Küniglberg sitzen, dem auch ein Dominic Heinzl entschlüpft ist. Der stieß in bisher unentdeckte Gebiete der Gesellschaftsberichterstattung vor, indem er den niederösterreichischen Landeshauptmann als lustiges Kerlchen vorstellte, aber vorsichtshalber auf deutsch. Wenn ihm das nur der neue Finanzdirektor des ORF nicht krumm nimmt! Der wird nun vielleicht gefragt, wozu er von der Partei des lustigen Kerlchens dort hineingedrückt wurde, wenn dann so über einen Möchtegern-Bundespräsidenten gesprochen wird. Is it wrapping to be opened as a man?

Aber anders als die Lady in Red ist Heinzl weit davon entfernt, für seine stimmungsvolle Beschreibung des Onkels vom Vizekanzler von jemandem eiskalt in den Fettnapf gestoßen zu werden. Im Gegenteil, "Österreich" überkugelte sich, ihn als den härtest arbeitenden Leistungsträger des Landes zu glorifizieren. Dominic Heinzl war der einzige Logenbesitzer am Opernball, der keine Zeit zum Feiern hatte. Denn Österreichs Society-Reporter Nr. 1, auch Kolumnist in Fellners Diensten, hatte gestern einen Marathontag zu bestreiten.

Nicht er allein. "Österreich" begleitete Dominic Heinzl. Und der wiederum: Nach der Eröffnung heftete sich Dominic Heinzl bis vier Uhr früh an die Fersen des von ihm verkabelten Ioan Holender. "Ich blieb den ganzen Abend an Holender dran, denn wo er ist, ist auch die Action", so Heinzl über die Ballnacht. Mit ihm ging Heinzl zum Gottschalk-Interview, immer mit "Österreich" an den Fersen. Schließlich wollte er diesmal seinen persönlichen Zuseher-Rekord brechen. Dafür schuftete er 32 Stunden nonstop. Und warum will kein Mitleid aufkommen? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 15.2.2010)

 

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anderer opernball

ebenfalls katastrofurchterbares englisch-deutsch

http://www.wuv.de/nachricht... rt_den_mdr

also fescher als alle anderen ...

... zammen da issie allemal. und das is schon eine menge im TV ...

Overestimated - underwrapped...


.

Alles im allen ist sie aber schon lieb, und besser als der mänliche Rest.

A bisserl Englisch pauken und es geht schon.

"Der, der wirklich perfekt Englisch kann werfe den ersten Stein" - "Die andern solln die Goschn halten"
Was ich hiermit auch tu ;-)

Geh bitte

Es geht gar nicht um wirklich perfektes Englisch. Es sollte nur merkbar besser sein als vollkommen katastrophal.

ja -die hat einen soliden hausverstand und dadurch wirklich interessante fragen gestellt - bis auf die eine? weil mein englisch ist so schlecht dass ich die point bzw. den angeblich groben fehler nicht versteh :-)

also bei der launtscherie

hab ich mich dann doch gefragt, ob die interviewte designerin nicht viell. doch bequeme mode für vielfliegende businessmänner entwirft :-)

ahhhaah...hilfe..

selbstüberschätzung, provinzialität, protektionismus, quotengeilheit, spießertum, nationalismus, korruption, einbildung, .. österreich ist eine herrliche melange!! sämtliche medien und politiker halten uns unfreiwillig einen spiegel vor und wir merkens nicht.

Die groben Probleme Frau Reiterers beginnen schon, wenn sie Deutsch zu sprechen glaubt!

Übersetzung und Rückübersetzung des Gestammels: "Lingerie ist eigentlich die Verpackung der Frau

Stellen Sie sich (als Designerin) vor, dass diese Verpackung von einem Mann geöffnet wird oder entwerfen Sie (die Unterwäsche) für die Frau selbst?"

"Underwear could be compared to wrapping up the female body. When designing it, do you have a man in mind who is undoing it or do you just design it for the woman, who is going to wear it?"

Wenn meine Übersetzung und Rückübersetzung stimmt, zeigt sich neben katastrophalem Englisch noch die ziemlich sexistische Philosophie der Frau R. Das war zu erwarten. Vorbild ist sie keines.

Da das "Original" aber ein Gestammel ist, wird man immer behaupten können, dass etwas ganz Anderes gemeint war. Das ist ja stets der Grund für sprachliche Ungenauigkeit.

me in lingerie



seductive is what you wanna be, said the other girls,
how's that? I asked, oh cmon chrissake I only wanna know.
well, says the crosseyed one supposed to blow like a grampus
(whatever the f*ck a grampus is), well, she says,
seductive, that's kinda fuckish see, like madonna
or samantha fox, and if you wanna make fuckish,
get your ass into some lingerie & smell good.

(Kingsley Amis/ The Russian Girl. P.53)

Da fällt mir auch ein spaßiges Video ein :)

http://www.youtube.com/watch?v=2T-W22khCE0

VIEL SPASS DAMIT :D!!!

hihi

hab also nicht nur ich gestaunt! *g*

Im Ernst: Was wollte sie eigentlich wirklich sagen?

Dada...

...lässt grüßen

das kommt davon, wenn man die Leute zum Pariasek in den Englischkurs schickt...

der vollständigkeit halber (auf youtube ist das video nicht mehr vorhanden "Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Austrian Broadcasting Corporation - ORF nicht mehr verfügbar.")

frei nach robert hochner:

das internet ist die rache der gebührenzahler

http://kurier.at/multimedi... 977055.php

lasst sie doch

lasst mir unsere kim basinger für arme...

und was wrap betrifft, primär kenne ich es als tortilla wrap (googeln) ist aber bei kleidern auch so was wie ein poncho, und bedeutet ggf auch schoko-papierl...

http://images.google.at/imgres?im... %26hl%3Dde

Ein weiterer Höhepunkt der Reiterischen Englischkenntnisse, die "loungerie" geht vor lauter wrappen ja komplett unter.

Auch die Passage über die Frage ob C. Bruni die Kreationen von C. Thomass trägt war weder in die eine noch die andere Richtung lupenrein übersetzt.

Ich war da nach dem nach Hausekommen bei durchzappen zufällig auf dem Sender und dachte zuerst es ist eine Satire bis mir bewusst wurde, dass es sich da um Interviews am Opernball handelt.

Ein Ball (noch dazu der Opernball) dient der Zelebrierung der Lüge

... und das ist doch was Wunderschönes! (Solange man sich dessen bewusst ist)

Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn man meint, über einen - zugegeben - kleinen Ausrutscher am spiegelglatten Parkett der britischen Sprache, lästern zu müssen.

Meine Empfehlung an die ModeratorInnen! - Leute genehmigts euch zu Beginn des Balls ein, zwei Achterl(n) ? ;-) und dann läuft das Ganze viel lockerer ab ...

Vor Kameras, was Gscheites sagen oder fragen zu müssen ist grundsätzlich schon schwierig genug, ... und was Gscheites auf Englisch zu fragen ... Phu ...

"(W)rapp" it girl ... ;-)

Die Lüge, Englisch zu können, wird R. in Zukunft nicht mehr gelingen.

Nun ja, das war kein Ausrutscher. Das gesamte Interview war ziemlich eigenartig was Englisch+Übersetzungen betraf.

Vermutlich ...

... hatte sie sich "zu gut" vorbereitet!

In dem Sinne, dass sie sehr seltsame Vokabeln an den Mann/die Frau bringen wollte (ich weiß jetzt nicht, ob ein Brite oder Ami gerade "wrapping" in so einem Zusammenhang verwenden würde).

Dann bringt man sich selbst (unnötigerweise) unter Zugzwang und der "Zungenknoten" ist fertig!

Da ist es wohl gscheiter, "einfach" zu bleiben in der Wortwahl, dann derhaschpelt sich auch das "verbale Gehirn" nicht und ein "by" mutiert zu keinem "as" und dergleichen mehr ... ;-)

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