Wiener Musikverein

Energie des Spontanen

15. Februar 2010 17:38

Die Tonkünstler und das London Symphony Orchestra

Wien - Der Begriff Energie - er darf in Zusammenhang mit beiden am Sonntag zufällig in zeitlicher Nähe und im Wiener Musikverein aktiven Herren Erwähnung finden: Sowohl Tonkünstlerchef Andres Orozco-Estrada als auch Valery Gergiev, der mit seinem London Symphony Orchestra anreiste, verstehen es, Klangkörper unter "Strom" zu setzen. Und das ist, wenn auch nicht alles, so doch eine ziemliche Menge, wenn es darum geht, interpretatorische Präsenz zu erlangen.

Man spürt denn auch deutlich, wenn etwa die Tonkünstlerstreicher bei Brahms' 1. Symphonie kollektiv markante, hitzige Akzente setzen, dass Orozko-Estrada über den Energieweg Strukturen von Unverbindlichkeit befreien will. Durchaus markant - und: Nach Einigen Minuten für Orchester, einem gediegenen neuen Stück von Horst Ebenhöh und dem wilden 1. Klavierkonzert von Prokofjew, das Andrei Gavrilov hitzig zum Leben erweckte, war auch bei Brahms somit kein Spannungsabfall zu verzeichnen. Natürlich wäre mehr Klangfülle und Phrasierungsflexibilität vorstellbar; der Kolumbianer hat allerdings erst kürzlich mit seiner Tonkünstlerarbeit begonnen.

Etwas länger steht Gergiev dem Londoner Orchester vor. Der genialische Spontane, der sich gerne ein bisschen viel (an Reisekilometern) zumutet, bleibt ob seiner Umtriebigkeit musikalisch aber immer ein wenig unberechenbar. Immerhin: Beim Petruschka (Fassung 1947) schafft er es, die Farbpracht relativ klar und intensiv rüberzubringen, ohne jedoch den Bereich des Soliden zu verlassen.

Beim Violinkonzert von Brahms hingegen wird nur der zumeist blühenden, nur im Pianissimo mitunter fragile Ton von Leonidas Kavakos in Erinnerung bleiben. Das Orchester wirkte unscheinbar und damit beschäftigt, nicht immer entschlossen mitzuatmen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 16.02.2010)

Lilly Vanessi
16.02.2010 07:14
Unergründliche Kulturredaktion

Dass die Standard-Kulturredaktion diese vor Allgemeinplätzen strotzende Kritik des Herrn Tosic unreflektiert online stellt, ist insofern verständlich, als man ja damit beschäftigt ist, alle negativen Postings zu Colette M. Schmidts Kritik über Götz Spielmanns "Imperium" in Graz sofort wieder zu entfernen.
Wie wär's, wenn in der Standard-Kulturredaktion die diversen Artikel endlich gegengelesen würden, bevor die Leserschaft damit beglückt wird?

Plaats van Samenkomst
15.02.2010 21:26
"über den Energieweg Strukturen von Unverbindlichkeit befreien will"

Und Schmus und blablabla. Die übliche Wirrsal halt.

daniel stephan
15.02.2010 20:50
Kommt in meine Tosic-Liste ... !

"Das Orchester wirkte unscheinbar und damit beschäftigt, nicht immer entschlossen mitzuatmen."

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