"Den Film hätte ich auf jeden Fall gemacht"

15. Februar 2010, 16:33
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    Staatschef und Mannschaftskapitän arbeiten am sportlichen Brücken-schlag: Morgan Freeman als frisch gewählter südafrikanischer Präsident Nelson Mandela und Matt Damon als François Pienaar in Clint Eastwoods "Invictus".

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    Clint Eastwood, bald 80, dreht schon wieder.

"Invictus - Unbezwungen" heißt die aktuelle Regiearbeit von Clint Eastwood. Der unbeirrbare US-Star werkt bereits am nächsten Projekt

Wien - Schiefe Verhältnisse lassen sich an vielen Dingen ablesen, zum Beispiel auch am Sport. Auf einer Wiese stehen weiße, junge Männer in adretten Trikots und spielen Rugby. Jenseits des Zauns, auf staubigem Boden, kicken ihre dunkelhäutigen Landsmänner. Ein einfacher Kameraschwenk, der von der einen Seite zur anderen führt, zeigt zu Beginn von Clint Eastwoods Invictus die Gefälle an, die Südafrika zu diesem Zeitpunkt bestimmen.

Es ist das Jahr 1995, kein zufälliges Datum, denn eine wichtige Zäsur in der Geschichte des Landes steht an. Mit Nelson Mandela kam erstmals ein schwarzer Präsident an die Macht - mit dem Anspruch, ein Land am Rande des Bürgerkriegs zu befrieden und einen Schritt weiter in Richtung Nation zu gehen. Von den einen mit Angst und Skepsis, von den anderen mit großen Hoffnungen begleitet.

Invictus, der auf einem Buch von John Carlin beruht, ist kein weit ausholendes Biopic, sondern ein Film über einen Moment, in dem sich etwas verschiebt. Mandela erringt einen wichtigen Etappensieg, in einer für ihn nicht unbedingt naheliegenden Disziplin: beim Rugby. Er wittert die Chance, mit der elitären Sportart, die von der schwarzen Bevölkerung immer noch für das System Apartheid stand, gesellschaftliche Gräben zu überbrücken. Ziel ist die anstehende Weltmeisterschaft, bei der die südafrikanischen Springboks - so der Name der Mannschaft - als Underdogs gelten. Ein einziger Schwarzer steht im Team, nun soll der Sportsgeist das ganze Land aufwecken, der Titel geholt werden.

"Es war einfach eine Geschichte, die mir gefiel" , erzählt Clint Eastwood beim Pressegespräch in London über seinen Zugang. "Ich bewunderte Mandela, und Rugby war eine Inspiration für ihn. Er benutzte Sport als ein Werkzeug, um sein Land zu vereinen. Er besaß viel Kreativität darin, Leute zusammenzubringen: Er tat es einfach und redete nicht nur davon. Rugby war ein Aspekt, aber es hätte auch Texas Hold'em Poker sein können - den Film hätte ich auf jeden Fall gemacht."

Eastwood, der im Mai seinen 80. Geburtstag feiern wird, ist fokussiert, geduldig, manchmal ironisch in seinen Antworten. Unermüdlich dreht er Jahr für Jahr einen neuen Film - der nächste, Hereafter, in dem es um Grenzerfahrungen geht, ist gerade im Entstehen. Wenn man Eastwood am Podium sieht, denkt man unweigerlich, dass sich die Ruhe dieses Mannes seinem reichen Erfahrungsschatz verdankt.

"Natürlich kann ich größere Herausforderungen annehmen, weil ich mehr weiß" , sagt er über die Vorzüge des Alters. "Aber natürlich kann man auch mehr vergessen." Nachsatz: "Was ich zu vermeiden versuche. Ich genieße es einfach, egal ob ich hinter oder vor der Kamera stehe. Daher werde ich einfach weiter machen, bis mir jemand eine über den Kopf haut - und sagt: Die Zeit ist aus!"

Die Idee, einen Film über Mandela zu drehen, kam von Morgan Freeman, Mandelas Wunschkandidaten für diese Rolle. Freeman wünschte sich Eastwood, für dessen klassisches Arbeitsethos er nur Lob bereithält: Er ist berühmt dafür, bei Drehs meist vor dem Zeitplan zu liegen und so wenige Takes wie möglich zu brauchen. Die Effizienz ist auf das Wesen einer Szene gerichtet, was dem Film konservative Tugenden beschert: einen ruhigen, konzentrierten Rhythmus, das richtige Maß an Pathos und Distanz, eine verhalten komische Note, wenn Mandela mit seinem offenherzigen Lächeln selbst Widersacher für sich einzunehmen versteht. Entwicklungen werden nicht weihevoll ausgespielt, sondern mit kleinen Gesten anschaulich gemacht.

Regisseur mit Feingefühl

"Es ist ganz etwas anderes, wenn man das Gefühl hat, es passiert etwas, und der Regisseur erkennt das auch" , erzählt Matt Damon, der in Invictus den Rugby-Teamkapitän spielt. "Coppola hat mir einmal von Antonioni erzählt, dass er neben der Kamera stand und mit bloßem Auge zusah. Und wenn er etwas erkannte, schaute er zum Kameramann und sie verständigten sich darüber, ob er das auch sah. Auch Clint ist ein Regisseur, der im Prinzip schon in der Kamera schneidet."

Mandela selbst hat den Film gemeinsam mit Freeman auch schon gesehen: "Er grinste viel und nickte. Als er sich selbst das erste Mal sah, lehnte er sich zu mir herüber und sagte: Den Kerl kenn ich! Ich hatte den Eindruck, er ist nicht enttäuscht." Für Eastwood liegt ein entscheidender Aspekt im Pragmatismus des Staatenlenkers: Er zeigt ihn als keinen ganz fehlerlosen Menschen - "er ist kein Heiliger", heißt es einmal im Film. Als Politiker erkennt er allerdings, dass man auch zu unpopulären Konzepten stehen muss, so man von ihnen überzeugt ist. Mandelas Idee, am Rugby festzuhalten, hielten selbst seine treuesten Mitarbeiter für Zeitverschwendung. Eastwood: "Mandela war 27 Jahre im Gefängnis, und er kommt mit dieser Vorstellung eines geeinten Landes heraus: Als ich das Script las, dachte ich mir eigentlich nur, dass dies eine Situation ist, von der Politiker auf der ganzen Welt viel lernen könnten."

Analogien zur politischen Gegenwart finden sich in Eastwoods jüngeren Filmen so ganz von selbst. Sie kommunizieren implizit mit der Gegenwart, wenn sie von Veränderungen erzählen - zuletzt auch Gran Torino, in dem er angeblich seine letzte Rolle spielte. Eastwood gibt Entwarnung: "Ich habe das auch schon nach Million Dollar Baby gesagt. Er war ziemlich erfolgreich, ich dachte, das könnte ein guter Moment sein, um auszusteigen - ich will nicht am Ende immer tiefer sinken. Dann kam Gran Torino daher, der Mann war in meinem Alter. Ich sage immer, dass ich noch zehn Rollen spielen würde, wenn es die richtigen sind. Aber wie viele große Rollen gibt es schon für einen Mann, der, nun ja, 38 Jahre alt ist ..." (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 16.02.2010)

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es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
00
18.2.2010, 17:15
eastwood rules!!!

ich liebe diesen mann. und ich liebe seine filme. dieses neueste werk durfte ich schon sehen. großartig! minutenlange slow motion mit dramatischter musik und doch nicht kitschig. das muss man erst einmal schaffen.
100 points. und bitte den oscar für morgan freeman!

alte frau
00
17.2.2010, 08:24

eine tolle arbeit auch von morgan freeman, der jeden morgen stundenlang in die maske musste. es ist sicherlich nicht leicht für ihn, sich in einen schwarzen hineinzufühlen.

Oligarchenimitat
02
18.2.2010, 10:45

Ja, ursprünglich war es ja auch andersrum geplant: Morgan Freeman sollte den weißen Rugby-Captain spielen und Matt Damon Mandela... Hätte wahrscheinlich mehr Sinn gemacht; keine Ahnung warum sie s umgestellt haben - Vielleicht nur damit sie mit dem 0815-Film irgendwie in die Presse kommen...
Soll ja Leute geben, die seltsame Dinge tun (zB sinnlose Postings erstellen), nur um eine Reaktion zu erzwingen... ;-)

Mathias
 
01
16.2.2010, 17:10
"Invictus - Unbezwungen" heißt die aktuelle Regiearbeit von Clint Eastwood.

Und wann bringt Mr. Eastwood wieder einen Film, wo er eine Brücke in die Luft sprengt? Sowas hat er schon zu lange nicht mehr gemacht ;-)

Muffel
 
014
15.2.2010, 22:32

Eastwood ist einer der ganz wenigen Regisseure, von denen ich mir sofort den Film ansehe, auch ohne irgend etwas über den Film zu wissen - es reicht, daß er von Eastwood ist.
Bisher wurde ich damit noch nie enttäuscht!

Oligarchenimitat
00
18.2.2010, 10:53
Gebe Ihnen im Großen und Ganzen recht...

... Eastwood ist immer verdammt gut.
Trotzdem sind mir seine "kleinen" Geschichten (Million Dollar Baby, Gran Tourino) lieber als die großen (LfIT, FooF) ... Aber da er sich eh ganz gut abwechselt damit, gönn ich ihm natürlich auch die "politischen"...

roland-p
00
16.2.2010, 11:42

"Heartbreak Ridge" war ein ziemlicher Murks ... ansonsten aber vollste Zustimmung!

Muffel
 
00
17.2.2010, 14:11

Ich musste jetzt ehrlich gesagt nachsehen, ob Eastwood hier auch Regie geführt hat.

Handwerklich gesehen, finde ich den Film gut gemacht und sehr unterhaltsam ("Popcorn-Kino"), wenn man es schafft die reaktionär angehauchte Botschaft des Films zu ignorieren.

roland-p
00
21.2.2010, 16:18

Ja, da hat er Regie geführt ... und ich fand z. B. seinen reaktionären "Firefox" auch recht unterhaltsam, aber im Gegensatz dazu ist "Heartbreak Ridge" wirklich völlig ironiefrei und absolut ernst gemeint.

boquitas pintadas
 
00
16.2.2010, 11:12
ja, genau

mache ich auch so und kein einziges mal wurde ich enttäuscht.

Allmächtiger Satan
21
15.2.2010, 22:02

Arbeitet mit 80 noch wie mit 35 und bei uns zieht's jeden in die Frühpension. Faules Österreich.

Uncle Ethan
00
16.2.2010, 11:35

Wie lange werden Sie arbeiten?

madman
00
16.2.2010, 07:08
nun besteht aber ein großer unterschied zwischen

der kreativen tätigkeit eines schauspielers/regisseurs und einem stinknormalen 8-5 job, der nach 20ig jahren einfach öde und schal wurde.

Allmächtiger Satan
00
16.2.2010, 10:37

Ja, der Unterschieb besteht darin, dass die beim Film 18-Stunden Arbeitstage haben, von einer Minute auf die andere gefeuert werden können und keiner weiss, wann das nächste Projekt kommt.

Und wenn ein Job fad ist, wie fad ist dann erst das jahrzehntelange Nichtstun in der Pension? Weder ein Job noch eine Pension kann was dafür, wenn die Leute mit ihrer Zeit nix anzufangen wissen .

cheesus
00
16.2.2010, 15:41

nicht jeder hat das glück sich in seinem job verwirklichen zu können. für viele ist das ein mittel zum zweck um die nächste miete bezahlen zu können.
hoffe dass das auch einmal bis unter ihren stein dringt.

Allmächtiger Satan
00
16.2.2010, 15:53

Glück? Eine Ausrede ist das. Zu faul und antriebslos sind die Leute.

cheesus
00
17.2.2010, 14:52

das ist aber jetzt nicht ihr ernst oder?

Allmächtiger Satan
00
17.2.2010, 14:56

Es ist ganz egal, ob ich das ernst meine oder nicht, denn an der Tatsache ändert es nichts.

cheesus
00
17.2.2010, 16:23

ihre ignoranz ist bemerkenswert

t-bonesteak
00
17.2.2010, 13:10
blablablabla

Pannonia Jack
00
16.2.2010, 11:13
dass die beim Film 18-Stunden Arbeitstage haben

Wer sind den "die"?

Allmächtiger Satan
00
16.2.2010, 11:29

Die Leute, die für den Herrn Eastwood, die Kabel und das Licht tragen - und da der gute Clint loyal ist und seit Jahrzehnten mit denselben Leuten arbeitet, sind die alle in seinem Alter.

t-bonesteak
00
16.2.2010, 11:11
sind schon arm

die leute im film business.

Allmächtiger Satan
00
16.2.2010, 11:31

Nein, die sind happy, denn sie tun ja, was ihnen Spass macht. Arm sind die 40Stunden-Job-Leute, die ihr Leben lang auf die Pension schielen und dann draufkommen, dass die genauso fad ist, wie ihr voriges Leben. Wer Spass an der Arbeit hat, muss nicht in Pension sondern kann arbeiten, bis er umfällt.

t-bonesteak
43
15.2.2010, 18:47
ich weiß nicht. word wohl der erste eastwood film seit langem

auf den ich keine lust verspüre - v.a. dank antischauspieler matt "sicherungskastenfresse" damon

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