Reportage Ethikunterricht

"Wozu braucht man einen Gott?"

Sebastian Pumberger, 22. Februar 2010, 13:07
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    foto: derstandard.at/pumberger

    In einer achten Klasse bereiten sich die SchülerInnen des Gymnasiums mit musischem Schwerpunkt auf die Matura - auch in Ethik - vor.

Seit 1997 wird Ethik als Schulversuch in der Oberstufe unterrichtet - Für die Schulen ist dies eine teure Entscheidung, tragen sie die Kosten doch selbst

Neben dem konfessionellen Religionsunterricht gibt es in Österreich seit 1997 die Möglichkeit des Ethikunterrichtes. Ethikunterricht ist „Religionsunterricht ohne Konfessionsbrille", so der Direktor des Oberstufenrealgymnasiums Hegelgasse 12, Michael Jahn, der selbst Ethik unterrichtet und auch EthiklehrerInnen ausbildet.

"Religionsunterricht ohne Konfessionsbrille"

Das Gymnasium im 1. Wiener Gemeindebezirk ist Gründungsschule und somit einer der Pioniere des Ethikunterrichts in Österreich. 1997 starteten acht Schulen in Österreich mit einem konfessionslosen Unterricht über Religion, Ethik und Moral, heute sind es laut Informationen des Bildungsministeriums 194 Schulen österreichweit. Waren es in Wien zunächst nur zwei Schulen, die den Schulversuch anboten, sind es heute mittlerweile 20 Schulen. Rund 15.000 SchülerInnen besuchen im Schuljahr 2009/10 den Ethikunterricht. Das Fach kann ab der 9. Schulstufe Ethikunterricht als ergänzendes Pflichtfach eingeführt werden, für die Unterstufe gibt es diese Möglichkeit nicht.

In der Hegelgasse wurde der Schulversuch "Kulturkunde-Ethik-Religionen" genannt. Vier Themenbereiche werden in acht Semestern der Oberstufe behandelt. Neben dem Menschen als Kulturwesen, stehen Religion, "Individuum und Sozialwesen" und "Gesellschaft und Staat" am Stundenplan. Neben der Kunde über Religionen im historischen Überblick, werden philosophische Grundlagen, ethische Problemstellungen diskutiert und Kommunikationsstrategien vermittelt.

"Erschütterndes Nichtwissen"

Ein "erschütterndes Nichtwissen" der Schüler im Bereich Religion und Ethik - so Jahn - war aber nur ein Beweggrund um 1997 als Gründungsschule aktiv zu werden. Den Lehrkräften beobachteten einen zunehmende Abmeldungswelle, SchülerInnen lockte die Freistunde im Kaffeehaus mehr als der Unterricht über ihre Religion. Durch die Schaffung eines Pflichtfaches müssen die Schüler nun wählen.

Ethikunterricht war am Anfang umstritten, ReligionslehrerInnen befürchteten einen Abgang von SchülerInnen. Diese Befürchtungen sind für Jahn unbegründet, ein guter Ethikunterricht stärke auch den Religionsunterricht, ist er überzeugt. Die Wahl zwischen Ethik und Religion verlaufe in der Hegelgasse in etwa entlang der Konfessionsgrenzen. Religion und Ethik konkurrieren nicht um die Schüler, bei überschneidenden Themen wie beispielsweise Pränataldiagnostik werde die ganze Klasse zusammen unterrichtet. Lediglich in der 9.Schulstufe besuchen mehr SchülerInnen den Ethikunterricht aus Interesse.

Geändert hat sich seit 1997 zumindest die Ausbildung. Am Anfang mussten sich Jahn und seine Kollegen selbst um eine Zusatzqualifikation kümmern. Mittlerweile werden beispielsweise an der Uni Wien und an der Katholischen Pädagogischen Hochschule Wien eine Zusatzausbildung für Ethik angeboten.

Gott als "Motivationsgestalt für die Gesellschaft"

Der Unterricht ist breit gefächert. Mit einer fünften Klasse geht Jahn anhand einer Weltkarte die Entwicklung von Christentum und Islam durch. Nicht religiöses Glauben, sondern das Verständnis über die Religionen steht im Vordergrund. Von Überseekolonien, den Kreuzzügen oder den Reformation wird ein geschichtlicher Blick gezogen.

Jahn stellt doch auch hier die entscheiden Frage: "Wozu braucht man einen Gott?" - "Gott ist eine Motivationsgestalt für die Gesellschaft", so ein Schüler. Ein Schülerin entgegnet: "Die Kirche hat im Mittelalter die Religion dazu genutzt um die Bevölkerung zu kontrollieren." Für einen anderen Schüler ist "Gott für viele der Grund warum wir etwas tun", verweist der Jugendliche auch auf den Terrorismus.

Andere Bereiche wie Doping oder Ethik in der Medizin werden religionsferner behandelt. Ethikunterricht - so Jahn - soll jedoch vor allem eine Diskussion zwischen den SchülerInnen anregen und somit auch zur Diskussionskultur beitragen. Eine Lehrermeinung ist immer auch eine Beeinflussung, so Jahn. Aus diesem Grund wird versucht, die Lehrkräfte abzuwechseln um den SchülerInnen über die Jahre verschiedene Ansichten zu vermitteln. Für Jahn gehört es ebenfalls dazu auch die Grundzüge der Kommunikation zu vermitteln, beispielsweise NLP. Ethische Grundfragen zu behandeln sieht Jahn auch als Ergänzung zu den anderen Fächern wie Philosophie oder Psychologie, die erst in der 11. und 12. Schulstufe unterrichtet werden.

Schulversuch hat finanzielle Konsequenzen

Für die 194 Schulen, die derzeit österreichweit den Schulversuch Ethik anbieten, gibt es einen entscheidenden Nachteil. Als Schulversuch muss der Ethikunterricht aus den schulautonomen Mitteln bezahlt werden, zur Lasten beispielsweise von Freifächern. Ethikunterricht ist somit nach wie vor eine Besonderheit, obwohl in dem Fach auch maturiert werden kann.

Die Politik nimmt nur langsam die Übernahme des Schulversuch in das Regelschulwesen in Angriff: SPÖ und ÖVP haben zwar in ihrem Regierungsprogramm eine Überprüfung des Ethikunterrichts angekündigt, eine parlamentarische Enquete hätte noch 2009 stattfinden sollen, wurde aber verschoben. Eine Verankerung des Ethikunterrichts als Pflichtfach steht somit weiterhin aus.  (seb, derStandard.at, 16.2.2009)

 

Kommentar posten
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rudolf schladming
 
00
24.4.2011, 16:14
interessante veranstaltung dazu

http://www.gottlos.at/?p=66

Hotzenplotz 4 President
00
26.4.2010, 12:25
also...

bzgl. ethik: find ich super. sollte auf jeden fall statt religion unterrichtet werden. ich glaub, dass schon allein der name "ethik" viel interessanter auf jugendliche wirkt als "religion".

bzgl. gott: man wird nie etwas beweisen können. es soll jeder das glauben was er will und womit er/sie am besten zurecht kommt. ob es um den sinn des lebens geht, was bzw. wer gott ist, ob es ihn gibt, ob es ein leben nach dem tod gibt, etc.
die FREIHEIT, darüber zu entscheiden, ist genau das, was dieses thema so interessant macht.

JWH
00

Ich bin Atheist, mich beschäftigt zwar die Frage "Wann kann man endlich die Nicht-Existenz eines Gottes beweisen?". Gleichzeitig bin ich jemand der sich an wissenschaftlichen Fakten hält! Also ohne Beweis kann keiner behaupten es gibt einen oder es gibt keinen Gott. So einfach ist das ;P
(Für mich).

Zur Thematik Ethik-Unterricht.
Ich bin sehr zufrieden damit, da ich Freistunde habe während meine Klasse Religions-Unterricht hat, sitze ich auch gerne in diesem und lausche dort.
Weil in beiden Unterrichten doch andere Themen behandelt werden bzw. verschieden betrachtet.
Mehr Wissen schadet nie!

Veronika Lenz
10
30.6.2010, 01:18

gebe dir den Rat beschäftige dich mit Logik-dann kommst du zu einem Beweis-ob es Gott gibt oder nicht

Alexander Patjomkin
12
26.2.2010, 15:21
Gott kann Tausende von Polizisten und Richter ersetzen..

Ob ihn es gibt oder nicht, gar nicht wichtig und werden wir nie erfahren. Wichtig ist das die Menschen eine gewisse spirituelle Aspekte der Welt nicht vermissen, und demgegenüber Demut und Respekt zollen. Ein Atheist ist auch nur ein Gläubiger, der glaubt an keinen Gott.
"Wissen", dass es keinen Gott gibt, können nur die Grünen.

linuxforeverlinux
01
26.4.2010, 10:01

ihre schmerzen möchte sicherlich keiner haben und schon gar nicht ihre argumentationslogik.
wenn man sagt, es gibt keine gott, dann bedeutet dass nicht im umkehrschluss, dass man trotzdem daran glaubt, dass es keinen gott gibt.
an etwas nicht zu glauben, bedeutet nicht, dass man an etwas nicht glaubt, sondern einfach nur, dass man es verneint und nicht diese ständige umdeutung von: naja, letzten endes glaubt ihr ja doch!!!

JWH
02

Ich bin Atheist.
Gläubiger?
Das einzige was ich glaube ist, dass Sie bissl zuviel Weihrauch geschnuppert haben.

"Wichtig ist das die Menschen eine gewisse spirituelle Aspekte der Welt nicht vermissen, und demgegenüber Demut und Respekt zollen."

Ähm, man vermisst sie nicht und zollt ihr trotzdem Demut und Respekt?
Wie bitte?!

Gendo
02
23.3.2010, 12:13

Atheismus ist eine Form des Glaubens wie nicht Rauchen eine Form von Tabakinhalton und das nichtsammeln von Briefmarken ein Hobby ist.
Sie glauben ja auch nicht an Einhörner Odin oder den Klabautermann ohne irgdwelche konsequenzen.

Wer ist der bessere Mensch, der der aus sich heruas gut Handelt oder der der es nur aus Angst vor den Konsequenzen tut. Nebenbei in den Gefängnissen gibt es Prozentmäßig weniger Atheisten als in der Gesammtbevölkerung, soviel zur Moral und Glauben!

Knochenmann
02
26.2.2010, 12:06
"Wozu braucht man einen Gott?"

Den braucht man zum fluchen! Haut euch nur mal mit dem Hammer auf den Finger, dann werdet ihr schon sehen wie weit euch Atheismus bringt!

woifee 0.0
31
25.2.2010, 00:07

es ist eine frechheit was die kirche im moment macht, meine kirchensteuer für soziale einrichtungen ausgeben!!! Kolpingäuser, waisenhaiser, krankenpflege, hungerleidende kinder zu essen geben, brunnen in afrika graben. SATANSWERK! Zudem hat der böse papst als oberhaupt der bösen kirche den posten ein machtwort zu sprechen und menschen zur toleranz aufzufordern, oder für hilfsaktionen oder spenden!

Eine Kreatur
12
24.2.2010, 18:27
religion ist nichts anderes als der ausdruck der psychischen schwäche der menschen ..

wer mit seinem leben und den fakten im universum nicht zurechtkommt, sucht sich ein höheres wesen, um im eigenen leben wieder einen "sinn" zu finden .. "belohnt" für die mühen des lebens wird dann, natürlich nicht mehr verifizierbar, postmortal ..

ein bequemes und einfaches konzept, um eine lebenslüge und illusion zu leben .. um sich selbst zu belügen und zu betrügen und sich selbst zu beruhigen ..

asinus
00
26.2.2010, 20:56

Und die andere Lebenslüge ist es, die Frage auf ein so simpel gestricktes Konzept wie in ihrem Posting zurückzuführen. Da macht man es sich leicht, putzt sich ab, und schon ist das Problem gelöst.

X Y
00
28.3.2010, 15:24
Ich schließe

aus Ihrem Posting, dass Sie einfache Lösungen ablehnen. Sehr hübsch.
Der Vorposter hat seine Meinung gesagt, die er offensichtlich aus ihm vorhandenen Wissen abgeleitet hat. Wir schaut´s denn bei Ihnen aus? Wird´s ein bisschen zu komplex bei der Interpretation von Daten? Kann man daraus schließen, dass Sie Agnostiker sind? Oder nicht? Oder wollen Sie eh keine Diskussion?

füllhornkäfer
10
25.2.2010, 15:21
Jean-Paul Sartre, der nun wirklich alles andere als religiös war,

sagte dass der Mensch nach Transzendenz strebt. Nicht zu Gott sondern über sich selbst hinaus. Und dass es genau dieses Streben ist, das den Menschen im Guten wie im Schlechten vorantreibt.

Aber ich bewundere Sie,wenn Sie so wunschlos glücklich sind, dass Sie nicht einmal einen Sinn fürs Leben brauchen.

X Y
00
28.3.2010, 15:20
Und Sie haben

den schon gefunden, den Sinn? Der Sinn ist eine menschliche Erfindung, um mit dem Bewusstsein, dass man lebt, besser umgehen zu können. Der Hund hat das Problem nicht; der weiß gar nicht, dass er existiert. Er sucht also auch nicht nach irgendeinem Sinn, höchsten nach einem Geruch.
Ein Tipp: Viel arbeiten und das machen, was Sie wirklich gerne tun, und schon hört sich die Sinnsuche von selbst auf.

Heinz Hackinger
10
25.2.2010, 08:05
Mit "psychische schwäche der menschen"

treffen Sie ins Schwarze und haben absolut Recht. Die christliche Religion hat eine Lösung dieses Urproblems der Menschen nach einigen hundert Jahren unserer Zeitrechnung anzubieten:

Die Beichte!

An das ist natürlich ein Angebot, sich wiederholt moralisch aufzurichten zu können.

RS69
 
02
25.2.2010, 08:26

Ah ja, der Ablasshandel.

Jahrhundertelang ein sehr lukratives Geschäft der kath. Kirche.

Jetzt ersetzt durch einen Kirchenbeitrag, der fix abgezogen wird (bei Mitgliedern).

----

"Für x EUR pro Jahr übernehmen wir Ihre Sünden. Sünden Sie also ruhig!"

Ich gebs zu
00
25.2.2010, 11:15
Ablass

und Kirchenbeitrag (den A. Hitler der Kirche aufgedrückt hat) sind ungefähr so verschieden wie der Preis für eine Liftkarte und ein Freigetränk.

Der Ablasshandel war als grober Missbrauch Anlass genug für Martin Luthers Kirchenkritik, aber sicher ist er kein Argument gegen den Religionsunterricht.

miss
02
23.2.2010, 19:15
Oh Gott...

...(noch erlaubt?)

Toeris
00
24.2.2010, 15:08

Nö. Göttin! :)

2feet2go
42
23.2.2010, 16:30
Weil UNSER Gott recht hat, darf er unterrichtet werden?

Ich verstehe nicht (ich kanns nur historisch erklären) warum wir noch immer Religion in der Schule unterrichten, statt einfach Ethik.
Mag sein, dass Glaube Kraft gibt, hat aber mit Religion nicht bedingt was zu tun.
Mag sein, dass mich das intelligent Design interessiert, hat aber mit schulischem Wissen nichts zu tun.

Wenn ein Scientologe nun kommt und erklärt, dass vor 75 000 000 Jahren Xenu Seelen auf die Erde gebracht hat, sagt auch jeder das ist Schwachsinn. Warum ist aber, dass Dinos und Menschen vor 6000 Jahren nach 6 Tagen Schöpfung zusammengelebt haben auch nur irgendwie rationaler?

JWH
00

Se san a wuchtldrucka vom feinstn...
Im Religions-Unterricht wird auch über Drogen, Eherecht, Abtreibung, Befruchtung etc. gesprochen...
Wachens mal auf aus ihren Traum da...
Radikal kann man auf Schulen schon lang nichtmehr unterrichten!

füllhornkäfer
00
25.2.2010, 15:26

So ein Blödsinn wird bei uns nicht unterrichtet, das verwechseln Sie mit den amerikanischen Kirchen.

Drew R. Man
00
24.2.2010, 10:04
"Warum ist aber, dass Dinos und Menschen vor 6000 Jahren nach 6 Tagen Schöpfung zusammengelebt haben auch nur irgendwie rationaler?"

ist es ja auch nicht. einen derartigen schwa*chfug verzapfen ohnehin nur fundamentalistInnen.

Ich gebs zu
31
23.2.2010, 18:58
Gott braucht man gar nicht zu unterrichten,

weil er/sie allwissend ist.

Wissen über Religion ist allerdings sehr wohl quantifizierbar und qualifizierbar. Daher RU, Religionswissenschaften usw.

Der Vergleich mit Scientology fördert zumindest diesen einen Unterschied zutage: Eine Psychosekte ist auf einer sehr niedrigen Ebene widersprüchlich und als Geschäftsmodell zu entlarven.

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