STANDARD-Interview

"Serbien vergeudet nur Zeit"

14. Februar 2010, 19:46
  • Artikelbild: ur PersonDer Anglist Skënder Hyseni (54) war ein enger 
Berater von Ibrahim Rugova, der die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) 
gründete. 1999 war er in Rambouillet und ab 2006 bei den 
Status-Gesprächen in Wien. Seit April 2008 ist der LDK-Politiker 
Außenminister. Hyseni ist verheiratet und hat vier Kinder. - Foto: APA/EPA/Xhemaj

    ur Person
    Der Anglist Skënder Hyseni (54) war ein enger Berater von Ibrahim Rugova, der die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) gründete. 1999 war er in Rambouillet und ab 2006 bei den Status-Gesprächen in Wien. Seit April 2008 ist der LDK-Politiker Außenminister. Hyseni ist verheiratet und hat vier Kinder.

Der kosovarische Außenminister Skënder Hyseni rechnet im STANDARD-Interview mit mehr Anerkennungen des neuen Staates

Der kosovarische Außenminister Skënder Hyseni erwartet nach der Stellungnahme des Internationalen Gerichtshofs zur Unabhängigkeit des Kosovo mehr Anerkennungen des neuen Staates, sagte er zu Adelheid Wölfl.

*****

STANDARD: Was erwarten Sie von der Stellungnahme des Internationalen Gerichts über die Rechtmäßigkeit der Unabhängigkeit des Kosovo, die im Juni kommen soll?

Hyseni: Nach der Stellungnahme werden wir mehr Länder sehen, die den Kosovo anerkennen.

STANDARD: Auch EU-Staaten, die das bisher noch nicht getan haben?

Hyseni: Mein Eindruck ist, dass die nichtanerkennenden Staaten freundlichen Druck von anderen erwarten. Griechenland geht in die richtige Richtung.

STANDARD: Serbien will nach der Stellungnahme des Gerichts neue Statusverhandlungen.

Hyseni: Serbien vergeudet seine Zeit und unsere Zeit. Und schafft Zeit für alle möglichen verrückten Szenarien in der Region. Wenn man, nachdem der Kosovo von 65 Staaten anerkannt wurde und staatliche Institutionen aufgebaut hat, nach neuen Verhandlungen ruft, zeugt das entweder von einer Ignoranz der Fakten oder noch schlimmer: Das sind Leute, die versuchen, die Region zu destabilisieren. Serbien kann nicht auf der einen Seite die EU-Mitgliedschaft beanspruchen und auf der anderen Seite ein Faktor der Destabilisierung für den Westbalkan sein. Serbien ist in Brüssel sehr europäisch, aber auf dem Balkan überhaupt nicht europäisch.

STANDARD: Wenn Serbien und der Kosovo nicht kooperieren, können beide nicht in die EU. Ist so etwas wie der Grundlagenvertrag zwischen BRD und DDR die Lösung?

Hyseni: Ich glaube nicht, dass man das auf Serbien und den Kosovo anwenden kann. Während es in Deutschland um eine gemeinsame Nation, ethnische und sprachliche Gruppe ging, die nach dem Krieg geteilt wurde, war das hier nicht der Fall. Beim letzten Treffen des Sicherheitsrats habe ich gesagt - und mich damit gewissermaßen auch an Präsident Tadić gewandt -, dass wir uns nicht an Serbien richten, damit es jetzt den Kosovo formell als unabhängigen Staat anerkennt. Aber wir fragen Serbien, mit uns über alles, was die Zusammenarbeit erleichtern und ein besseres Verständnis bringen würde, zu sprechen. Alles außer dem Status. Die Unabhängigkeit des Kosovo kann nicht wegverhandelt werden. Punkt.

STANDARD: Der kosovarische Staat hat im Norden keine Durchsetzungsmacht. Was tun?

Hyseni: Es ist wahr, dass es im Norden Probleme gibt, die gelöst werden müssen. Und deshalb arbeiten wir sehr eng mit dem Internationalen Zivilen Repräsentanten (ICO) und Eulex zusammen, um Recht und Ordnung wiederherzustellen. Allmählich. Wir glauben auch, dass die Zeit gekommen ist, dass die internationale Präsenz im Kosovo völlig klargestellt wird. Das heißt, dass die UN-Mission Unmik ausläuft und Eulex übernimmt. Man kann nicht effektiv sein, wenn man zu viele Akteure hat, die denselben Job machen.

STANDARD: Wann kann der Kosovo ein Assoziierungsabkommen mit der EU bekommen?

Hyseni: Weil diese Frage mit der Nichtanerkennung durch einige EU-Staaten verbunden ist, müssen wir diese Staaten überzeugen. Man kann kein schwarzes Loch auf dem Balkan schaffen, indem man den Kosovo draußen lässt. Der Kosovo ist fortgeschritten, was Gesetzgebung und Reformen betrifft. Da gibt es nicht viel Unterschied zu Serbien.

STANDARD: Wann wird der Kosovo der EUbeitreten? 2020?

Hyseni: Ich bin optimistisch, dass wir schon vorher drinnen sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2010)

weitersagen:
drucken
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 138
1 2 3 4
luigi19760
17.02.2010 12:33
2 Jahre Unabhängigkeit des Kosovo

Kosovo ist 2 Jahre alt und wahrlich noch ein sehr langer weg um von sich behaupten zu können dass man wirklich Unabhängig ist.

Ein 2 Jahre Unabhängiges Kosovo mit ein Land wie Serbien, dass seit Paar Jahrhunderte Königreiche und Staatsformen Besitzt zu Vergleichen, ist Wahrlich SERBIEN gegenüber Ungerecht.

Doch Traurig ist vor allem die Tatsache, dass serbische Könige und Politiker seit Jahrtausende den Kosovo für sich beanspruchen und über die Hälfte ihre Militärischen, Kulturellen und Wirtschaftlichen Ressourcen daran verschwendet haben, um am 17. Februar 2008 Tatenlos zusehen zu müssen, dass KOSOVO sich unabhängig Proklamiert und seit dem 65 Staaten der Welt dies auch so anerkennen.

Glückwunsch Kosovo und mein Beileid an Serbien

ivica ivanovic1
05.04.2010 19:36
halo

ivan sagt bailaid an dich und islamisten im kosovo un-rez.1244 helsinki-un-rez.1975 südserbien bleibt in serbien de-facto regiem sind sie nur, es steht 65 zu 127 fur serbien und russ-china veto gegen albaner was sich noch ferschärfen wird wegen islamitische anschläge im russ-kaukasus-moskau sind sie alle blind? 95% der moslem staaten der welt sin auf seite serbiens über was redet ihr über die nechste albanische niderlage von dem ing-in den haag der sich in juni eusern wird das sie albaner kein recht haben in jeder hinsicht seit dem 4 jarhundert leben serben im kosovo den ersten serbischen staat raszien und albaner haben im kosovo nie einen könig gehabt verstehen sie nie nie und serben seid 1300 jahren wem kosovo gehort ist klar serbien.

anchrift
17.02.2010 18:02
mein beileid zu deiner unwissenheit

Drago+
17.02.2010 12:58

Was soll es denn tun, Kriege führen? Kriege braucht Europa nicht, und Serbien nach den 1990-ern schon gar nicht..

Abgesehen von Menschenleben ist ein jeder Krieg ungemein teuer, und insofern ein Staat nicht die USA ist, ruiniert ein Krieg die Ökonomie wie auch die Kultur des eigenen Landes.

Was die Lösung für das Kosovo-Problem ist, mag ungewiss sein, aber Serbien setzt heute auf den demokratischen Weg, was einmal an sich das beste ist, und mal schauen, was dabei rauskommt..

HisHasH  
17.02.2010 11:41
@ KRYEZIU - es ist schlicht unglaublich, wie sehr ein zumindest teilweise alphabetisiertes individuum vor unwissenheit strotzt. wem wollen Sie mit Ihrer perversen sicht der realität imponieren? ich erinnere nur an Ihre aussage, die ...

21.WaffenGebirgsDivision SS (Skanderbeg) war eine demokrat. organisation, welche - so erzählte es Ihnen Ihr Skanderbeg-Opa, schrieben Sie - serb.cetniks & dt.nazis bekämpfte. und Sie wollen ernst genommen werden?

dass Sie überhaupt noch frei herumgeistern dürfen, haben Sie lediglich dem umstand zu verdanken, im schutze der anonymität solch krankhafte aussagen tätigen zu können. von rechtswegen gehören Sie in österreich für diese aussage längst verurteilt und eingesperrt!

weder habe ich in letzter zeit, noch werde ich künftig stellung zu Ihren absurditäten nehmen. die meisten Ihrer postings erreichen mich per e-mail, aber aufgrund des groben unfugs den Sie schreiben schafft es ohnehin nur ein kleiner teil in's forum.
lassen Sie's einfach.

Slozni_smo
17.02.2010 08:39
Zumindest wissen wir jetzt

, dass Herr der Ringe fortgesetzt wird ... Gollum lebt scheinbar noch und ist jetzt Pseudo-Politiker im Kosovo ....

mladenovic 
16.02.2010 11:48
Grenzenloser Optimist.

2020 EU Beitritt?In den nächsten 30 Jahren nicht,vielleicht auch niemals.

binGeladen
16.02.2010 16:57
nur als teil serbiens.

mladenovic 
16.02.2010 18:39

Ganz genau.

Komita
16.02.2010 14:01
Von den Unterstützern des unabhängigen Kosovo

in der EU erhielt Belgrad zuletzt verstärkt Signale, dass eine Blockade der Zusammenarbeit mit dem Kosovo den Weg Serbiens in die Union erschweren, wenn nicht sogar verhindern würde.

Semberija
17.02.2010 08:14

War nicht auch der ehrenwerte General Mladic einst Bedingung für eine Annäherung an die EU ? So schnell kann es gehen :)

Vollmeise  
18.02.2010 00:24

Ehrenwerte?

..|.. 
16.02.2010 22:39
Wir dürfen nicht Terroristen und der Mafia einen Staat finanzieren.

Es wird sich langsam auch in der EU die Meinung durchsetzen, dass die Schaffung eines neuen Kleinstaates die Situation am Balkan nur komplizierter macht.

Noch dazu, da dieser Staat mit Krieg und gegen das Völkerrecht entstehen soll. Das ist auch ein Verstoß gegen die Prinzipien der EU.

Mr Demi 
17.02.2010 23:36
tde
22.05.2010 21:20
einfach brilliant

Stani83 
18.02.2010 15:43
1. Lenken Sie ab (das hat garnix mit dem Thema zu tun :-)))

2. Ist es nicht toll dass er per internationalem Haftbefehl gesucht wird? In mach einem Staat in Europa sitzen sogar Menschen wie er im Parlamen und dürfen ganze Staaten führen ;-)
Da ist doch Serbien ziemlich weit, findens nicht

Mr Demi 
19.02.2010 15:33
und welche werden sogar als Helden gefeiert.....

Stani83 
22.02.2010 08:57
Was traurig ist

Komita
18.02.2010 18:13
Unglaublich weit...

Nach über 15 Jahren ausgestelltem Haftbefehl immer noch kein Erfolgsergebnis.

Dabei sitzt er sehr wahrscheinlich gegenüber vom Justizministerium und stösst mit den Justizangestellten auf den Erfolg Serbiens an.

Stani83 
19.02.2010 09:23
Also er wird doch gesucht? Oder? Das ist Fakt

Das was Sie aber da schreiben sind Vermutungen, Spekulationen und Hirngespinste

Besser für Sie, Sie hätten garnix geschrieben

mladenovic 
16.02.2010 16:45

Das habens wahrscheinlich vom ruhmreichen Blatt"Koha Ditore".Ich kann Sie aber beruhigen,dem ist nicht so.
Was aber Sie ausser Acht lassen,besser gesagt Herr Hyseni,einige EU Länder werden den Kosovo niemals anerkennen,wie kann dieser Staat dann EU Mitglied werden?

Drago+
16.02.2010 14:28
Gähn.

Also, die letzten Signale aus der EU haben mich wirklich verblüfft.. Natürlich gab es gleich Hetze von EU-Gegnern, aber ich hatte das blöde Gefühl, als wollten diese (seitens der EU) Serbien sogar helfen... Konkret geht es um EU-Banken, die für die Sanierung der Belgrader Brücke Gazelle die Bedingung stellen, dass vorher die dortigen Containersiedlungen von Roma geräumt und diese alle einen Job bekommen. Und wie mir die Roma-Diskussionen in der EU bekannt sind, kann ich nur sagen: Oppaa! Ich weiß nicht, ob sich diese Banken dessen bewusst sind, aber abgesehen von humanitären und sozialen Gründen trägt eine bessere Integration dieser Roma dem Ansehen Serbiens bei.. Weiter so!

Stani83 
16.02.2010 14:18
Was hat das mit dem Eintrag von mladenovic zu tun?

Wollen Sie etwa auch behaupten dass das Kosovo vor 2020 in der EU ist?

oka akakiko
16.02.2010 00:45
binGeladen
16.02.2010 16:56
das kann nicht sein. kosoovo muss unbedingt an serbien zurück gegeben werden!

wo diese terorristen herrschen gibts nur elend.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 138
1 2 3 4

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.