Sanierung

Bauprojekten von Asfinag und Bahn droht Kürzung

14. Februar 2010, 18:53

Der Anstieg der Schulden macht nervös. Das Finanzministerium will Gefahren für die Budgetstabilität abwenden

Das Finanzministerium erwägt, bei den ausufernden Schulden von ÖBB und Asfinag die Notbremse zu ziehen. Insbesondere die Haftungen für die steigenden Verbindlichkeiten der beiden Unternehmen bereiten den Finanzern Kopfschmerzen: Zusammengenommen betragen diese bereits zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dies gefährde das Stabilitätsprogramm 2013 zur Sanierung der öffentlichen Haushalte, heißt es im Finanzministerium.

Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) stellt deshalb einen Gesetzesentwurf für öffentliche Haftungsobergrenzen für Asfinag und ÖBB in Aussicht. Dafür müssten die jährlichen Ausgaben beim Straßenbau von 1,68 Milliarden Euro auf unter eine Milliarde zurückgefahren werden. Bei der Bahn fehlt für eine ähnliche Kürzung die Zustimmung des Verkehrsministeriums. Das Bahnhof- und Streckenausbauprogramm sei abzuarbeiten, heißt es dort.

Eine gesundere Verschuldungsstruktur bei Asfinag und ÖBB ist nicht einfach zu erreichen, vor allem weil in der Krise die Einnahmen in beiden Unternehmen gesunken sind. Bei den ÖBB machen die Zinsen mittlerweile 420 Millionen Euro aus; bei der Asfinag wird der Zinsendienst auf 440 Millionen Euro im Jahr geschätzt.

Dennoch hält es das ÖBB-Management laut Lopatka für möglich, dass "Schulden künftig aus Erträgen beglichen werden" könnten. 

***

Wien - Dem Finanzministerium ist die Anhäufung von Milliardenschulden außerhalb des Budgets offenbar nicht mehr geheuer. Insbesondere die Haftungen für die exponentiell steigenden Verbindlichkeiten von ÖBB und Asfinag bereiten Sorgen. Sie sind - auch wegen der im Bahn- und Straßenbau üblichen massiven Baukostenüberschreitungen - im Volumen von bald zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts mit dem Stabilitätsprogramm 2013 zur Sanierung der öffentlichen Haushalte schlicht nicht kompatibel.

Im Budgetausschuss stellte Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) besorgten Abgeordneten der Opposition vergangene Woche "Obergrenzen für Haftungsübernahmen bei ÖBB und Asfinag" in Aussicht. Zudem teilte er mit, dass "das ÖBB-Management es sogar für möglich halte, Schulden künftig aus Erträgen zu begleichen", wie in der Parlamentskorrespondenz vermerkt wurde.

26 Milliarden Schulden

Wie Letzteres funktionieren soll, sagte Lopatka nicht. Denn die ÖBB verdient kaum ihren Anteil der jährlich rund 420 Mio. Euro Zinsen des auf mehr als 14,6 Milliarden Euro angewachsenen Schuldenbergs. 70 Prozent der Annuitäten zahlt die Republik.

Auch in der Asfinag steigt angesichts der um gut 130 Mio. Euro geschrumpften Mauteinnahmen der Druck, wenn die aktuell 11,3 Mrd. Euro Verbindlichkeiten massiv steigen. Bei vier Prozent Verzinsung beträgt allein der Zinsendienst 440 Mio. Euro pro Jahr. Konjunkturpakete und Baukostenüberschreitungen ließen die fiktive Verschuldungsdauer seit März von 56 auf 70 Jahre steigen. Nun soll, erfuhr der Standard in Regierungskreisen, im "Stabilitätsprogramm 2013" ein Deckel eingezogen werden: Der Abbau der fiktiven Asfinag-Verschuldung soll "deutlich unter 50 Jahre" gedrückt werden, idealerweise auf 40. Dafür müssten die jährlich bis zu 1,68 Mrd. Euro Investitionen auf unter eine Milliarde zurückgefahren werden.

Im Finanzministerium will man zum Sparkurs nichts sagen. Ein Sprecher verweist allerdings auf einen bis Mai geplanten Gesetzesentwurf, mit dem Haftungsobergrenzen für alle Gebietskörperschaften eingeführt werden sollen. Die Haftungslimits sollen "Kärntner Zustände" hintanhalten, auch bei ÖBB und Asfinag.

Streichkonzert steht bevor

Diskussionen mit Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) sind somit programmiert. Sie hat bereits eine Arbeitsgruppe, die das Streichkonzert beim Autobahnbau dirigiert. Ergebnisse sind laut Insidern aber nicht vor Herbst zu erwarten, stehen doch in Wien, Niederösterreich und der Steiermark Wahlen an. Das Schuldenlimit für die Bahn betreffend signalisiert das Verkehrsressort freilich keine Gesprächsbereitschaft. Das Bahnhofs- und Streckenausbauprogramm sei abzuarbeiten.

Konkreter sind hingegen anstehende ÖBB-Personalrochaden. Für den seit einem Jahr vakanten Posten des Personenverkehr-Finanzchefs (statt Josef Halbmayr) will man Ende Februar noch einmal ÖBB-Strategie-Chef Andreas Fuchs ins Rennen schicken. Er war zwar im November bei ÖVP-Kapitalvertretern und Betriebsräten abgeblitzt (Fuchs war mangels Bewerbung nicht auf der Shortlist der Headhunter-Gruppe Egon Zehnder International), die Personalvertreter hätten nun aber Zustimmung signalisiert.

Gefunden scheint auch ein Posten für den am ÖVP-Widerstand gescheiterten Günther Hek. Der ÖBB-Rechnungswesen-Chef kann zwar nicht Personenverkehr-Finanzchef werden (wo er bestgereiht ist), aber immerhin zweiter Geschäftsführer der Werkstätten-Tochter Technische Services.

Aussichten auf einen standesgemäßen Posten hat endlich auch Ex-ÖBB-Personalchef Franz Nigl. Er hat zwar weder bei Post noch Telekom einen internen Arbeitsmarkt für unkündbare Beamte installiert, gilt aber - trotz illegaler Speicherung von Krankendaten - als Favorit für den Posten des Personalchef der gelben Post. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 15.2.2010)

Kommentar posten
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10
16.2.2010, 01:08

Sehr geehrte Frau Ungerboeck!

Ihre Artikel sind wirklich informativ und in Ö. einzigartig.

Daher ist es unverständlich, dass diese unter dem nicht direkt zugänglichen Link:

› Wirtschaft ›Unternehmen › Bahn › ÖBB

versteckt werden.

EN ISO 9000
 
10
16.2.2010, 00:30

Fazit: Der Vorstoß von Lopatka ist durchaus zu begrüßen. Nur verhindert ein sinnvoller Haftungsrahmen keine unsinnigen Autobahnen. Das überholte Bauprogramm aus Forstinger-Zeiten müsste dringend ausgemistet werden.

Doch BM Bures sowie die SPÖ sind denk- und lernresistent und empfehlen Hrn. Lopatka Nachhilfe fürs Schuldenmachen.

http://derstandard.at/126585229... ldenmachen

Also, bauen wir eine zweite Autobahn nach Bratislava (mein absolutes Lieblingsprojekt S8), lassen wir Löcher graben und Steine klopfen, damit Banken und Bauindustrielle mehr verdienen.

Bravo SPÖ, sehr innovativ, sehr griechenländisch - Autobahnen statt Bildung.

Gogo Hagi
00
15.2.2010, 18:15
warum dann Koralmtunnel ?

Kärnten hat durch die Hypo bereits genug Geld verschlugen. Irgend einen Aufhänger wird man schon finden, um diesen Unsinnsbau zu stoppen, so hoffe ich.

aylano
10
15.2.2010, 18:05
Uii, verdammt. Schon wieder tritt meine Befürchtung ein.

Klar war immer schon (na ja, nur für wenige), dass die Schulden-Regierung eben keine Schulden der ÖBB mehr übernehmen kann, so wie es 2004 oder 2005 war.

Die Asfinag ist ja weniger das Problem, da muss man nur die Freunderln-Autobahnen A22 & A23-Verlängerung sowie S2-Ringslücken streichen, die eh überhaupt nichts bringen, außer ein Geld-fluss zur Häupl-Pröll-Achse

Aber bei der ÖBB wirds schwieriger.
Die Koralmbahn kann man schwer stoppen, da schon 1,0+ Mrd. Euro verbaut bzw. vertraglich gesichert wurde

Sonst muss man das Netz Kaputt sparen, indem man das Bestandsnetz nicht ausbaut/modernisiert (=Stillstand in der Technik -> siehe veraltetes Nebennetz was eben aufgrund der Unwirtschaftlichkeit zu Stilllegungen führt)

90er kommen wieder

luke skywalker
02
15.2.2010, 19:46
Warum kann man die Koralm nicht stoppen


besser es wurde nur 1+ Mrd im Berg vergraben als deren 8

C. J.
00
16.2.2010, 19:33

Weil man von 7 "gesparten" vermutlich ein paar als Strafe abzahlen darf und das ist dann pure Geldvernichtung.

luke skywalker
00
16.2.2010, 20:17
Na dann hat mit mit 2Mrd Strafe die Bauwirtschaft unterstützt


ohne dass die einen Finger krümmen muss.
Das ganze ist ohnehin zu 95%
Bauwirtschaftsunterstützungsprojekt

Aber dem Staat bleiben trotzdem noch Mrd erspart - was die Kleinigkeit von so um die 1000€ pro Arbeitendem Menschen in Ö ausmacht.

C. J.
00
16.2.2010, 22:34

Mir sind 8 verschwendete Milliarden die etwas bringen lieber, als 4 verschwendete Milliarden die in den Sand gesetzt wurden.

Und nach dem Brennerbasistunnel ist der Koralmtunnel ein Schnäppchen.

aylano
11
15.2.2010, 21:50
Sicher kann man die Bauarbeiten stoppen.

Aber in der Realität sieht es halt nicht so einfach aus, wenn sehr sehr schwache & naive Minister zu Spielbällen von (Bau)Konzernen werden.

XYZ123
01
15.2.2010, 17:56

Die Eisenbahn sollte weniger Geld für neue Bahnhöfe, dafür mehr für flächendeckenden Betrieb der Linien ausgeben. Das würde nämlich Fahrgäste und Arbeitsplätze gleichermassen bringen.
Kein Mensch fährt mit der Bahn weil der Bahnhof schön ist .....

ja aber
01
15.2.2010, 17:45
bei politposten wird nicht gekuerzt

eh wurscht brennt eh der steuerzahler. unqualifizierte politiker zum ams und nicht als vorstand von staatsunternehmen!!!

gaisbock
00
15.2.2010, 16:37
vielleicht

könnte man z.b. die sinnlose maschendraht-einzäunung der autobahngrundstücke (zumindest hier in vorarlberg geschieht dies nun schon seit jahren) einstellen. aber da wird schon wieder eine firma aus blau/orangen zeiten mitschneiden.

zk25_1
01
15.2.2010, 18:22
Wildschutz

kostet eben was.

01052004
01
15.2.2010, 16:02
na toll

schulden enden nie, deren abbau unmöglich scheint.

aber wenigstens geht bei den perosonalrochaden was weiter: wie üblich haben die absoluten loser die nase ganz vorn...

von einem gut bezahlten loser-pöstchen zum nächsten. und dort kräftig weiter alles ruinieren...

weils eh wurscht ist: den ganzen murks darf der liebe steuerzahler blechen (da ein bisserl mehr mehrwertsteuer, dort ein bisserl mehr arbeiten fürs gleiche geld)...könnt uns ja glatt noch geld übrigbleiben zum alleinberantwortlichen konsum...und das darf ja nicht sein, oder???

didi111
02
15.2.2010, 15:35
Eine ehrlich gemeinte Aussage des BZÖs am Rosenmontag..


Da meint der Kärntner Panda-Bär Bucher zur aktuellen Problematik, er, der Sepp, warne vor griechischen Verhältnissen...

..und vergisst dabei geflissentlich, daß einer der Dümmsten aus ihren eEihen, ein gewisser Gorbach ua. gemeinsam mit Haider für das Miiliardendesaster KORALMTUNNEL waren.

http://www.ots.at/presseaus... verhindern

Die BZÖler sind wirklich eine schlichte Truppen...

derfalke
72
15.2.2010, 15:30
Wichtig ist, dass der Koralmtunnel und der Semmeringtunnel

schnell und zügig gebaut werden.

Die europäische Schnellbahntrasse Danzig - Wien - Bolognia ist für die Zukunft Österreichs von ganz überragender Bedeutung.

Notfalls sollte man die erforderlichen Gelder beim Skylink und beim Wiener U-Bahnbau einsparen.

ja aber
12
15.2.2010, 17:43
den koralmtunnel brauch ekin schwein

billiger ueber die k&k trasse slowenien nach bolognia. dafuer gibts sicher auch eu-foerderungen.

Mahnende Stimme
11
15.2.2010, 16:33

Sie vergleichen wieder mal Äpfel mit Birnen.......

Skaidi
01
15.2.2010, 15:18
Wenn "Mobilität" unleistbar wird ...

Durch geringe Erdölpreise erschien die Mobilität und der Transport bisher gesichert. Jeder konnte praktisch überall hinkommen und alles überall hintransportieren. JEDOCH: Als der Erdölpreis auf 70 USD pro Faß anstieg ... http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... li_2008.29 ... ist es in Folge vielen übel ergangen! Wir haben die Konsequenzen in A bisher nur bedingt gespürt, aber - der Zeitpunkt ist nicht mehr fern - die Mobilität wird uns so teuer zu stehen kommen, daß wir uns Alternativen überlegen müssen. Je früher, desto besser! Es müssen die Siedlungsstrukturen so angepaßt werden, daß fast alle Wege zufuß und per Fahrrad zu schaffen sind ... und die "ferngereiste" Banane wird evtl. unleistbar werden.

Ivan Bukov
01
15.2.2010, 17:29

Wem ist es uebel ergangen?
Rechnen koennen sie?

Dann empfehle ich ihnen sich mal auszurechnen welchen Anteil der Betriebskosten bei Auto oder Motorrad der Oelpreis hat!
Natuerlich wird der Neupreis der Autos steigen wenn der Oelpreis steigt aber dies ist verhaeltnismaessig wenig (ausserdem fahren bereits 4 Millionen produzierte Autos rum)
auch schauen sie sich bitte an wieviel sich der oesterreichische Haushalt beim Kauf eines anderen PKW ersparen koennte (z.b. eines Kleineren oder Gebrauchten)

Skaidi
01
15.2.2010, 20:10
Wenn der Öl-Preis steigt, steigen viele Preise, auch für Lebensmittel!

Sie dürfen nicht nur an die Autos und deren "Benzindurst" denken! Der Ölpreis und seine Steigerung hat weitreichende Konsequenzen:

http://en.wikipedia.org/wiki/2007... ice_crisis

Alle Produkte, die direkt oder indirekt vom Öl(preis) abhängen, werden teurer. Hat man ein "Geldpolster", um solche Auswirkungen abzufangen, OK, hat man kein's, wird's grindig. Es gab in vielen Ländern schon Aufruhr, weil die Leut sich plötzlich nicht mehr genug Lebensmittel kaufen konnten! Das ist nicht zum Lachen!

Wir sollten vorausschauend denken und unsere Abhängigkeit vom Öl stufenweise und so schnell wie möglich reduzieren. Strukturen, die zum Autofahren zwingen, gehören darum rasch geändert.

Ivan Bukov
00
15.2.2010, 21:45

Das reduziert sich von selbst sobald der Preis steigt. D.h. Leute werden Substituieren. Das Oel geht ja nicht einfach so von heute auf morgen aus.

Skaidi
00
16.2.2010, 07:50
Zum Glück geht das Öl nicht von heute auf morgen verloren ...

... d.h. wir wissen, was auf uns zukommt. Wenn wir schlau sind, planen wir schon heute und nehmen entsprechende Veränderungen vor. Weiterer Ausbau von Straßen scheint mir keine sinnvolle Maßnahme zu sein!

Ich hoffe selbst auch, daß der Übergang auf andere Technologien sanft vollzogen wird, aber das ist m.E. nicht gesichert, weil hinter dem weltweiten Wachstum (man denke nur an China und Indien) ein Beschleunigungseffekt wirkt. Dort werden Ressourcen "angesaugt" und gebunden, es ist unvorstellbar. Wir können es ihnen nicht verübeln, waren doch wir bisher "up front", was das betrifft ... Ich glaube nicht mehr ans endlose Wachstum, das wird die Erde nicht hergeben. "Vernünftiges" Leben wird aber immer möglich sein ...

Fritz Gurgiser
02
15.2.2010, 14:43
Der ASFINAG-Schuldenstand ist das Spiegelbild

der Wünsche der Landesfürsten - da ein Tunnel, dort eine Abfahrt, da eine Spange, dort eine Verbreiterung. So geht es seit Jahren und Jahrzehnten und anscheinend hat noch niemand kapiert, dass die Zeit der Wiederaufbauphase längst vorbei ist. Die Republik Österreich hat Straßen-, Schienen-, Tunnel- und Umfahrungskilometer genug. Nicht unsere Mobilität ist höchst gefährdet, sondern unsere Arbeitsplätze vor allem in den Produktionsbetrieben, die auf der vom Steuerzahler bestens errichteten Infrastrukur (Straße/Schiene) wie der Blitz ausgelagert werden. Die Länder wünschen, die ASFINAG baut und wir Steuerzahler brennen und haften noch 5 Generationen. Können wir uns das leisten? MFG, Fritz Gurgiser

black jack
01
15.2.2010, 15:07

Naja, die Bahn fährt bis auf Teile der Westbahn noch immer auf den Gleisen der Monarchie; Und die Erneuerung der Westbahn zieht sich seit dreißig Jahren.

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