Wege durch den Titel-Dschungel

Eva Tinsobin, 17. Februar 2010, 16:48
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    foto: apa/patrick pleul

    Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen? Könnte auf Titel zutreffen.

  • Titel-Übersicht des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung.

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    foto: heinz kasparovsky

    In seinem Buch „Titel in Österreich" gibt Heinz Kasparovsky einen Überblick zu den rund 900 akademischen Graden und Titeln, Ausbildungs- und Berufsbezeichnungen, Berufs- und Amtstiteln, Standesbezeichnungen oder Titeln von Religionsgemeinschaften.

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    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Auch Kinder brauchen Titel: Viele kleine 'Magister / Magistra universitatis iuvenum' an der Wiener Kinderuni.

Rund 900 Titel und Grade sind in Österreich erfasst - mit Überblick zum Download

Wer sich nach dem Bachelor für die Fortsetzung des Studiums entscheidet, landet nicht automatisch beim Master. Nach wie vor schließen Studien mit Magister oder Diplom-Ingenieur ab.

"Das echte Doktoratsstudium kommt erst danach"

Ein eigenes Thema ist der Doktor der Medizin: "Der Dr.med.univ.-Titel bleibt, obwohl der Rang dem Mastergrad entspricht", erklärt Heinz Kasparovsky, Abteilungsleiter für Internationales Hochschulrecht im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung sowie Leiter des Informationsbüros für akademische Anerkennung (ENIC NARIC AUSTRIA).
"Das echte Doktoratsstudium kommt erst danach und ist das Doktorat der medizinischen Wissenschaft." Die Anwendung der Bologna-Struktur ist mit der UG Novelle 2009 nun auch für das Humanmedizin-Studium möglich. Für das Humanmedizin-Studium, das zum Arzt führt, wird es allerdings keine Verleihung des Bachelors geben. Der Bachelor kann zum Beispiel für Kombinationsstudien wie Medizintechnik verliehen werden.

Magister beliebt Magister

Wer bereits Akademiker ist, kann sich seinen Magister oder Master zu Beginn bzw. Ende des Namens nicht aussuchen. "Einen ‚alten' Titel kann man nicht umändern lassen. Der Aufwand und die Unsicherheit, bei jeder Systemänderung tausende Titel umschreiben zu müssen, ist zu hoch", weiß Kasparovsky. In seinem Buch "Titel in Österreich" vermittelt er einen Überblick zu den rund 900 akademischen Graden und Titeln, Ausbildungs- und Berufsbezeichnungen, Berufs- und Amtstiteln, Standesbezeichnungen oder Titeln von Religionsgemeinschaften.

Baustelle in drei Systemen

Ist das Titel-System in Österreich eine Baustelle? Der Ministerialrat antwortet mit einem klaren "Ja", da die Universitäten nicht nur im Rahmen von zwei, sondern gar von drei Systemen operierten und auch flexibel bleiben müssten.
So wurde das traditionelle Diplomsystem von einem ersten Bologna-Versuch abgelöst, der die deutschsprachige Bezeichnung Bakkalaureus etablierte. "Da dieser Titel international missverständlich gewirkt hat, bestimmte das Gesetz, das deutschsprachige Bakkalaureus-Zwischensystem durch das englischsprachige internationale System abzulösen."

Kein "way of no return"

Österreich habe sich für einen fließenden Übergang von Prä-Bologna zu Bologna entschieden, erklärt Kasparovsky. Seit der Gesetzesnovelle im Herbst 2009 kann jede Universität für sich selbst bestimmen, ob und wann sie auf die international gebräuchlichen Bezeichnungen umsteigen möchte.

Auch in die Zusätze hinter den Bachelor- oder Mastergraden entscheiden die Universitäten autonom. Der Ministerialrat: "Unbekannte Zusätze bringen international rein gar nichts." Weshalb eine Empfehlung der Universitätenkonferenz den Universitäten nahe legt, die international gängigen Zusätze beizubehalten bzw. auf solche umzusteigen. Die Entscheidung sei allerdings, dank der Flexibilität des Bologna-Prozesses, kein "way of no return" und könne jederzeit wieder geändert werden.

Transparenz mit dem "Diploma Supplement"

Zur internationalen Förderung der Transparenz in der Hochschulbildung und zur Erleichterung der akademischen und beruflichen Anerkennung findet sich im "Diploma Supplement" ein brauchbares Instrument. Der Anhang zum Diplom ist ähnlich einem Reisepass genormt und informiert staatenübergreifend über den internationalen Status des jeweiligen Ausbildungsgrades. Heinz Kasparovsky: "Egal, wie ein akademischer Grad heißen mag, mit dem Diploma Supplement habe ich den Überblick zum jeweiligen Titel." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 18. 2. 2010)

Info

Der Bologna-Prozess soll als Instrument zur Umsetzung eines Europäischen Hochschulraums zur Europäisierung und Internationalisierung des tertiären Bildungssektors beitragen. Im Zentrum steht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Bildungseinrichtungen im europäischen und globalen Kontext durch die Förderung der Mobiltät von Studierenden, Lehrenden und des wissenschaftlichen Personals.

Weblinks

Überblick akademische Grade

Tagesaktueller Überblick über Studien, Studiendauer und akademische Grade

ENIC NARIC AUSTRIA, offizielle Anlauf- und Kontaktstelle für alle grenzüberschreitenden Anerkennungsfragen im Hochschulbereich

Diploma Supplement

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Doris Altmann
12
18.2.2010, 12:40
Es heißt nicht "akadem. Titel", sondern "akadem. GRADE"!

Prof. Fritz Muliar zum Beispiel, der hat einen (Berufs-)TITEL.
Der Irrtum zeugt von Unverständnis (meist von jenen die selbst eben keine akadem. Ausbildung haben).

scubaman
40
18.2.2010, 12:09
Aja, ncohwas

ganz besonders peinlich finde ich die Typen, welche ihren Mag/DI-Titel beim XING eintragen. Das deswegen, da man beim (ursprünglich deutschen) Xing bei den Benutzerdaten nur den "Dr." als Titel auswählen kann. So helfen sich die Mag/DI-Besitzer dadurch, dass sie ihren Titel im (Nach-)Namensfeld miteintragen, so dass er dann bei den Kontaktübersichten dennoch aufscheint.

(Klingt konfus - ist aber so ;) )

samba cat
03
18.2.2010, 18:18
auskenner?

es gibt bei xing dezidiert ein feld "akademischer abschluss". wer xing als businessplattform sieht, schiesst sich selber ins knie, wenn er dort justament einen grad nicht angibt. aber jeder wie er mag.

scubaman
41
19.2.2010, 10:45
Richtig

aber dieser scheint nicht als "Namensbestandteil" auf - und das ist ein paar Experten zu wenig. Deswegen die o.a. "Tweakerei"

EuroExpert
21
18.2.2010, 14:17
naja

das dann der dr. dem mag. überbewertet ist ist ja auch nicht richtig und entpricht oft nicht der realität. ein mmag oder mag mit llm ist ja wenn wir ehrlich sind oft einiges mehr wert als irgendein dr.
deshalb weg mit die titel und fertig. es zählt in wirklichkeit eh nur die rolle und funktion !

RS69
 
10
20.4.2012, 22:34

"das dann der dr. dem mag. überbewertet ist ist ja auch nicht richtig"

Das kostet nur einen Lacher.

Doris Altmann
02
18.2.2010, 12:45

Welchen akadem. Grad hast Du erworben?

scubaman
30
18.2.2010, 13:34

(u.a.) einen Mag - käme aber nie auf die Idee, irgendwelche Namens-Formulare zu tweaken, nur damit der Titel aufscheint

fadelini
02
18.2.2010, 13:07

Spin-Dr

scubaman
10
18.2.2010, 13:34

:P Danke, ganz lieb ;)

scubaman
00
18.2.2010, 11:57
Mein Lieblingstitel

"MMedScAA" - 'könnens das bitte buchstabieren?'

lg
scubaman,
welcher durch das Bologna die furchtbare Kombination
"Mag.rer.soc.oec Scubi Scubaman Bakk.rer.soc.oec" auf's Auge gedrückt bekommen hat

beos
00
18.2.2010, 14:04

lass mich raten: Das wurde in Graz auf der Sowi "verliehen" ? also warum nicht ich mag die lateinischen Bezeichnungen lieber, besser als MA, MSc in Soziologie, Bwl,VWL....

scubaman
00
18.2.2010, 15:43
Na

auf der TU Wien.
Das Problem, dass ich damit habe ist Bologna-bedingt: Man würde meinen, wenn man in einem Studium den Magister fertig hat, wird der Bakkaleaurus abgelöst - sprich: man hat dann nur noch "Magister". Denkste, wurde von der Studienabteilung aufgeklärt, dass der Bakk ja als Studienabschluss gilt und dieser somit - unabhängig von weiteren Abschlüssen, geführt wird. Saämtliche Schreiben von der TU, aber auch das aktuelle Semesterpickerl hat diese Wust an Titeln. Strange.

beos
00
18.2.2010, 17:59

Interessant einen MAgister, Bakk der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an einer technischen Uni.. Darf ich fragen was du studiert hast...?

Übrigens besonders lustig wirds, wenn du innerhalb Österreich die Uni wechselst. Da wird der ganze Spaß nämlich auch auf den Uni ausweis gedruckt! Bzw. so halb weil sich nicht alle Endungen ganz ausgehen *G*

scubaman
00
19.2.2010, 10:51
Informatikmanagement

(Zweitstudium, nicht wirklich ein Hit)

randolf
01
18.2.2010, 09:42
Ja ja

Hmm. Dürfen sich die Master Abschlüsse international gesehen auch He-Man nennen?

Ing. He-Man Klausi Bergezertrümmerer Master of the Universe

Roter Baron
20
18.2.2010, 09:08
land der titel und scheine

>Auch Kinder brauchen Titel:<
a jammer die nächste generation
wird auch schon versaut.

ich kenn soviele unbrauchbare pflaumen mit titel
die können auch nur hierzulande leben.


roter baron
(dieser titel ist ererbt ;-)

Sherlock85
01
28.2.2010, 00:42

Genau, und alle Leute mit Titel sind Pflaumen ...

Neidisch?

el ka
04
18.2.2010, 07:59

mir fehlt der master of desaster ;)

NegR h.c.
00
17.2.2010, 20:35

3.Auflage 2008, dzt. vergriffen?
Frau (p.t.) Tinsobin - ist das Ihr Begriff von "aktueller Buchempfehlung"?

Ich hoff', dass mich Kasparovsky wenigstens zitiert hat.:D

Cecewolf
17
17.2.2010, 19:44
I Mag. DI.(FH)

da big R
01
18.2.2010, 14:37

Ich Mag. Ute Fabel nicht

(falls die fast-Juristin noch jemand kennt)

scubaman
01
18.2.2010, 11:54
Klammerakademiker

;)

aber geh ;-)
01
18.2.2010, 11:22

FH im klassischen sinne für: fast halt?

Roter Baron
00
18.2.2010, 09:11

....najaaa......
(FH) ist aber schon die billige variante.....
;-)

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