Rund 900 Titel und Grade sind in Österreich erfasst - mit Überblick zum Download
Wer sich nach dem Bachelor für die Fortsetzung des Studiums entscheidet, landet nicht automatisch beim Master. Nach wie vor schließen Studien mit Magister oder Diplom-Ingenieur ab.
"Das echte Doktoratsstudium kommt erst danach"
Ein eigenes Thema ist der Doktor der Medizin: "Der Dr.med.univ.-Titel bleibt, obwohl der Rang dem Mastergrad entspricht", erklärt Heinz Kasparovsky, Abteilungsleiter für Internationales Hochschulrecht im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung sowie Leiter des Informationsbüros für akademische Anerkennung (ENIC NARIC AUSTRIA).
"Das echte Doktoratsstudium kommt erst danach und ist das Doktorat der medizinischen Wissenschaft." Die Anwendung der Bologna-Struktur ist mit der UG Novelle 2009 nun auch für das Humanmedizin-Studium möglich. Für das Humanmedizin-Studium, das zum Arzt führt, wird es allerdings keine Verleihung des Bachelors geben. Der Bachelor kann zum Beispiel für Kombinationsstudien wie Medizintechnik verliehen werden.
Magister beliebt Magister
Wer bereits Akademiker ist, kann sich seinen Magister oder Master zu Beginn bzw. Ende des Namens nicht aussuchen. "Einen ‚alten' Titel kann man nicht umändern lassen. Der Aufwand und die Unsicherheit, bei jeder Systemänderung tausende Titel umschreiben zu müssen, ist zu hoch", weiß Kasparovsky. In seinem Buch "Titel in Österreich" vermittelt er einen Überblick zu den rund 900 akademischen Graden und Titeln, Ausbildungs- und Berufsbezeichnungen, Berufs- und Amtstiteln, Standesbezeichnungen oder Titeln von Religionsgemeinschaften.
Baustelle in drei Systemen
Ist das Titel-System in Österreich eine Baustelle? Der Ministerialrat antwortet mit einem klaren "Ja", da die Universitäten nicht nur im Rahmen von zwei, sondern gar von drei Systemen operierten und auch flexibel bleiben müssten.
So wurde das traditionelle Diplomsystem von einem ersten Bologna-Versuch abgelöst, der die deutschsprachige Bezeichnung Bakkalaureus etablierte. "Da dieser Titel international missverständlich gewirkt hat, bestimmte das Gesetz, das deutschsprachige Bakkalaureus-Zwischensystem durch das englischsprachige internationale System abzulösen."
Kein "way of no return"
Österreich habe sich für einen fließenden Übergang von Prä-Bologna zu Bologna entschieden, erklärt Kasparovsky. Seit der Gesetzesnovelle im Herbst 2009 kann jede Universität für sich selbst bestimmen, ob und wann sie auf die international gebräuchlichen Bezeichnungen umsteigen möchte.
Auch in die Zusätze hinter den Bachelor- oder Mastergraden entscheiden die Universitäten autonom. Der Ministerialrat: "Unbekannte Zusätze bringen international rein gar nichts." Weshalb eine Empfehlung der Universitätenkonferenz den Universitäten nahe legt, die international gängigen Zusätze beizubehalten bzw. auf solche umzusteigen. Die Entscheidung sei allerdings, dank der Flexibilität des Bologna-Prozesses, kein "way of no return" und könne jederzeit wieder geändert werden.
Transparenz mit dem "Diploma Supplement"
Zur internationalen Förderung der Transparenz in der Hochschulbildung und zur Erleichterung der akademischen und beruflichen Anerkennung findet sich im "Diploma Supplement" ein brauchbares Instrument. Der Anhang zum Diplom ist ähnlich einem Reisepass genormt und informiert staatenübergreifend über den internationalen Status des jeweiligen Ausbildungsgrades. Heinz Kasparovsky: "Egal, wie ein akademischer Grad heißen mag, mit dem Diploma Supplement habe ich den Überblick zum jeweiligen Titel." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 18. 2. 2010)