Nanotechnologie

Schöner, stabiler, schmackhafter

Maria Kapeller, 17. Februar 2010, 17:02
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    foto: ap/eckehard schulz

    Rund 80 durch Nanotechnologie modifizierte Lebensmittel oder Lebensmittel-nahe Produkte gibt es Schätzungen zufolge auf der Welt. Emmerich Berghofer erzählt etwa von einem Nano-Joghurt in Japan. (Symbolbild)

Die Nanotechnologie will jetzt auch die Lebensmittelindustrie erobern - Ob Nanopartikel im Essen schädlich sind, muss aber erst erforscht werden

Britische Wissenschaftler warnen vor dem Einsatz von Nanotechnologie in Lebensmitteln, wie die Nachrichtenagentur Reuters unlängst berichtete. In den nächsten Jahrzehnten würden zwar immer häufiger Nanopartikel in Nahrungsmitteln und Lebensmittel-Verpackungen verwendet, über die Risiken wisse man aber noch zu wenig. Was aber sind Nanopartikel und wie werden sie eingesetzt? Und vor allem: Können sie dem Menschen Schaden zufügen?

Vorweg: Nanopartikel sind Teilchen, die kleiner als 100 Nanometer sind. Besser vorstellen kann man sich das so: Sie sind Millionstel Millimeter winzig, mehrere Tausendmal kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Nanostrukturen an sich sind noch nichts Innovatives, wie Emmerich Berghofer, Leiter des Instituts für Lebensmitteltechnologie an der BOKU (Universität für Bodenkultur) in Wien gegenüber derStandard.at erklärt: "Der Mensch selbst besteht aus natürlichen Nanostrukturen, auch Lebensmittel, zum Beispiel Stärke, Proteine und alle Polymere sind im Prinzip Nanostrukturen." Der Unterschied steckt im Detail: Der Innovationscharakter kommt erst dazu, wenn die Rede von Nanotechnologie ist, also gezielt Nanostrukturen erzeugt werden. Das kann auf zwei Arten geschehen: Erstens "von unten", wenn Moleküle und Atome strukturmäßig angeordnet werden, so dass Nanopartikel entstehen. Zweitens "von oben", wenn große Partikel zerteilt und so zu Nanoteilchen werden.

Forschung noch in den Kinderschuhen

Die Forschung über den Einsatz von Nanopartikel zur Verbesserung von Lebensmitteln steckt noch in den Kinderschuhen. "Es geht darum, Lebensmittel in irgendeiner Form zu verändern und dadurch Vorteile zu erreichen", erklärt Berghofer. Ein Beispiel: Um eine Emulsion herzustellen, wird üblicherweise Fett fein zerkleinert und anschließend in der Wasserphase emulgiert. Es entstehen Tröpfchen, wobei die feinsten durchaus im Nanobereich liegen. "Wenn man gezielt weiter alle Fetttröpfchen in den Nanobereich hineinbringt, entsteht eine Nanoemulsion, die bestimmte Vorteile haben kann", erklärt Berghofer. Sie könnte durchsichtig sein statt trüb. Durch die größere Oberfläche kann das Fett leichter verdaut werden. Oder die Stabilität ist besser und man braucht weniger Zusatzstoffe. Kurz gesagt: Es geht darum, Lebensmittel schöner, stabiler, gesünder, geschmacksintensiver, kalorienarmer oder länger haltbar zu machen.

Österreich: derzeit nur in Verpackungen

Hier sei aber gesagt: Es existieren derzeit noch keine Produkte dieser Art, zumindest nicht in Österreich. Schätzungen zufolge gibt es derzeit weltweit rund 80 durch Nanotechnologie modifizierte Lebensmittel oder Lebensmittel-nahe Produkte wie etwa Verpackungen. Zwei dieser 80 Produkte seien derzeit in Großbritannien erhältlich, berichtet Reuters. Lebensmitteltechniker Berghofer erzählt von einem Anti-Aging-Joghurt in Japan, das Nahrungsergänzungsmittel in Form von nanokolloidalem Platin enthält. "In Österreich werden Nanopartikel momentan nur in Verpackungen von Lebensmitteln eingesetzt, und auch hier nur ansatzweise", weiß der Wissenschaftler. Verpackungen lassen sich etwa mit Nanosilber beschichten, um Lebensmittel besser vor dem Verderben zu schützen.

Frische-Sensoren als Klebeetikett

An der Fachhochschule Wiener Neustadt haben Forscher vor rund zwei Jahren "Lebensmittel-Frische-Sensoren" entwickelt. Sie könnten beispielsweise in Form eines Klebeetiketts per Farbe anzeigen, ob ein Lebensmittel noch frisch oder nicht mehr genießbar ist. Das Produkt ist jedoch noch nicht marktreif. An der FH distanziert man sich vorerst davon, mit Nanopartikeln direkt in Lebensmitteln zu experimentieren. "Weil noch Studien ausständig sind, die die Harmlosigkeit oder Gefährlichkeit bestätigen", erklärt Roland Palkovits vom Fachbereich Mikrosystemtechnik.

Keine Kennzeichnungspflicht

Derzeit werden in der EU gesetzliche Grundlagen geschaffen, um die Verwendung von Nanostrukturen in Lebensmitteln zulassungspflichtig zu machen, so Berghofer. Bei Zusatzstoffen in Nanoform ist eine Zulassung bereits vorgeschrieben. Eine Kennzeichnungspflicht existiert für "Nano"-Produkte noch nicht, sei aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen.

Unklarheit über mögliche Auswirkungen

Ob der Verzehr von "Nano"-Lebensmitteln nun gefährlich ist, kann man pauschal nicht sagen. Der britische Wissenschaftler Stephen Holgate hat herausgefunden, dass Nanopartikel im Körper Barrieren durchbrechen und ins System, etwa in die Leber, die Nieren oder gar ins Hirn eindringen können, berichtet Reuters. Der Grund dafür: Weil die Partikel derart winzig sind, werden sie im Gegensatz zu größeren körperfremden Teilen in allen Zellen aufgenommen. Was danach geschieht, müsse man in jedem Einzelfall untersuchen, sagt Berghofer. "Was passiert damit im Körper? Können die Partikel im Körper abgebaut werden? Und wenn nicht, wo gehen sie dann hin?" Nanopartikel könnten etwa den Zellkern beschädigen, die Forschung über die möglichen Auswirkungen stehe aber erst in den Anfängen.

Experten warnen zur Vorsicht

Bei einer Tagung der Arbeiterkammer zum Thema Nanotechnologie in Konsumgütern im September 2009 in Salzburg rieten die Experten zu Skepsis. "Bei den Wirkungen der Nanopartikel sind mehr Fragen offen als gelöst", sagte die Chemikerin Susanne Stark vom Verein für Konsumenteninformation. Auch Hans Peter Hutter, Facharzt am Institut für Umwelthygiene Wien, riet zu mehr Forschung in diesem Bereich. Denn: Aus Untersuchungen über Feinstaub oder Dieselruß wisse man, dass ultrafeine Teilchen gesundheitliche Gefahren bergen.

Auch Berghofer verweist auf die bereits bewiesenen Gefahren von Feinstaub und mögliche ähnliche Wirkungen der winzigen Nanoteilchen. Von übertriebener Hysterie hält er nichts - aber ganz ohne Risiko gehe es eben auch nicht. "Das hätten die Konsumenten gerne im Lebensmittel-Bereich. Aber das Null-Risiko wird es auch hier nicht geben." (Maria Kapeller, APA; derStandard.at, 17.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
iohui
00
20.2.2010, 00:43
feinststaub (nanopartikel) gilt als schwer gesundheitsschädlich

wenn er eingeatmet wird, WEIL ER von den atemwegen nicht zurückgehalten wird und über die lunge DIREKT INS BLUT ÜBERGEHT.

welches andere szenario wird erwartet, wenn die partikel nicht eingeatmet sondern gegessen werden und ebenso aufgrund ihrer geringen grösse über das verdauungssystem DIREKT INS BLUT ÜBERGEHEN?

thomas wohlfahrt
00
25.2.2010, 13:11

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my thoughts...
00
22.2.2010, 03:31

geht nicht alles über die verdauerungsorgane absorbierte direkt ins blut und wird, wenn vom körper für ungünstig befunden, primär über die leber gefiltert und über die nieren ausgeschieden?

leonardodavinci1
00
19.2.2010, 00:37

Es sollte doch verboten werden, eine Technologie einzuführen bevor man die Auswirkungen ausreichend erforscht hat.

Auslandswiener
00
19.2.2010, 17:23

wenns so ein verbot gäbe, wären uns chernobyl, solaranlagen mit furchtbaren wirkungsgraden und etliches mehr erspart geblieben.

Ich wär ja nicht nur dafür die anwendung sondern gleich die veröffentlichung einer idee vor beendigung der entwicklung zu verbieten, aber leider haben auch forschungsgruppen konkurenzkampf der nur den mit den meisten patenten, veröffentlichungen und kongressbeiträgen am leben lässt. was da jeweils an wissenschaftlicher substanz dahinter steht können die entscheidenden manager in der product inovation abteilung halt nur selten beurteilen.

Aracni Santini
00
18.2.2010, 16:09
Der neue Waschmittelhype

Wäscht garantiert Nanoflecken! Was in dem Zeug dann drinnen ist, möchte ich gar nicht erst wissen. Kann man das mit herkömmlicher Seife etc. überhaupt noch waschen, abwaschen etc.? Verfärbt sich dann mein Teller? Vielleicht gibt es bald Nahrungsmittel, mit denen wir unsere Hautfarbe verändern können...

Markus D. Hartbauer
 
00
18.2.2010, 14:52
Das bringt die Problematik "Hartberger Bauernquargel" gleich auf einen Level höher ...

wurzen sepp
 
00
18.2.2010, 14:26
ich hatte schon gelegentlich nanopartikel auf meinem teller.

linksrechts
00
18.2.2010, 12:39
warum denn nicht!

einem großteil der nahrungsmittel aus der landwirtschaftsindustrie und manchen küchen (us, gb, nl, d) könnte es zumindest geschmaklich etwas bringen.

C_dur
01
18.2.2010, 12:36
Sollte sich in Studien herausstellen, daß

Nanopartikel schlecht für Organismen jeglicher Art sind, wird halt ein Lobbyist mit einem Koffer voll besonderer Zuckerl in ein brüsseler Büro einreiten und - flux - ist alles wieder gut.
Dazu fällt mir die unselige "Energiesparlampe" ein.

Wir solllten den swarovskischen Ansatz mit den Gemüsekisterln am Balkon nicht unterschätzen.

Kommt Glasstaub in Nanostrukturen vor?

Toerk Hvijed
01
18.2.2010, 12:16

Am Ende gibt es nur die Rote oder die Blaue Pille.

farbwechsel
00
18.2.2010, 10:14

nix da...erst forschen und dann entscheiden!

Nick Knattertoni
01
18.2.2010, 10:11

es gehts darum, das zeug im supermarkt nur billiger und giftiger zu machen.

sterngucker
 
01
18.2.2010, 10:04
Ich freu mich schon auf die Pickerl:

"Garantiert nanofrei"

mieswicht
01
18.2.2010, 09:49
Die Nanotechnologie

Wenn ich das schon höre, als ob es "die" Nanotechnologie gäbe.

quirax
16
18.2.2010, 09:22
Mit Brunnenvergiftern...

... ist man früher nicht gerade zimperlich umgegangen. Anscheinend darf heute jeder an unseren Lebensgrundlagen herumspielen?

Mucosaprolaps
02
18.2.2010, 11:58

Ja, wobei wir Kunden dies auch systematisch fördern.

Die "frisch gebackenen" Brote aus aufgeschäumtem Chemieteig sind offenbar ansprechender als echte Backware mit Sauerteig, kein Wunder, sind ja schön warm und viel billiger. Dass es schon Back-Shops gibt, die künstlich mit Backaroma parfümiert werden, ist da nur logisch.

Gentech? Egal, Hauptsache billig. China benutzt Gentech und sklavenartige Wanderarbeiter und Insektizide, die in Europa seit Jahrzehnten verboten sind - dennoch gibt's immer mehr chinesischen Knoblauch und andere China-Importe zu kaufen.

... und die Konsumenten werden gezielt belogen durch "made in EU" (ja aber wo?), Importeursangabe ohne Herkunftsland usw.

Aracni Santini
10
18.2.2010, 09:58
ja, die Wasserverschmutzung ist auch noch nicht untersucht

und wie das Zeug in Kläranlagen abgebaut wird. Bekommen die Kläranlagen die nötigen Informationen? Und dort, wo es direkt ins Wasser geht... Es gibt da so viele Länder...

Aracni Santini
00
18.2.2010, 16:07
Wer gibt mir da ein rotes Stricherl?

Was vorne rein kommt, muss hinten wieder heraus. Und wird halt in die Natur ausgebracht.

Aracni Santini
12
18.2.2010, 08:54
Diese verharmloste Darstellung ist über die Maßen verantwortungslos!

Jeder der sich mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß, dass man da zuerst Untersuchungen anstellen muss, wie sich diese Dinge auf den Organismus auswirken... Dafür werden jede Menge Versuchstiere verheizt, für etwas, was wir nicht wirklich brauchen. So wie die Gentechnik, die ist überhaupt nicht unter Kontrolle, Wissenschafter, die negatives zu berichten haben werden einfach unterdrückt... Untersuchungen nicht publiziert... Geld regiert die Welt und wir sind die Versuchskaninchen..

Aracni Santini
00
18.2.2010, 08:51
Tolle Strategie

Wie kann man Müll verkaufbar machen. Vielleicht lagert sich Fett in Nanostruktuer besonder gut an, im Fettgewebe und man wird schneller dick davon.. so eine Studie hätte natürlich keinen Zusammenhang, denn die Folgen wären zu lange danach...

Aracni Santini
11
18.2.2010, 08:45
Einsatz auch in Medikamenten?

Werden Nanopartikel auch in Medikamenten eingesetzt, ich habe auf einem Kinderantibiotikasaft gelesen: Titandioxid. Das was man bei den Zahnpasten bemeckert hat, dass sich dieser Stoff im Hirn anlagern kann... Warum wird so etwas nicht besonders gekennzeichnet?

Günther Hase
 
00
18.2.2010, 14:01
Titandioxid

ist per se nicht giftig - es reagiert im Körper nicht sondern dient lediglich als Pigment. Es kommt auf die Teilchengröße an und nicht auf den Chemismus.

Aracni Santini
00
18.2.2010, 16:03
das Problem ist, die Teilchengröße steht auf der Packung nicht darauf

Ich erinnere mich eben an eine Studie, wo das halt als Nanopartikel in Zahncreme und Sonnencreme drinnen ist und als schädlich eingestuft wurde. Wie soll ich jetzt wissen, ob das meinen Kindern schadet oder nicht?

Günther Hase
 
00
19.2.2010, 12:47

Zugegeben, ich kennen die Studien nicht. Allerdings kann ich Sie dahingehen beruhigen, dass es sich bei Titandioxid gemeinhin nicht um "Nanopartikel" handelt. Titandioxid ist das am besten deckende Weißpigment und wird deswegen auch in Zahnpasta und Sonnencreme verwendet. Die Partikelgröße ist meist im zehntel Micrometerbereich oder drüber (also zwei Größenordnungen über "nano"). Verringert man die Partikelgröße weiter, nimmt die Deckkraft ab ... also ich wüsste nicht warum das tun sollte. Abgesehen von dem Aufwand ein so feines Pulver herzustellen.

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