Dalai Lama im Weißen Haus

Freundlichkeit ist Schwäche

12. Februar 2010 18:20

Im 61. Jahr der Staatsgründung gibt China gern den jungen wilden Mann

Bill Clinton hat es getan, die Bushs - Vater und Sohn - haben es getan, und Barack Obama wird es auch tun: eine halbe Stunde Präsidentenzeit für den Dalai Lama im Weißen Haus. Chinas Führer wussten es vorher, und von keinem Geringeren als dem US-Präsidenten selbst. Barack Obama hatte seinen Gesprächspartnern in Peking vergangenen November versichert, dass er keine andere, politisch störendere Linie in der Tibet-Frage verfolgen werde. Dennoch macht die KP-Führung nun großes Theater.

Im 61. Jahr der Staatsgründung gibt China gern den jungen wilden Mann. Tibet und die reflexhaft hervorgestoßenen Drohungen gegen Dalai-Lama-Gastgeber im Westen sind dafür nur ein Beispiel. Geht es um Taiwan, die einzige voll funktionierende chinesische Demokratie auf dem Planeten, trommeln Chinas Staatsvertreter auch sogleich auf ihren Brustkorb. Noch vor ein paar Jahren sind diese Gebärden als Ausdruck der Schwäche, als Überspielen eines Minderwertigkeitsgefühls verstanden worden. Heute geht es um Machtanspruch und Einschüchterung.

Die skandalösen jüngsten Langzeit-Hafturteile gegen Dissidenten, die ungebremste Aufstellung von Kurzstreckenraketen auf dem Festland gegenüber Taiwan, die nach Gusto beginnenden und wieder endenden Scheinverhandlungen mit Emissären des Dalai Lama über eine Autonomie Tibets, die diesen Namen auch verdienen soll - das alles zeigt die egozentrische, einer Öffnung nach innen wie außen grundsätzlich abgeneigte chinesische Führung. Die Welt ist gut und nett, solange sie Chinas "friedlichen Aufstieg" nicht belästigt. Andernfalls wird auf den Putz gehaut, gedroht und getrotzt.

Barack Obama ist in den USA kritisiert worden, weil er aus Rücksicht gegenüber Peking nicht schon früher den Dalai Lama einlud. Die Chinareise des Präsidenten war ohnehin ein Flop. Freundlichkeit wird in Peking als Schwäche verstanden, Prinzipienfestigkeit aber geschluckt. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2010)

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ho-ping-tung-lu
14.02.2010 17:26

die zunehmend größte gefahr für china, ist china selbst. nicht die usa, oder sonstwer von außerhalb ...

ja aber
14.02.2010 13:51
religionen werden jedes regime überleben

ausserdem sind asiaten bei jeder verhandlung freundlich. ist das trotzdem schwäche? nein, sie verfolgen ihre ziele anders.

zimbo
 
14.02.2010 08:51
China ist gross genug sich um solchen Artikel nicht zu scheren, und zu unserem Präsidenten freundlich zu sein.

Was aber ebenfalls kein Zeichen der Schwäche ist.

joergipoergi
14.02.2010 02:53
"Freundlichkeit wird in Peking als Schwäche verstanden"

So ein Schwachsinn!!!

aceFruchtsaft
13.02.2010 22:06

IMO macht sich China zunehmend lächerlich. Sie wissen doch selbst, dass es den Amis am A vorbei geht, ob China gegen das Treffen mit dem Dalai Lama oder gegen den Waffenverkauf an Taiwan ist. Gemacht wird's trotzdem.

Wozu also das peinliche Theater? Vermutlich nur um die heimischen Nationalisten zu bedienen.

beowulf2
 
14.02.2010 16:28

Aus dem gleichen stupiden Grunde wie hier. Um zu zeigen, dass man nicht vor dem Westen kuscht und Rückgrat hat.

Man sieht die Nationalisten auf beiden Seiten sind ähnlich gestrickt. Feiner Unterschied, den Nationalisten hier ist es gar nicht bewusst, das sie welche sind.

beowulf2
 
13.02.2010 21:49

Diese pösen pösen Chinesianer, wollens doch einfach ned vor uns kuschen wies sich gehören würd.

lol

hamstertier
14.02.2010 15:08
an beowulf2

ähm.... es sind aber die "chinesianer", die sämtlichen staatsoberhäuptern vorschreiben wollen, wen selbige treffen dürfen/nicht dürfen -
sprich, es sind die "chinesianer", die sich erwarten, dass die ganze welt vor ihnen kuscht.

beowulf2
 
14.02.2010 16:23
Der Dalai Lama ist der Vorsitzende einer Exilregierung die beansprucht einen großen Teil des chinesischen Staatsgebietes zu vertreten.

Ein politisches Treffen mit ihm, ist ergo eine grobe Einmischung in die inneren Staatsangelegenheiten. Die finanzielle und politische Unterstützung die dem Dalai Lama gewährt wird, könnte sogar als feindliche Handlung ausgelegt werden. In diesem Lichte ist die Reaktion der Chinesen sogar extrem großzügig und zurückhaltend. Für die USA wäre so etwas ein klarer Kriegsgrund.

Die meisten Leute vergessen wer der Dalai Lama ist, welche Ziele er bzw. die Gruppe die er vertritt verfolgt und welchen Zweck diese "Besuche" haben.

Es geht mit Nichten um die "Menschenrechte" oder seine "religiöse" Funktion. Das ich nicht lache. Diese dienen nur als Vorwand.

hamstertier
14.02.2010 21:42
an beowulf2

der DL ist nur spiritueller, nicht politischer führer der exilregierung.
premierminister und somit vorsitzender der exilregierung ist der demokratisch gewählte Lobsang Tenzin, auch Sandhong Rinpoche genannt. er gilt als verfechter des gewaltlosen widerstands gegen die chinesische regierung und strebt eine autonomie nach vorbild honkongs an. er ist demokrat und würde tibet in eine demokratie führen wollen.
gegen diese ziele ist absolut nichts einzuwenden. die tibeter wären mit ihm sicher weit besser dran, als jetzt.
china hat tibet überfallen und es sich unter den nagel gerissen, es wär an der zeit, tibet die autonomie zu geben, die es haben will.

beowulf2
 
15.02.2010 04:01

Praktisch das er eine Reinkarnation und Mönch ist und vom Dalai Lama auserwählt wurde. Aber egal. Ist natürlich absolut Zeitverschwendung, aber ich gehe kurz auf einen genannten Punkt ein. Eine Autonomie nach Vorbild Hongkong werden die Tibeter NICHT bekommen. Warum? Weil die absolute Vertrauensbasis fehlt. Ich würde der KP davon klar abraten, da ich auch die Meinung vertrete, dass die Exiltibeter nach wie vor die Unabhängigkeit anstreben. Aber das weiß die KP eh.

hamstertier
15.02.2010 22:32
an beowulf2

Lobsang Tenzin wurde NICHT vom DL ausgewählt, sondern in einer geheimen, demokratischen wahl zum premier gewählt.
ich würde der chinesischen regierung sehr wohl raten, den tibetern eine autonomie a la hongkong zu geben und den DL mit seiner demokratischen exilregierung an die spitze lassen.
grund: ein zufriedenes volk strebt nicht nach unabhängigkeit, ein zufriedenes volk ist ein friedliches volk.
mit zwang hingegen wird die chin. regierung lediglich erreichen, dass sich die jugend radikalisiert und irgendwann macht's - bumm - das kann ein lauffeuer auslösen, das das ganze reich zersprengt.

mir wär's wurscht, ich bin kein freund der chin. regierung, mir täten nur die leute leid, die dabei ums leben kommen würden.

beowulf2
 
16.02.2010 16:15
Lobsang Tenzin wurde vom Dalai Lama in den 90ern in die Regierung geholt.

Der Vorschlag des Dalai Lamas wurde augenblick von der Regierung Einstimmig angenommen - wie jeder in der Geschichte der tibetischen Exilregierung. Der Dalai Lama hält die absolute Macht. Einerseits aus religiös hierarchischen Gründen, andererseits da er die Identifikationsfigur und das Maskottchen der Free Tibet Bewegung ist. Die Exilregierung ist übrigens eine Exilregierung. Also hat eine rein symbolische Funktion. Ausser sie nennen das Regieren von Dharamsala als eine wirkliche Aufgabe. Ich würde der KP nicht raten Autonomie ala HK zu geben und der Exilregierung die Macht zu übertragen. Das ganze "Reich" zu zersprengen wird übrigens von dieser Truppe und vor allem ihren Unterstützern verfolgt. Nein, schön blöd wäre die KP.

hamstertier
17.02.2010 00:47
an beowulf2

sie verbreiten hier die unwahrheit, bewußt oder aus mangel an information - das wissen nur sie selber.

beowulf2
 
18.02.2010 02:59
Unwahrheiten?

Das der Dalai Lama Lobsang Tenzin in die Regierung holte? Kann man sogar auf Wikipedia nachlesen (und das deutschsprachige Wiki vertritt mit Sicherheit keine Dalai Lama kritische Position. - Diktat der Masse)

Das die Dalai Lama Vorschläge und Entscheidungen noch nie (sic!) abgelehnt wurden? Steht glaub ich sogar direkt so in der letzten Stern Ausgabe über den Dalai Lama. (Die zwei Gesichter des Dalai Lama. Der sanfte Tibeter und sein undemokratisches Regime)

Das der Dalai Lama die Identifikationsfigur und das Maskottchen der Free Tibet Bewegung ist? Ich glaube, dass ist offensichtlich. Sogar für sie.

Das eine Exilregierung eine rein symbolische Funktion hat? (und folglich sehr leicht demokratisch auftreten kann) Na was den sonst?

hamstertier
18.02.2010 22:17
an beowulf2

sie finden sicher auch in wikipedia, dass der DL die tibetische exilregierung demokratisch aufgebaut hat, dass Lobsang Tenzin in geheimer, demokratischer wahl 2001 das erste mal zum premier gewählt worden ist und dass der DL nur mehr das spirituelle oberhaupt sein möchte.
jede partei schlägt seine bundeskanzler/minister/BP vor, das ist nichts unübliches.
die chinesische regierung kann von glück reden, dass der DL noch als identifikationsfigur der tibeter anerkannt wird und dass Lobsang gegen gewalt ist. ist das mal nicht mehr der fall, haben die chinesen sowieso den scherm auf, im wahrsten sinne des wortes.
der DL hat oft genug bewiesen, dass er ein demokrat ist, sein volk will ihn haben, sonst ist dazu nix zu sagen.

beowulf2
 
19.02.2010 03:03
"jede partei schlägt seine bundeskanzler/minister/BP vor, das ist nichts unübliches."

Sie sagen es. Der Dalai Lama IST die Partei.

Die chinesische Regierung wird durch Gewalt nicht bedroht. Die Exiltibeter haben bereits militärische Aktionen mit dem CIA zusammen durchgeführt. Abgesehen davon, dass dadurch viele Menschen auf beiden Seiten getötet wurden, wurde nichts erreicht. Gleiches gilt für März 2008. Ich kann nur für die Tibeter hoffen, dass der Dalai Lama bald - auf natürliche Weise, nicht als Drohung verstehen - stirbt. Der jetzige Dalai Lama hat nichts erreicht und sich vollkommen verkalkuliert (Zusammenbruch Chinas). Er hat sich bereitwillig (wofür ich sogar ein gewisses Verständnis habe) zu einem Tokken im USA-China Konflikt machen lassen und ist in seiner Rolle gefangen. Siehe jetzt wieder Obama Besuch.

MondXicht
14.02.2010 16:40

Naja es ist halt ein klar ethnischer Konflikt, ausländische Einmischung wird da logischerweise als Öl ins Feuer gießen verstanden.

zimbo
 
14.02.2010 08:52
Außerdem breitet sich dort Wohlstand aus, ohne ständige auswärtige Kriege.

Ja sogar der Mittelstand wächst rapide.

FalscherProphet
13.02.2010 23:00
Womöglich ist mir ja etwas an dieser Dalai Lama Sache entgangen,

ABER: Möchte hier nicht viel mehr die chinesische Regierung, dass Tibet kuscht und permanent unterworfen bleibt?

Wo lassen beowulf & co. eigentlich denken?

beowulf2
 
14.02.2010 17:10

Tibet ist chinesisches Staatsgebiet. Um es in ihren Worten zu formulieren, natürlich will die Zentrale, dass die ihr untergeordneten Gebiete sich auch ihr unterordnen, also mehr oder weniger (da China eine Diktatur ist mehr) "kuscht" und "unterwirft".
Das gilt aber weltweit für alle Regierungen. London will auch, dass sich Nord Irland unterwirft und kuscht. Die USA verlangen, dass gleiche von den Indianern und die größte Demokratie der Welt nutzt ihre Macht sehr direkt um einen indianischen Staat zu verhindern usw. Ich weiß, dass die Kleinstaaterei und das Zerbrechen von Staatengebilden solange diese nicht die eigenen betrifft, im Westen großartig unterstützt wird. Ist mir nichts neues.

hamstertier
14.02.2010 15:09
an falscher prophet

;-) beim zimbo.

hamstertier
13.02.2010 21:27
prinzipientreue wird geschluckt.

na eben. zeit, dass die freundlichkeit gegenüber der chinesischen regierug fällt und prinzipientreue bei den regierungen einzieht.
Fischer soll den Dalai Lama endlich einladen.

Magdalena P
13.02.2010 21:26

China muss endlich die Autonomie Tibets anerkennen!

zimbo
 
14.02.2010 08:52
Warum, weil Tibet die meiste Zeit Teil Chinas war ?

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