Weil der heimische Sponsorenpool fast leergefischt ist, tourt Salzburgs Festspiel-präsidentin Helga Rabl-Stadler um die Welt
In Krisenzeiten wie diesen wird die Roadshow aber oft zum Erklärstück.
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Salzburg - New York, London, Zürich, München, Istanbul sind schon abgeklappert, am 4. März steht São Paolo auf dem Besuchsplan, zwei Tage später Rio de Janeiro. Einerlei, ob globale Krise oder Salzburger Finanzskandal, eisern hält Salzburgs Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler Kurs, "auch wenn ich mich in diesen skandalumwitterten Tagen des Öfteren geniere. Nach den Malversationen bei den Osterfestspielen werden wir den Sponsoren noch viel deutlicher klarmachen müssen, dass ihr Geld selbstverständlich zu hundert Prozent in das Programm fließt. Niemand in unserem Haus hat je auch nur einen einzigen Cent an Provisionen genommen."
Die Präsidentin in der Charmeoffensive: Begleitet von einem Mitglied des Festspieldirektoriums, tourt sie mit einer Art Roadshow rund um den Erdball, emsig auf der Suche nach neuen Sponsoren und zahlungskräftigen Festspielbesuchern. "Wir können uns nicht selbstzufrieden zurücklehnen, weil wir eh erfolgreich sind - sondern wir müssen interessierte Menschen auf uns aufmerksam machen und nach Salzburg holen." Immer mit dabei: Plakate, Programmhefte, Slideshow, junge Künstler, die den Promo-Abend musikalisch umrahmen. Vor Ort versorgt ein hilfsbereiter Sponsor das Festivalteam mit illustrer Einladungsliste und passender Location: in New York etwa die Morgan Library; organisiert hatte den edlen Rahmen Cynthia Polsky, Cousine jenes Donald Kahn, der den Salzburger Festspielen 4,8 Millionen Euro für das Haus für Mozart zu geben bereit war. "Aber das richtige Geld habe ich dann bei einem kleinen Abendessen mit vierzehn Leuten bekommen."
In London wiederum fand die edle Verkaufsparty in der österreichischen Botschaft statt; einer der anwesenden Gentlemen will die Präsentation nun für 150 beste Freunde in seinem Privathaus wiederholen.
Und gemeinsam mit ihrer jüngsten spendierfreudigen Eroberung, dem türkischen Industrie-Tycoon Ahmed Kocabiyik, der ab 2011 drei Jahre lang internationale Gastorchester finanziell absichern wird, versammelte sie Istanbuls Hautevolee im Nobelhotel Les Ottomans. "Natürlich darf man nicht erwarten, dass jemand sofort 100.000 Euro zückt. Aber eine Dame hat gleich den ganzen Sommer gebucht. Bei ihr habe ich das Gefühl, dass wir durchaus eine Chance hätten, wenn wir ihr ein gutes Projekt anbieten. Man kann keinen Sponsor gewinnen, indem man schlicht sagt: Bitte stopfen Sie unsere Finanzlücke. Sondern man muss ein maßgeschneidertes Projekt entwickeln - so wie etwa Jürgen Flimm das Young Director's Project mit Montblanc."
Geheime Mission in Brasilien
So stolz war die "Sponsor-Europameisterin" , dass ihr im abgelaufenen Krisenjahr nicht ein einziger Geldgeber abhanden gekommen war, im Gegenteil: In Sachen Sponsoring war 2009 das beste Jahr in der Geschichte der Festspiele überhaupt. "Und dann dieser Tiefschlag! Wir werden viel erklären müssen, keine Frage. Aber ich glaube, dass meine Argumentation sehr positiv aufgenommen wurde: Kriminelle Dinge können in jedem Unternehmen passieren. Es kommt darauf an, dass man sie gründlich und schnell bekämpft."
Offensive Sponsoren-Information, im Guten wie im Schlechten. Am 22. Februar sollen Lösungsvorschläge der Wirtschaftsprüfer vorliegen, tags darauf werden in einer Sonderkuratoriumssitzung allfällige Konsequenzen beschlossen. Die Affäre habe sie ziemlich durchgebeutelt, gesteht Rabl-Stadler. "Aber ich bin froh, dass wir Brasilien nicht canceln konnten. Jener Sponsor, der uns für das Simon-Bolivar-Jugendorchester große Summen gegeben hat, hat alles schon so wunderbar organisiert. Markus Hinterhäuser und ich suchen Unterstützung für ein - noch geheimes - Projekt für nächstes Jahr, in dem er ja Intendant sein wird. Außerdem" , fügt sie hinzu, "ist es in diesen traurigen Tagen einfach schön, Menschen zu begegnen, die richtigerweise meinen, dass die Salzburger Festspiele weltweit einzigartig sind." (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.02.2010)