Charmeoffensive der Präsidentin

12. Februar 2010, 17:49
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    foto: w.lienbacher

    On Tour: Salzburgs Festspiel-präsidentin Helga Rabl-Stadler und Konzertchef Markus Hinterhäuser auf Sponsoren-suche in der Kulturhauptstadt Istanbul.

Weil der heimische Sponsorenpool fast leergefischt ist, tourt Salzburgs Festspiel-präsidentin Helga Rabl-Stadler um die Welt

In Krisenzeiten wie diesen wird die Roadshow aber oft zum Erklärstück.

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Salzburg - New York, London, Zürich, München, Istanbul sind schon abgeklappert, am 4. März steht São Paolo auf dem Besuchsplan, zwei Tage später Rio de Janeiro. Einerlei, ob globale Krise oder Salzburger Finanzskandal, eisern hält Salzburgs Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler Kurs, "auch wenn ich mich in diesen skandalumwitterten Tagen des Öfteren geniere. Nach den Malversationen bei den Osterfestspielen werden wir den Sponsoren noch viel deutlicher klarmachen müssen, dass ihr Geld selbstverständlich zu hundert Prozent in das Programm fließt. Niemand in unserem Haus hat je auch nur einen einzigen Cent an Provisionen genommen."

Die Präsidentin in der Charmeoffensive: Begleitet von einem Mitglied des Festspieldirektoriums, tourt sie mit einer Art Roadshow rund um den Erdball, emsig auf der Suche nach neuen Sponsoren und zahlungskräftigen Festspielbesuchern. "Wir können uns nicht selbstzufrieden zurücklehnen, weil wir eh erfolgreich sind - sondern wir müssen interessierte Menschen auf uns aufmerksam machen und nach Salzburg holen." Immer mit dabei: Plakate, Programmhefte, Slideshow, junge Künstler, die den Promo-Abend musikalisch umrahmen. Vor Ort versorgt ein hilfsbereiter Sponsor das Festivalteam mit illustrer Einladungsliste und passender Location: in New York etwa die Morgan Library; organisiert hatte den edlen Rahmen Cynthia Polsky, Cousine jenes Donald Kahn, der den Salzburger Festspielen 4,8 Millionen Euro für das Haus für Mozart zu geben bereit war. "Aber das richtige Geld habe ich dann bei einem kleinen Abendessen mit vierzehn Leuten bekommen."

In London wiederum fand die edle Verkaufsparty in der österreichischen Botschaft statt; einer der anwesenden Gentlemen will die Präsentation nun für 150 beste Freunde in seinem Privathaus wiederholen.

Und gemeinsam mit ihrer jüngsten spendierfreudigen Eroberung, dem türkischen Industrie-Tycoon Ahmed Kocabiyik, der ab 2011 drei Jahre lang internationale Gastorchester finanziell absichern wird, versammelte sie Istanbuls Hautevolee im Nobelhotel Les Ottomans. "Natürlich darf man nicht erwarten, dass jemand sofort 100.000 Euro zückt. Aber eine Dame hat gleich den ganzen Sommer gebucht. Bei ihr habe ich das Gefühl, dass wir durchaus eine Chance hätten, wenn wir ihr ein gutes Projekt anbieten. Man kann keinen Sponsor gewinnen, indem man schlicht sagt: Bitte stopfen Sie unsere Finanzlücke. Sondern man muss ein maßgeschneidertes Projekt entwickeln - so wie etwa Jürgen Flimm das Young Director's Project mit Montblanc."

Geheime Mission in Brasilien

So stolz war die "Sponsor-Europameisterin" , dass ihr im abgelaufenen Krisenjahr nicht ein einziger Geldgeber abhanden gekommen war, im Gegenteil: In Sachen Sponsoring war 2009 das beste Jahr in der Geschichte der Festspiele überhaupt. "Und dann dieser Tiefschlag! Wir werden viel erklären müssen, keine Frage. Aber ich glaube, dass meine Argumentation sehr positiv aufgenommen wurde: Kriminelle Dinge können in jedem Unternehmen passieren. Es kommt darauf an, dass man sie gründlich und schnell bekämpft."

Offensive Sponsoren-Information, im Guten wie im Schlechten. Am 22. Februar sollen Lösungsvorschläge der Wirtschaftsprüfer vorliegen, tags darauf werden in einer Sonderkuratoriumssitzung allfällige Konsequenzen beschlossen. Die Affäre habe sie ziemlich durchgebeutelt, gesteht Rabl-Stadler. "Aber ich bin froh, dass wir Brasilien nicht canceln konnten. Jener Sponsor, der uns für das Simon-Bolivar-Jugendorchester große Summen gegeben hat, hat alles schon so wunderbar organisiert. Markus Hinterhäuser und ich suchen Unterstützung für ein - noch geheimes - Projekt für nächstes Jahr, in dem er ja Intendant sein wird. Außerdem" , fügt sie hinzu, "ist es in diesen traurigen Tagen einfach schön, Menschen zu begegnen, die richtigerweise meinen, dass die Salzburger Festspiele weltweit einzigartig sind." (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.02.2010)

nocomment1
00
15.2.2010, 11:11
somit erklären sich auch beschwerden über hohe

reise- und repräsentationskosten... ;-)

potz
01
14.2.2010, 22:50
Ein Glanzstück investigativen Journalismus'

Bravo DerStandard!!

Ueber moegliche Vertuschung/Korruption/Straftaten/Verwicklungen berichten?

Bääh.

Lieber einfach der Helga ihre Pressaussendungen abdrucekn.

stimme zu
00
15.2.2010, 04:38
Wenn Sie investigativ sein wollen, dann schauen sie sich die Zeiträume an!

daniel stephan
03
14.2.2010, 15:33
Ein paar Fragen

Ein paar Fragen:
Wenn das Direktorium Kretschmer 2001 schriftlich dazu verpflichtete, keine Beteiligungen an Firmen zu haben: Warum wussten sie von solchen Beteiligungen?
Warum hat Kretschmer damals schon Firmen gegründet? (Alle seine Firmen hatten ja scheinbar den zweck, dass er über sie Scheingeschäfte durchführt)
Kann es sein, dass das Direktorium ihm damals schon auf etwas draufgekommen ist, ihn aber nicht entliessen, weil er ein sehr guter, geschätzter technischer Direktor war und weil man keinen Skandal wollte?
Kann es sein, dass damals schon etwas vertuscht wurde? Dass man ihm damals schon die Rute ins Fenster gestellt hat und dass er dann trotzdem weiterhin alle an der Nase herumgeführt hat?
Trenkler, übernehmen sie!

potz
00
14.2.2010, 22:52

es ist ja auch möglich, dass kretschmer nicht der einzige war, der an den scheingeschaeften, so es welche waren, verdient hat .... das Direktorium der Festspiele zum Beispiel?

stimme zu
11
14.2.2010, 07:22
Die Rabl-Stadler muss jetzt dass Reparieren ...

... was der Osterfestspiel- Sumpf eingebrockt hat.(Osterfestspiel-Präsiedentin und Oster-Oberkontrollorin seit 2004 eine gewisse Frau Burgstaller).

Ob übrigends Oster-Geschäftsführer Dewitte nochmal kommt ist zweifelhaft, denn sein Haus lässt er schon mal verkaufen.
Es gibt dabei aber für die Festspiele nichts zu holen, denn das Haus ist mit 1.160.000,-- Euro Pfandrechten für die Bawag belastet (Baubeginn/Finanzierung noch in Elsner-Zeiten, das Haus ist Baujahr/fertiggestellt 2007).
Aktueller Kaufpreis der Architektenvilla: 1,250.000,--
Hat wer Interesse - Hier Dewittes Noch-Haus:
http://www.immobilien.net/5061-Elsb... etail.aspx


Christiane Amanpour
 
07
14.2.2010, 01:25
Frau Rabl-Stadler ist immer angespannt

Sie kann nie gelöst sein, ist immer overdressed. Bei jedem Interview kann sie mit gepresster Stimme nur davon reden, was sie will und wie gut sie nicht ist. Der Zwang in Person.

Aber abgesehen von ihrer persönlichen unangenehmen Disposition ist sie noch etwas Anderes: Es gibt kaum eine reinere Vertreterin einer österreichischen konservativen Kaste als sie. Da gibt's nur ÖVP, nur Hochkultur, nur Kammerinteressen. Und alles unter Druck.

Wenn jetzt auch noch im Ausland diese Penetranz zur Schau gestellt wird, schadet das sogar.

Außerdem ist es eigenartig, wenn sie jetzt ganz überrascht über die Betrügereien in ihrer unmittelbaren Nähe tut. Wenn das stimmt, hat sie nicht kontrolliert. Da hätte sie Druck machen müssen! Verquer.

potz
00
14.2.2010, 22:53

Rabl-Stadler hat nur bessere Kontakte zur Presse als Kretschmer.

Léonor de Guzman
014
13.2.2010, 17:34
Helga Rabl-Stadler

und Charme passen nicht in einen Satz!

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