Sternanis schmeckt noch viel besser, als er aussieht - besonders in Suppen
Es gibt da ein Gewürz, das unsereins aufrechtes Bergvolk die längste Zeit nur als dekorativ duftendes Element auf allerhand verschimmelten Gewürzsträußlein und anderem Brauchtumskitsch wahrgenommen hat, wie er in Souvenirstuben und Bauernmärkten feilgeboten wird. Dabei schmeckt Sternanis noch viel besser, als er aussieht - abgesehen von diversen Lebkuchenmischungen darf er in der heimischen Küche aber kaum je zum Einsatz kommen. Sein Aroma erinnert nur im Ansatz an Anis und ist von betörender Vielschichtigkeit.
Viele ätherische Öle stecken unscheinbar verpackt in den Außenwänden. In den thailändischen, vietnamesischen und vielen chinesischen Küchen, aber auch in Marokko, gehört er als wichtiges Element in zahlreiche Curry- und Gewürzmischungen. Spitzenköche kochen die sternförmigen Samenkapseln in Fischfonds und Court-Bouillons mit, um die schillernden Geschmacksnoten in Saucen zu packen. Im Alltag empfehlen sich die hübschen Sterne als Zutat in der Hühnersuppe (die dann nicht nur als effektives Grippemittel wirkt, sondern, samt etwas Ingwer und Zimt, auch wahrhaft köstlich schmeckt) oder als Gewürz in der Paradeissauce: Gerade in der Endlosigkeit des Winters ist das eine willkommene Möglichkeit, sich mithilfe der Geschmackspapillen in eine bessere, wärmere Welt zu beamen. (corti/DER STANDARD, Printausgabe, 13.02.2010)