"Wir haben nichts gelernt"

Eric Frey, 12. Februar 2010, 14:23
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    foto: standard/corn

    Konrad Paul Liessmann: "Ich glaube, dass die Studentenproteste der letzten Monate damit zu tun haben, dass das Bild der Universitäten als Unternehmen, das einfach effizient Absolventen produziert, ins Wanken geraten ist. Das ist auch ein Ausfluss der Krise."

Der Philosoph und Publizist Konrad Paul Liessmann warnt im STANDARD-Interview vor einer Rückkehr zum "Business as Usual" und sieht radikale Parteien als Gewinner der Krise

Der Philosoph und Publizist Konrad Paul Liessmann warnt vor einer Rückkehr zum "Business as Usual". Radikale Parteien sind die Gewinner der Krise und des Versagens der Eliten, sagt er im Gespräch mit Eric Frey.

***

STANDARD: Es schaut so als, ob die Welt nicht viel aus der Wirtschaftskrise gelernt hat. Ist die Krise etwa zu glimpflich verlaufen?

Liessmann: Jeder muss ein Interesse haben, dass eine Krise glimpflich verläuft. Niemand wünscht sich hohe Arbeitslosigkeit, Unternehmenszusammenbrüche, Streiks, Plünderungen oder Bürgerkrieg. Aber wenn man die Krise als Folge einer Dysfunktionalität des Systems sieht, dann stellt sich rein pädagogisch die Frage, wie schwer eine Krise sein muss, damit etwas daraus gelernt wird. Zu Beginn der Krise, nach dem Kollaps der ersten großen Banken herrschte bei den Systemvertretern eine Krisenrhetorik, die es in sich hatte. Der Kapitalismus stand zum ersten Mal seit 1989 wieder zur Disposition, alternative Konzepte wurden intensiv diskutiert. Gemessen an dieser Rhetorik haben wir nichts gelernt. Man stellt erleichtert fest, so schlimm war es nicht, und kehrt zu dem zurück, was man vorher gemacht hat.

STANDARD: Aber so schlimm ist es ja wirklich nicht gekommen.

Liessmann: Das liegt daran, dass massiv mit öffentlichen Geldern reagiert wurde. Die fanatischsten Vertreter des freien Marktes haben plötzlich ihre Liebe zum Staat entdeckt. Aber sie haben nicht den Schluss gezogen, dass das Verhältnis von freiem Markt und staatlicher Interventionspolitik neu überdacht werden muss. Wir alle wissen, dass es ganz anders gekommen wäre, wenn wir den freien Markt hätten walten lassen, wenn all die Banken, die sich verspekuliert haben, und all die Automobilindustrien, die nicht mehr konkurrenzfähig waren, pleite gegangen wären, wie es der freie Markt eigentlich gefordert hätte.

STANDARD: Ist dadurch der pädagogische Effekt verloren gegangen?

Liessmann: Das Auffangen der Banken war ökonomisch richtig, pädagogisch aber falsch. Und manche Hilfen für marode Industrien waren vielleicht auch ökonomisch falsch, etwa die Abwrackprämie oder die Opel-Rettung.

STANDARD: Sonst wären zehntausende Jobs verloren gegangen.

Liessmann: Das stimmt, aber es sind auch andere Industrien mit vielen Beschäftigten in die Krise gerutscht, und da hat keiner mit dem Ohr gewackelt. Es gehört zum Credo eines innovationsintensiven Kapitalismus, dass bestimmte Branchen aussterben. Als das Druckereigewerbe durch neue Technologien abgelöst wurde und tausende Arbeitsplätze vernichtet wurden, sagte man, das ist eine Entwicklung der Zeit. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet die Automobilindustrie anders behandelt wurde. Sie hat eine besondere Symbolkraft. Das Auto ist unser aller Liebkind.

STANDARD: Stichwort Banken. In Österreich wurde selbst die Hypo Alpe Adria für so systemrelevant erklärt, dass sie aufgefangen werden musste. Hätte man das stärker hinterfragen können?

Liessmann: Die Hypo Alpe Adria ist systemrelevant in einem anderen Sinn. Sie ist Symbol für eine ganz bestimmte Verquickung von Politik und Ökonomie, und einer hoch riskanten Expansionspolitik. Ich kann die ökonomischen Folgen einer Insolvenz nicht abschätzen - wie viele Menschen in Kärnten arbeitslos geworden wären, ob der Finanzverkehr in Österreich zusammengebrochen wäre. Aber insgesamt entsteht der Eindruck, dass der so viel geschmähte Staat zu nichts anderem da ist, als solche Managementfehler und die Folgen halbseidener Geschäfte aufzufangen.

STANDARD: Woher kommt denn die Einstellung, dass jeder und alles aufgefangen werden muss? Das klingt ja fast wie eine sozialistische Ideologie.

Liessmann: Bei Institutionen, die so groß waren, dass ihr Ruin Volkswirtschaften ins Verderben hätte ziehen können, verstehe ich es. Bei weniger großen Institutionen war es wohl auch erfolgreicher Lobbyismus. Aber dort, wo eine Rettung aus ökonomischen und sozialpolitischen Gründen unvermeidlich war, hätte man sich danach Korrekturen des Systems überlegen müssen. Keine Bank sollte so groß wird, dass sie sich alles erlauben kann, weil sie nicht fallengelassen werden darf. Hier wären eine Dezentralisierung oder auch eine Zerschlagung im Sinne einer vernünftigen Wettbewerbsordnung denkbar. Auch darüber wurde - außer in den USA - nicht ernsthaft nachgedacht

STANDARD: Das war in den 30er-Jahren anders: Eine viel tiefere Krise schuf den Willen zur Veränderung.

Liessmann: Obwohl wir wissen, dass die Regularien, die damals entwickelt wurden, äußerst sinnvoll waren, haben wir uns von ihnen verabschiedet. Und jetzt, wo wir die Folgen spüren, ziehen wir nicht den Schluss daraus, dass es mehr Regulationsmechanismen bedarf, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Das heutige "Business as Usual" ist eine unverantwortliche Blauäugigkeit. Denn die nächste Krise wird mit Sicherheit kommen, und angesichts der angespannten Budgets wird es niemaden mehr geben, der irgendetwas auffangen kann.

STANDARD: Was sind die Gründe für dieses Versagen?

Liessmann: Es fehlt die politische Kontrolle über die Ökonomie. Das Credo der letzten 30 Jahre lautete, die Politik soll nicht die Wirtschaft regulieren, sondern selber wie ein Unternehmen funktionieren. Wir haben das betriebswirtschaftliche Denken zu einem universalen Denken gemacht. Dann aber kann der Staat keine Rahmenbedingungen für Unternehmen mehr vorgeben. Dieselben Rating-Agenturen, deren Bewertungen für die Krise mitverantwortlich waren, werden jetzt beauftragt, die neuen Richtlinien zu entwerfen. Das ist absurd. Die klassische Gewaltentrennung, von der die moderne Demokratie leben sollte, funktioniert einfach nicht mehr.

STANDARD: Aber die Politiker könnten so handeln, wenn sie wollten. Warum tun sie es nicht?

Liessmann: Ich verstehe das nicht, denn eine langfristige Politik, die versucht, die Krisenanfälligkeit des Systems zu reduzieren, würde sich auch in gesellschaftspolitischen und volkswirtschaftlichen Erfolgen niederschlagen. Eine Politik, die jetzt darauf verzichtet, muss damit rechnen, dass sie in wenigen Jahren mit Massenarbeitslosigkeit, Deflation oder Inflation und anderen Problemen konfrontiert ist, die sie politisch nicht überleben wird. Es ist extrem kurzsichtig, wie gegenwärtig argumentiert wird.

STANDARD: Man hätte aus der Bevölkerung mehr Druck erwartet, mit Härte gegen die Verursacher der Krise vorzugehen. Aber so richtig zieht dieses Thema nirgendwo.

Liessmann: Manche versuchen sehr wohl, Konsequenzen zu ziehen. Ich glaube, dass die Studentenproteste der letzten Monate damit zu tun haben, dass das Bild der Universitäten als Unternehmen, das einfach effizient Absolventen produziert, ins Wanken geraten ist. Das ist auch ein Ausfluss der Krise. Auch anderswo wird das Verhältnis Staat und Markt jetzt anders diskutiert als vor fünf Jahren. Viele Maßnahmen aber kommen nicht wirklich an, weil die Menschen einen untrüglichen Instinkt dafür haben, dass die Parteien kein tragfähiges Konzept haben und nur Symptomtherapie betreiben.

STANDARD: In den 30er-Jahren gab es viel mehr radikale Reformprogramme, die leider auch totalitär waren. So abschreckend das ist, wäre etwas mehr Radikalität im öffentlichen Bewusstsein wünschenswert?

Liessmann: Ich wünsche mir überhaupt keine Radikalität, sondern einen Zustand, in dem Radikalität nicht notwendig ist. In Deutschland und Österreich gibt es radikale Parteien, die dieses Unbehagen auffangen; in Deutschland ist es die extreme Linke, in Österreich die extreme Rechte. An deren Wählerstimmen kann man auch ablesen, inwiefern es nicht gelungen ist, diese Krise so zu bewältigen, dass die Menschen sich nicht verraten und verkauft fühlen.

STANDARD: Die FPÖ als Krisengewinnler?

Liessmann: Radikale Parteien sind immer Krisengewinnler. Es ist einfacher, in einer Krise den Protest, das Unbehagen zu formulieren, als zu sagen, wie man die Gegenwart gestalten könnte.

STANDARD: In den 30er-Jahren waren Protestbewegungen nicht nur populistisch, sondern vertraten utopische Gesellschaftsordnungen.

Liessmann: Bestimmte politische Entwürfe sind vom Lauf der Geschichte desavouiert worden. Wir können nach den Erfahrungen mit dem Stalinismus keine kommunistischen antikapitalistischen Utopien mehr entwerfen. Wir können nach den Erfahrungen mit dem Faschismus keine völkischen Utopien mehr entwerfen. Das Beruhigende an der jetzigen Krise ist, dass sich solche totalitären Versuchungen als politisch-wirksame Konzepte noch nicht bemerkbar machen. Die extreme Linke in Deutschland und die extreme Rechte in Österreich sind gemessen an den totalitären Parteien der 20er- und 30er-Jahre höchst gemäßigt, bei allen verbalen Exzessen, die sie sich leisten.

STANDARD: Wächst durch die erfolgreiche Krisenbewältigung die Bereitschaft zum Risiko, da jeder weiß, dass er ohnehin aufgefangen wird?

Liessmann: Das ist möglich. Wenn die Sicherheitsnetze Risikoverhalten belohnen, muss man sich überlegen, wie weit in unserem ökonomischen System der Begriff des Risikos überhaupt noch einen Sinn ergibt. Dazu kommt, dass unser System spekulatives Verhalten belohnt und Arbeit, Produktivität und langfristige Investitionen im klassischen Sinn bestraft. Das liegt an den Rahmenbedingungen. Man könnte sich ja auch ein System denken, in dem menschliche Arbeit am geringsten besteuert wird und Spekulationsgewinne am höchsten - also z.B. Arbeit mit 20 Prozent und Spekulationsgewinne mit 70 Prozent.

STANDARD: Spekulation heißt auch, dass Erfolg eine Glücksfrage ist und keine Frage der Leistung.

Liessmann: Ja, wir sind eine Glückspielgesellschaft. Eine Partei wie die Volkspartei schmückt sich mit dem Slogan, Leistung muss sich wieder lohnen, und präferiert gleichzeitig ein System, in dem sich alles Mögliche lohnt, nur nicht Leistung. Diese Widersprüchlichkeit spüren die Menschen, dieses Auseinanderklaffen von politischer Rhetorik und dem, was tatsächlich passiert. Ich würde das Potenzial des sozialpolitischen Unbehagens, das sich durch die Krise bildet, nicht unterschätzen. (Langfassung des Interviews; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.2.2010)

Zur Person

Konrad Paul Liessmann (56) lehrt Philosophie an der Uni Wien und leitet u.a. das Philosophicum Lech. Er ist einer der führenden "public intellectuals" des Landes.

Kommentar posten
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mikromalist
 
01
15.2.2010, 10:57
So wie direkte Demokratie das einzige leistungsfähige

Substrat für entdeckendes, konstruierendes Lernen in der Gesellschaftsentwicklung ist, ist es der freie Markt in der Wirtschaftsentwicklung.
Dem Markt seine Vergewaltigung durch die Interventionen der Goofies vorzuwerfen, ist wie der Demokratie die Popular-Polities und deren willfährige öffentlichen Scheinmanager vorzuwerfen.

Ich habe gehofft, ein Philosoph hat diesen Durchblick und kann sich dem Strohmannargument, der-Markt-sei-an-die-Wand-gefahren, entsagen.

racctor
00
15.2.2010, 11:41

vllt haben auch nur Sie etwas missverstanden........

mikromalist
 
00
15.2.2010, 12:01
Ja das kann sein. Dann entschuldige ich mich

bei KPL.
Ich lese:
- rein ökonomisch gesehen, wäre die Empfehlung der Austroökonomen (um Hajek) krachen-lassen gescheiter. Völlig einverstanden, bis auf Ausnahmen (nicht die monolithischen Investment-. aber die diversifizierten Finanzinstitute).
- aber der freie Markt und Spekulation dringt ungut in alles Bereiche ....? 1. Wir können nicht nicht spekulieren. 2. der freie Markt schliesst die unfairen Arbitragemöglickeiten viel rascher (und öffnet sie nicht).

Deshalb bin ich, als Linker, Vertreter der Marktbefreiungs-Bewegung :=) (gegen den Strich der Retrolinken)

also dann ...
00
15.2.2010, 11:28
hmhm ... ich bin erstaunt von ihnen das lied von der "invisible hand" ...

singen zu lesen - die es ja nicht gibt ...

es war ja gerade der völlig UN-regulierte monetäre sektor (von der völlig vertrottelten IFRS-berwer-tung...bis hin zu "ausserbilanziellen gesellschaften")
der die weltkrise verursachte.
wallstreet und nicht mainstreet - you know !

der sektor ist leicht zu "regulieren" :
- spekulationen nur mit 100 % eigenkapital (und das geschäftsmodell der hedgefonds ist tot...)
- hohe eigenkap.unterlegung von a l l e n spekulationen (derivate usw) bei allen banken
- verbot + androhung von mehrjährigen haftstrafen von tochtergesellschaften auf steuroasen (diese schmarotzer-staaten dienen ja nur als fluchtburg)
- steuergeld NUR gegen eigenkapital.

und das (haupt)problem...ist gelöst.

mikromalist
 
00
15.2.2010, 13:11
Ich glaube, da

ist noch ein kleiner linker gegen-den-Strich Blick hinter den Vorhang nötig ? :=)
Die wichtigste Reguliereng: den Markt völlig deregulieren.
Dann: Regeln finden, die aus dem Markt eine faires Spiel machen (keine Leitzinsen, keine politische Hypothekarzinsen, keine Staatsanreize, keine Steueroasen, keine toxischen Instrumente, ..)
Drittens (und das ist das Schwierigste): Steuer-Progression auf Deal-Korrelationen (gegen Blasen, die auch der freie Markt nicht verhindern kann)
Viertens: Einführung von Optionsscheinen als Ergänzung zum Geld.

p.s. 100% Eigenkapitaldeckung ist eine Dynamikbremse.
Wie wenn jedes Unternehmen der Realwirtschaft nur mehr Investitionen oder Innovation aus dem eigenem Cash-Flow vornimmt.

also dann ...
01
15.2.2010, 14:04
sorry - da bin ich nicht bei ihnen ! wie gesagt - es gibt k e i n marktgleichgewicht - nirgendwo. die gründe sind ganz simple, da

- es (vor allem auf fin.märkten) eine
DYS - synchronität der informationen
(z.b. die speed-spekulationen der goldmänner, DB)
insbes. über kontinente hinweg
- und keine homogenen (1-produkt)-märkte
(am allerwenigsten den arbeitsmarkt)
gibt
- als auch die markt-entscheidungen überwiegend emotional ("animal spirit", keynes...) fallen..

ad. eigenkapital - auch nein,
da keine bank mit dem geld der sparer ... spekulieren darf. mit eigenkapital kann sie tun was sie will...
ad. st.oasen + ausserbil. gesellschaften
da sind wir (fast) 1 meinung.

z.b.
CDS ...verbieten !
oder wollen sie den wahnsinn fortschreiben ?

http://www.ftd.de/finanzen/... 74307.html

mikromalist
 
00
15.2.2010, 15:10
Nein ich möchte nur das Kind nicht

mit dem Bade ausschütten.
- CDS, CDO verbieten/einschränken - völlig korrekt, weil ein Kreditrisiko, nicht wie Markt- oder Liquiditätsrisiko, einem statistisch-mathematisch begreifbaren Fluss entspringt, sondern aufgrund einer solitären Businessentscheidung ....
- algorithmic trading ebenfalls, weil zwar die stop loss Entscheidungen auch schnell fallen, aber die Leverages aufgrund von korrelierten Deals wie eine Mikrophon-Lautsprecher Rückkopplung ...

ABER, die dynamische Grundstruktur des Finanzmarktes darf nicht durch Ausschalten jeden Risikos zerstört werden.
Wir könne nicht nicht spekulieren. S Schulmeister liegt mit seinem aus-nichts-wird-nichts ausnahmsweise falsch.
Wir könnten den Finanzmarkt clean bekommen. Gegen den Hunger, ....

also dann ...
00
16.2.2010, 12:18
hmhm ... da bin ich doch bei schulmeister, da

für mich weder investmentbanken
...sie machen ja keine "invesmtments"...
noch hedgefonds (wer bracuth superfund ?) auch nur irgendeinen nutzen für die (real)wirtschaft erbringen.

auch stimme ich paul volcker zu :
die einzige innovation die der fin.sektor in den letzten 50 jahren hervorbrachte ...
ist der geldautomat.

verbriefungen...
machen für mich (wenig bis) null sinn, da eine bank ja die linzenz zur papiergeldschöpfung nur dafür bekommen hat - der realwirtschaft zur produktion von gütern /DL .... finanzielle zu helfen.
der "handel" mit x-fach verpackten (nicht mehr zu bewertenden) risken - an irgendwelche doofen
...staaten (österreich !) / pensionsfonds...
erzeugt nur 1 : schaden f.d. volkswirtschaft.

mikromalist
 
01
18.2.2010, 08:58
Verehrter Freund.

Da kommen wir nicht "zusammen".
Die "moderne" Wohlstandszeit muss davon geprägt sein, mit beherrschten Risiko/Chancenprofilen zu "spielen".
Cash ist kein Risiko/Chancenprofil inhärent. Deshalb brauchen wir Instrumente, die das können.
Ohne müsste die Wohlstandswelt extrem stark zurück schrauben oder weiter Arbeiter und 3. Welt schamlos ausbeuten.
Aber, weg mit "too big to fail", "highly leveraged deals" und "low capital requirements" (aber niemals 100%!!).
Die Linke müsste eine Marktbefreiungs-Bewegung werden und Markterträge zur Verteilung ausbeuten. Ganz gegen den Strich.



one man can make a difference
00
15.8.2010, 14:58
"Die Linke müsste eine Marktbefreiungs-Bewegung werden und Markterträge zur Verteilung ausbeuten. Ganz gegen den Strich."

Grün - genau das ist es.

also dann ...
01
14.2.2010, 22:50
JA ... w i r (ich nehme an liessmann meint die politiker+ bank_S_ter...) haben nichts gelernt - stimmt !

nur - die krise b e g i n n t ... doch erst
(oder der katastrophe 2. akt - wie man will).
die banken wurden mit geld "überflutet" - und haben sodann d. engenhandel = spekulation forciert.
- siehe börsentenwicklung.

die ganze WELT-eu-national - e l i t e n (NIETEN)
sind eine über jahrzehnte (seit den 80igern - mit beginn der reagan-ära) verkorrumpierte
clique aus politiker + bankern.

CH + die steueroasen wurden (bewusst !) politisch als "fluchtburgen" ... für das geld der mafi, der
geldwäsche + schwarzgeld f.d. reichsten eingerichtet.

die diskussion findet derzeit ja nur statt, weil die bevölkerung kurz vor einer revolution steht . . .
(i.d. USA leben 38 mio von lebensmittelkarten
- und 47 mio haben keine SV !)

José Atento
02
14.2.2010, 21:05
Leistung alleine hat sich in Ö noch NIE gelohnt ;-)

Was viel Geld bringt sind Beziehungen. Am besten zur Politik.

Fakten sind egal- was zählt ist die Meinung
01
15.2.2010, 07:37

man müsste weiter präzisieren: was viel Geld bringt sind Beziehungen (zur Politik am besten) und ... Korruption, Insiderhandel, Freunderlwirtschaft, Geflügelhandel, künstlich aromatisiertes Zuckerwasser in Dosen, Mitgliedschaften in einschlägigen Bürogemeinschaften oder der persönliche Steuerberater von ÖVP-Obmann Martinz zu sein.

PS: Der Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

also dann ...
01
14.2.2010, 22:59
ergänzung : wie k o r r u p t ... das US-finanzsystem ist, zeigt ein artikel in der FTD.DE - über die AIG-rettung d.d. US-steuerzahler . . .

Die New Yorker Notenbank Federal Reserve erstattete Vertragspartnern des US-Versicherers (AIG) weit mehr als nötig.
Einer der Nutznießer ist die Deutsche Bank
... und goldmann s a x ...

http://www.ftd.de/unternehm... 68272.html

gewinn der goldmänner = 8 mrd US $
..".."... deutschen bank = 3,6 mrd.
und dann stellt sich ackermann... hin,
und lobt sich über denm grünen klee . . . ?

was hier abgeht, ist nichts anderes als
- die völlige verkorrumpierung der politik(er)
- der grösste raub der privat_vermögen aller steuerzahler !

und im ösi-land ...
ist die korruption auch nicht mehr stafbar !

José Atento
01
16.2.2010, 00:33

Eine der größten Lügen des neuen Jahrtausends ist wohl, dass es erforderlich gewesen war die großen Banken zu retten.
Die kommt gleich nach 9/11 und dem Climate-Gate.

Cyniker
03
14.2.2010, 17:34
Replik an Herrn Liessmann und Aussage meiner Wenigkeit.

Natürlich hat jeder Mensch Interesse daran, dass eine Krise so glimpflich wie möglich verläuft, aber als ein in ein bestimmtes System eingebettetes Individuum, das im "Moment" auf egoistische Art Nutzen daraus zieht, ist nun mal dises Individuum Mensch nicht in der Lage über seinen eigenen Schatten und den Schatten des Systems zu springen und die "scheinbare" Sicherheit für etwas Fremdes und Unbekanntes aufzugeben.

Leider und wahrscheinlich bedarf es wieder einmal einer radikalen Zerstörung, bis die Menschheit zur Besinnung kommt.

Wenn wir glauben, wie in ALLEN MEDIEN zu lesen und zu hören ist, dass die Wirtschaftskrise vorbei wäre, so werden wir sicherlich ehebaldigst eines Besseren belehrt werden.
Und dann gute Nacht!!!

José Atento
21
14.2.2010, 21:09
Richtig,

das war erst der erste Teil der Tragödie.

Im nächsten Teil, der kommen wird, weil das Finanzsystem ziemlich am Ende angelangt ist und weil durch diese politische Agitation die Struktur der Wirtschaft noch mehr geschädigt wurde, wird es auch für breitere Bevölkerungsschichten merkbar unangenehmer werden. Derzeit merken eigentlich die meisten gar nichts von der Krise. Zumindest in meinem Bekanntenkreis der Unselbständigen ist das so.
Viele Selbständigen haben das aber bereits jetzt deutlich gemerkt.

lis123
00
15.2.2010, 02:21
Die meisten merken nichts von der Krise ...?

Zur hier geäußerten Meinung, dass die "breiteren Bevölkerungsschichten" derzeit eh noch nicht von der Krise betroffen wären:
Ich schlage vor, den Bekanntenkreis oder wenigstens die Vorstellungskraft zu erweitern.

José Atento
01
16.2.2010, 00:30

Na ja, ich unterscheide Leute, die nur deshalb Angst haben, weil sie die Panikmache in den Medien für bare Münze nehmen, oder jene die wirkliche Schwierigkeiten bekommen haben.

Also ich ändere die Foromulierung. Merken tut es bereits jeder, aber nicht so, dass er sein (Konsum-) Verhalten ändern müsste.

fasziniert
00
14.2.2010, 17:33
Die einseitig deregulierte Marktwirtschaft gibt's auch beim Flugverkehr

Statt dass die Politiker Gesetze schaffen, welche die Bevölkerung vor den negativen Auswirkungen des Flugverkehrs schützen, gibt es eine geplante Verordnung der Infrastrukturministerin die sogar gesundheitsschädlichen Fluglärm für zumutbar erklären soll.

Außerdem darf so gut wie ohne Einschränkungen über dicht besiedelte Gebiete geflogen werden, wass entsprechende Gesundheitskosten zur Folge hat.
Diese sind dann ebenso wie das AUA-Debakel vom Staat zu bezahlen. Und wozu?

Damit vom neuen Eigentümer der AUA nicht benötigte Arbeitsplätze abgebaut werden. Wenn die AUA dann wieder Gewinn macht, kommt das den Lufthansa Aktionären zu Gute, die Rechnung haben aber die Steuerzahler und Beschäftigten gezahlt.

José Atento
10
14.2.2010, 21:13

Gut, was die Flughafen Wien AG da aufführt ist wirklich ein Affentheater.

Ein Ausbau, der am Bedarf komplett vorbei geht. Mio. versickern im Sumpf der Korruption.
Dann wird über die Wiener und NÖ Bevölkerung drübergefahren und eine neue Piste geplant, die eigentlich keiner benötigt. Schon gar nicht in den kommenden Krisenjahren.

Cyniker
01
14.2.2010, 17:05
Ein Wertesystem, in dem Korruption und Verbrechen zum sogenannten "Normalen" avanciert sind und bereits alle Bevölkerungsschichten erreicht hat, ist aus sich selbst heraus unreformierbar.

Vielleicht mit einem einfachen Sprichwort, das aber diesbezüglich nahezu alles ohne seitenlanges Geschreibe zum Ausdruck bringt, ist die momentane Situation des Menschen sehr schnell erklärt:

"Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht."
Und dann aber in Millionen von Scherben, die nicht mehr zusammenfügbar sind.

Scheinbar ist ohne destruktiv-aggressive und zerstöreriche Kräfte allein mit menschlichem Intellekt und Vernunft in gewissen Situationen eine Änderung am und im Bestehenden nicht herbei zu führen. Wie denn auch?
Beurteilung und Analyse eines bestimmten Sachverhaltes sind zwar möglich, aber nichts sonst, da die Eigendynamik unseres Wertesystems mit seinen vielfältig verwobenen Problemen zu groß ist.

w. corso
00
14.2.2010, 16:31
Banken

Die Banken bekamen von uns Geld und habe damit ihre Bilanzen saniert, ohne dass ihnen die volkswirtschaftliche Verpflichtung abverlangt wurde, es an die durch sie leidend gewordene Unternehmen weiter zu geben.

Klaus Ganglbauer
10
14.2.2010, 15:29
Zum Thema Anti-Kapitalismus und zum Idol, dass diese Welt nur mehr als Roman gerechtfertigt wäre.

Ein eher schwaches Werk von Liessmann ist sein Marx-Buch. Dort wird "Das Kapital" auf einen guten Roman reduziert. Frei nach dem Axiom des post-modernen Ästhetizismus, dass die Welt nur mehr als ästhetisches Phänomen gerechtfertigt wäre. Das Paradigma mag für die Epoche von Nietzsche bis Adorno zutreffend gewesen sein. Aktuell wirkt es zynisch. Es ist Zeit, über die ästhetische zu einer politischen Theorie der Praxis hinauszugehen. In "Karl Marx" tendiert Liessmann dazu, den schlecht-allgemeinen Fetisch des Kapitals zum real verwirklichten Paradigma des Universalen schlechthin zu verklären, somit der unregulierten Zirkulations-Sphäre eine pseudo-intellektuelle Absolution zu erteilen, was den Zeitgeist dieser Epoche präzise wiederspiegelt.

Der rote Johann
 
31
14.2.2010, 15:41
"Dort wird "Das Kapital" auf einen guten Roman reduziert"....

das ist in der Tat Quatsch.

'Märchenbuch für kleine Kinder und Junggebliebene' trifft´s schon eher.

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