Warum Ausdauersport antidepressiv wirkt

12. Februar 2010, 13:29

Nervenwachstumsfaktor BDNF für stimmungsaufhellende Wirkung nach Belastung verantwortlich

Tübingen - Ärzte und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Tübingen konnten in einem - von der Landesstiftung Baden-Württemberg geförderten - Projekt nachweisen, dass Ausdauerbelastung eine Ausschüttung von zuvor vermindertem Nervenwachstumfaktor bei wiederkehrenden Depressionen bewirkt. Die Studie zeigt somit einen antidepressiven Wirkmechanismus von Ausdauersport auf. Sie wurde kürzlich im International Journal of Neuropsychopharmacology, 1 - 8, 2010 publiziert.

Mens sana in corpore sano - das berühmte Sprichwort zum gesunden Geist im gesunden Körper ist schon über 2000 Jahre alt und immer noch aktuell. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Ausdauersport bei wiederkehrenden Depressionen hilfreich sein kann. Viele Sportler beschreiben eine Stimmungsaufhellung und Stimmungsstabilisierung durch regelmäßigen Ausdauersport wie Radfahren, Walken oder Schwimmen.

Parameter Nervenwachstumsfaktor

In einem gemeinschaftlichen Projekt unter Förderung der Landesstiftung Baden-Württemberg konnten Ärzte und Wissenschaftler der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, des Geriatrischen Zentrums am Klinikum, der Radiologischen Universitätsklinik und der Medizinischen Universitätsklinik jetzt einen Baustein im Verständnis des bereits seit vielen Jahren beschriebenen antidepressiven Effekts der Ausdauerbelastung nachweisen.
Dazu unterzogen sich in der Studie ältere Menschen mit wiederkehrenden Depressionen einer Ausdauerbelastung über 30 Minuten mit einem Fahrradergometer. Vor und nach der Belastung wurde die Konzentration der Nervenwachstumsfaktors BDNF (brain-derived neurotrophic factor) im Blut gemessen. Im Vergleich zu gesunden, niemals depressiven älteren Frauen war der BDNF-Spiegel vor der Ausdauerbelastung erniedrigt. Bei den depressiven Studienteilnehmern normalisierte sich durch die Ausdauerbelastung der Spiegel des Nervenwachstumsfaktors, der für die Depressionsentstehung eine zentrale Rolle spielt. Damit konnte erstmalig gezeigt werden, dass Ausdauerbelastung bei depressiven Frauen die Konzentration des Nervenwachstumsfaktors normalisiert und dies eine Ursache der stabilisierenden und stimmungsaufhellenden Wirksamkeit des Ausdauersports bei Menschen mit Depressionen sein kann. Weitere Studien, insbesondere mit Menschen mit beginnenden Gedächtnisstörungen im Alter sind geplant. (red)

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17 Postings
Susanne_B
02
15.2.2010, 12:33

Ein Mensch, der an einer Depression leidet, und dennoch Ausdauersport betreiben kann, dem wurde von Pharmaindustrie und Psychotherapie schon geholfen - nämlich so weit, dass er überhaupt leben kann. Ein Depressiver kann sich nicht einfach auf das Fahrrad schwingen - egal ob im Fitnesscenter oder im Freien.

Ich frage mich wirklich, warum hier durch derartige Artikel immer der falsche Eindruck, eine Depression sei so etwas wie "e bissele traurig sein", bestätigt wird.

Gabriele_S
00
10.6.2010, 13:34
Studie: Sport nicht als Akuttherapie gedacht

absolut korrekt: "depressiv" ist einerseits Modewort für alles mögliche, dagegen fehlt schwer Depressiven oftmals selbst Kraft und Antrieb zum Aufstehen. IMMERHIN ABER: Die Studie verglich symptomfreie Frauen, die in den 12 Monaten zuvor eine schwere Depression (Major Depression) durchlebten gegen gesunde Frauen, die noch nie eine Depression hatten. Denn regelmäßiger Ausdauersport (mind. 3x / Woche) konnte in einigen aktuellen Studien tatsächlich bei (echter) Depression das häufige Risiko der Wiedererkrankung ähnlich effektiv mindern wie medikamentöse Therapie. Daher sind die Studiendaten durchaus interessant. Sport ist tatsächlich weniger als Therapie IN der Depression gedacht, da aus den von Susanne_B angeführten Gründen kaum durchführbar

Stephen Ferrando
00
15.2.2010, 13:40

korrekt.
dieser Rat ist höchstens für Menschen mit einer hin und wieder kehrenden depressiven Verstimmung tauglich.
für krankhaft depressive ist das eine Verhöhnung.

harhof
00
15.2.2010, 12:58
depression ist ein weites feld.

ich gebe ihnen recht, dass es bei schweren fällen sicherlich nicht reichen wird jemanden auf einen ergometer zu setzen. es gibt aber auch genug leichte formen wo das funktionieren und eine medikamentierung vielleicht überflüssig machen würde.
weiters - nur als beispiel - die winter-depression: die könnte man so doch gut überbrücken.
würden sie mir da zustimmen?

Susanne_B
00
15.2.2010, 14:07

Nein. JEmand, der einfach an einer Verstimmung leidet, sich aber dennoch zu Sport motivieren kann, ist schlecht drauf, leidet aber zu seinem Glück nicht an einer Depression. Heutzutage ist Depression ja schon fast ein Modewort - jeder zweite, der ein bissl traurig ist, weil es neblig ist oder weil es grad nciht so läuft, hält sich für depressiv. Eine VErstimmung ist ebenso wenig eine Depression wie leichte Magenschmerzen eine Appendicitis.

erix
02
13.2.2010, 04:29
ob dieses zitat jemals richtig verwendet wird?

"Mens sana in corpore sano"...
man könnte doch mal zumindest die allwissende müllhalde fragen:
http://de.wiktionary.org/wiki/Mens... rpore_sano

Therapist Waldwitzer
30
12.2.2010, 16:06
Kleiner Tipp

Am Besten vor versammelter Gruppe geloben, am nächsten Marathon teilzunehmen.

Mann40
00
15.2.2010, 14:50

noch besser: vor versammelter Truppe :-)

Reh! Wo?! Loser!
02
13.2.2010, 01:08

Es reicht schon *viel* weniger.

mein mikrokosmos
00
13.2.2010, 15:55
sie haben vollkommen recht ..

.. ein halbmarathon auf rollschuhen tut's auch

erich1963
12
12.2.2010, 14:28
Um wie viel aussagekräftiger wäre die Studien,

wenn man die Leute nicht auf einen sterilen Fahrradergometer setzen würde, sondern im Freien ein bißl spaßhalber durch die Gegend radln lassen würde....womöglich noch in einer Gruppe mit Freunden!

der böse joko
00
15.2.2010, 11:49
das wäre genau der falsche Weg


Depression ist nicht einfach sowas wie schlechte Laune, die man bei einem "Spaziergang in der Sonne" vertreibt.

P Reb
01
15.2.2010, 10:54

es ist mit sicherheit effektiver gegen depressionen, die aussagekraft der studie würde dadurch jedoch abgeschwächt werden weil der effekt des ausdauersportes so nicht isoliert von der positiven wirkung der sozialen komponente, des naturerlebnisses etc. betrachtet werden könnte.

mrjazzman
06
12.2.2010, 23:12
genau dann...

...wäre sie wieder nicht aussagekräftig.
Ich mein was wär's dann? Die Bewegung? Der soziale Kontakt? Oder gar die frische Luft?

Klar, für die Leute wäre es noch besser und sollte in der Praxis auch so laufen, aber wenn es darum geht, zu untersuchen, was Sport bewirkt, dann sollte dieser auch möglichst isoliert untersucht werden....

Lernens Geschichte sprach Kreisky
00
14.2.2010, 21:55
Gebe eher Erich 1963 recht

Man könnte doch auch Sport mit Freunden mit Sport allein vergleichen, dann hätte man die gewünschte Aussage. Sport in der sozialen Gruppe ist doch viel natürlicher und lebensnäher als das Bearbeiten eines Fitnessgeräts. Es gibt nämlich auch intelligentere designs als das Isolieren eines Faktors in der Eprouvette. Die Erhebung ist allerdings etwas aufwändiger.

natoll
00
15.2.2010, 09:42

ja, könnte man auch vergleichen. ändert aber nichts an der aussagekräftigkeit dieser studie.

erich1963
11
13.2.2010, 16:59
Hast schon recht

Als Nichtwissenschaftler denk ich einfach zu praktisch! ;-)

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