Der Neo-Grüne lädt zum "Grün-Camp", um Sympathisanten in den Wien-Wahlkampf einbinden
Wien - Clownworkshop war gestern: Der Politquereinsteiger Klaus Werner-Lobo, publizierender Globalisierungskritiker und nebenberuflicher Spaßmacher, will für den Wahlkampf der Wiener Grünen Kreativpotenzial parteifreier Sympathisanten anzapfen und lädt deshalb am 20. Februar zum ersten "Grün-Camp". Ziel sei es, Input von außen zu erhalten und bei entsprechend qualitativer Ausbeute in die Kampagnen einfließen zu lassen. Geld für engagierte Mitstreiter gebe es nicht, stattdessen "Aufmerksamkeit und Liebe", ließ Werner-Lobo wissen: "Das ist die grüne Antwort auf den Superpraktikanten." "Superpraktikant" wollte der Neo-Grüne einst selbst werden, erreichte im von Vizekanzler Josef Pröll ausgerufenen Rennen schließlich aber nur Platz zwölf.
Vermehrt in politische Aktivitäten einbinden
Mit der Initiative will die Partei potenzielle Wähler - hauptsächlich junge Menschen - vermehrt in politische Aktivitäten einbinden. Bei der Auftaktveranstaltung, die ab 14.00 Uhr im "Grünen Haus" in der Lindengasse über die Bühne geht, werden auch Klubchefin Maria Vassilakou und Landesgeschäftsführer Robert Korbei anwesend sein. Der in sozialen Netzwerken lancierten Einladung seien bereits gut 80 Fixanmeldungen gefolgt, freute sich der Camp-Organisator. In Kürze soll zudem die Homepage http://www.gruencamp.at aufs Netz gehen.
Nach der ersten grundsätzlichen Ideensammlung plant Werner-Lobo die Abhaltung weiterer Camps zu spezifischen Themengebieten. Es gehe nicht darum, ganze Wahlkampfkampagnen zu entwerfen, sondern um "strategische Auseinandersetzungen", wie Web 2.0 eingebunden, die Jugend mobilisiert oder mit dem Ausländerthema umgegangen werden könne.
Den Vorwurf, die Grünen würden ob eigener Einfallslosigkeit auf die Bereitschaft zur Selbstausbeutung externer "Praktikanten" setzen, will Werner-Lobo nicht geltenlassen. Es gehe vielmehr darum, die Partei noch demokratischer und partizipatorischer zu machen.
"Sehe mich als trojanisches Pferd"
Werner-Lobo kam aus diesen Web-Communitys und schaffte auf der Landesversammlung Mitte November überraschend Platz zehn und somit einen als fix geltenden Gemeinderatssitz in der nächsten Legislaturperiode. Zur Frage, ob der Camp-Vorstoß nun ein erster Schritt sei, sich intern zu profilieren, sagte er: "Ich sehe mich als trojanisches Pferd, das die Zivilgesellschaft in den Gemeinderat bringt." Als Mandatar möchte sich der Buchautor vor allem der Themen Demokratie und Menschenrechte annehmen. (APA)