Fritz Neumann

Dopingjagd als Dopingproblem

11. Februar 2010, 19:13

In Vancouver enttarnen sich hanebüchene Methoden und wohlfeile Ankündigungen

Doping freigeben? Viel spricht dafür. Man blicke nur nach Vancouver, wo am heutigen Abend, der in Europa schon eine Nacht sein wird, die XXI. Olympischen Winterspiele eröffnet werden.

S107, nur zum Beispiel. Ein Doping-Wundermittel, entwickelt an der Columbia-Universität in New York, um Patienten mit Herzrhythmusstörungen zu helfen. Doch bringt die Substanz nicht nur Kranke auf Vordermann, sondern auch Gesunde (oder halt Spitzensportler) auf Touren. Kundige gehen davon aus, dass S107 bereits im Sommer 2008 in Peking mitgespielt hat. Es wäre sogar nachweisbar, ist jedoch von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) noch nicht klassifiziert. Man weiß nicht, ob das Mittel zu den Stimulanzien, Anabolika, Hormonen oder Beta-2-Antagonisten zu zählen ist. Also steht S107 auf keiner Dopingliste, also wird olympisch nicht auf S107 getestet.

Schnitt. 2000 Sportler, so die Ankündigung, werden bis zum Ende der Spiele kontrolliert. Erwischt werden vielleicht der eine oder die andere, die so dumm sind, am Tag X wirklich Unerlaubtes einzuwerfen. Wichtiger ist Doping in der Aufbauzeit vor Großereignissen. Da muten die Tests in etlichen Sparten fast lächerlich an. So ließ der Weltskiverband (FIS) in neun Monaten unter alpinen Skiläufern genau 25 Urin-Tests und eine Blutuntersuchung durchführen, bei den Snowboardern hätte man sich die zwei Urin-Tests auch sparen können. In Langlauf und Kombination überrascht das Eingeständnis, dass nicht bei allen Weltcuprennen getestet wurde.

Schnitt. Wo 2006 die Österreicher standen, stehen nun die Russen. Im Vorjahr waren knapp ein Dutzend russische Wintersportler positiv. Andere konnten erst gar nicht getestet und also nicht überführt werden, weil staatliche Behörden die ausländischen Dopingkontrollore behinderten. Ein Fahnder wurde festgenommen, die russische Polizei beschlagnahmte Dopingproben. Ob das IOC aufgeschrien hat? Von wegen. IOC-Präsident Jacques Rogge rief Präsident Dmitri Medwedew an, Medwedew sagte Unterstützung zu. Rogge: "Nachlässigkeiten gab's, aber das ist ein großer Unterschied zur Behauptung, dass es ein staatlich organisiertes System gab." Vielleicht ist Russland einfach "a too big country".

Schnitt. Die Eishockeystars der National Hockey League (NHL), die nicht nur für Kanada und die USA spielen, sondern auch das Gros der europäischen Olympia-Teams stellen, können in Vancouver von der Wada getestet werden. Während der Saison freilich pfeift die NHL auf die Wada. Der Sport in Nordamerika ist sein eigener Herr, führt eigene Kontrollen durch. Wada-Generalsekretär David Howman kündigt an: "Wir werden alle NHL-Stars testen", sagt aber auch: "Ich glaube aber nicht, dass sie nervös sind, denn dann wären sie dumm." Immerhin hat Howman verstanden, dass "tausend Tests im Biathlon mehr Sinn machen als im Curling".

Wo führt es hin, wo hört es auf, vor allem: Wo fängt es an? Müssen bei Eltern nicht Alarmglocken läuten, wenn Sohn oder Tochter einem Langlauf- oder Radsportverein beitreten wollen? Nicht weil dort die Kinder aufgeblasen werden, sondern weil der Sprössling dereinst in eine Liga aufsteigen könnte, in der's mit Ehrgeiz und Talent allein kein Weiterkommen gibt?

Doping freigeben? Niemals. Auch wenn der unglaubwürdige, hanebüchene Kampf dagegen längst eines der größten Dopingprobleme darstellt. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 12.02.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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keep cool
00
13.2.2010, 16:39
Keine faulen Kompromisse!

Es braucht ganz klare Gesetze:
Länder, die die Regeln/Standards der WADA nicht akzeptieren und regelmäßige Kontrollen ver-/behindern, werden von der Teilnahme an allen Großereignissen wie EM/WM/Olympiaden/internationale Sportevents etc. ohne Kompromisse ausgeschlossen. Dies betrifft natürlich auch den amerikanischen Profisport wie NHL, Baseball, American Football, Basketball etc.
Nur so wird sportliche Fairness gewährleistet!

Alibaba2230
00
13.2.2010, 02:34
Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...

Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handwerk legen kann ...


Man darf gespannt sein, ob man den Österreichern wenigstens wie vor vier Jahren das Handw

Walter Kaiser
00
25.2.2010, 23:53
Du bist krank, weisst Du das?

so go
00
12.2.2010, 20:03
zwei snowboarder ???

so ne frechheit! ich seh schon die beicht-schlagzeile: "habe vor einem monat einen joint geraucht"

allerdings ist nicht nur die aufbau- sondern auch die entspannungsarbeit (^^) mit verbotenen substanzen nicht gemäß den vorstellungen des erfinders. moment erfinder?

hier gehts um unterhaltung, um ablenkung, um einen zirkus! wenn man sich dessen nicht bewusst ist, müsste es doch nur halb soviel spass machen oder? - wenn ich weiss, dass ich ein bier trinken werde dann freu ich mich schon darauf und diese vorfreude kann ich ganz leicht auf das bier zurückführen.

u gotta love sports!!!!

1116er
00
12.2.2010, 14:02
warum tun die medien nicht den ersten schritt:

wenn es bei einer sportart nicht nur vereinzelte doping-deppen gibt, sondern die wahrscheinlichkeit eines systematischen dopings hoch ist - dann schreibt doch kein einziges wort mehr über diesen sport!

würde es auflage kosten?
nun, dem doper würde sein verzicht auch den möglichen erfolg kosten.

tramezzino
00
12.2.2010, 17:56

das wäre einmal ein guter ansatz. aber sobald ein "eigener" sportler in dieser sportart gewinnen würde, wären die blätter wieder voll.

aber der ansatz ist richtig. wenn es keine berichterstattung gibt, dann gibt´s auch keine oder weniger sponsoren. ohne sponsoren keine marie. und über´s geld kriegst du sie alle sauber.

Michael Holzermayr2
01
12.2.2010, 13:03
Bravo.

Einmal ein vernünftiger Artikel.
Was ist eigentlich aus dem unsäglichen Skocek geworden?

Lichtfreak
00
12.2.2010, 12:48
Auf ARD

habe ich eine Doku gesehen über die vor 4 Jahren "skandalös" mutenden Dopingrazzien der Italiener bei den Österreichern.

Der it. Staatsanwalt sieht als Spitze des Dopingssystemes (!) den Schröcksnadel.
Er wirft den ganzen ÖSV vor, SYSTEMATISCHES von Oben gefördertes und gedecktes Doping durchgeführt zu haben!

Das wird noch lustig werden!

Poldi Fesch
00
12.2.2010, 23:22
it. Staatsanwaelte

sind nur sehr bedingt ernst zu nehmen

stomper 40
02
12.2.2010, 13:57

ned boes sein, aber was ein italienischer staatsanwalt sieht oder eher nicht sieht sei mal dahingestellt

Sand
00
12.2.2010, 10:57
Olympischer Dopingcirkus

vulgo Wanderapotheke.

meta_meta
07
11.2.2010, 23:23
Die großmäulige WADA hat 30 sperren angekündigt

Dann gab es eine Pressekonferenz und es waren 30 alte Fälle, ohne Zietangaben ohne Namensnennungen, weil angeblich das die nationalen Verbände tun müssen. Diese Lachnummer ist fast schon die Dopingfreigabe. Zu ewas anderem als Theaterdonner reicht's offenbar nicht.

Peterk K
00
12.2.2010, 10:17
So isses leider

Diese Tests bei Olympia sind vielleicht gut als PR-Gag haben aber für das eigentliche Problem keine Auswirkung. Erwischt werden ohnehin nur die Dummen, alle anderen dopen zur rechten Zeit und setzen es auch zur rechten Zeit vorher ab.

Karl Krammer
31
11.2.2010, 21:28
eine starke Athletengewerkschaft würde die menschenunwürdigen Arbeitsbedinungen verhindern

Man stelle sich vor, ein Arbeitgeber würde seine Mitarbeiter daheim aufsuchen und ihnen eine Urinprobe abnötigen. Bei Weigerung droht nicht nur Kündigung, sondern gleich Berufsverbot. Zustände des 19. Jahrhunderts? Nicht mehr für Arbeiter und Angestellte, aber sehr wohl für Athleten. Menschen werden wie Laborratten behandelt! Hier könnte eine Athletengewerkschaft einen Funken Solidarität schaffen. Leider siegt der Egoismus der Sportler noch über das Gemeinschaftsinteresse, aber es kann nicht so weitergehen. Ein Olympia ohne Sportler hätte keinen Wert, aber dazu müssten alle zusammenhalten, um den "Dopingjägern" das Handwerk zu legen!

Vater von Lisa
00
12.2.2010, 11:37
Worauf wollen Sie hinaus?

unterwegs in Österreich
01
12.2.2010, 10:39
Mit dem Doping wirds genau so ausgehen

wie mit dem Amateuren bei den olympischen Spielen. Habens einen Karl Schranz noch heimgeschickt, ist heute ein Amateur einer, der in seiner Karriere als Schifahrer weniger als 10 Mio Euro einheimst.
Beim Doping werden die Athleten heute noch heimgeschickt, aber warten wir einmal so 10-15 Jahre...

Peterk K
00
12.2.2010, 10:26
Äpfel mit Birnen

Sportler sind nun mal keine Arbeitnehmer und Arbeitgeber gibt es in diesm Sinn auch nicht. Es geht hier um eine Menge Geld und etwas Ehre und all dies bekommt man nur, wenn man ganz oben ist. Wer dopt, betrügt nicht nur den Zuseher, sondern vor allem auch seine Konkurrenten, da er ihn um sein Preisgeld bringt.

Eine Athletengewerkschaft können sie gerne gründen, aber das Geld kommt sicher nicht von ihr, sondern von den vielen Konsumenten und Nichtkonsumenten. Die beste Lösung wäre KEINEN einzigen Cent mehr für diese Sportspektakel und das Problem wäre im Nu gelöst.

Denken muss weh tun!
04
12.2.2010, 09:11
Olympia hat aber auch kaum Sinn..

...wenn es ein Wettbewerb der Pharma-Forschung und der Ärzten wird.

Zur Laborratten haben sich die Sportler selbst degradiert, als sie den Trainingsallstag mit Spritzen, Tabletten und Blutzentrifugen ergänzt haben.

unterwegs in Österreich
00
12.2.2010, 12:54
Ich bin auch nicht der Ansicht, dass es gut wäre

aber die REalität wird anders ausschauen. Es geht in allen Bereich inzwischen um viel Geld.
Das IOC wil Geld
Die Nationalen OC wollen Geld
Der Sportler will Geld
Die Dopingindustrie (wird sich von der Pharmaindustrie abkoppeln) will auch Geld

Bezahlen wird alles der Zuseher, direkt oder indirekt und er wird nicht gefragt, sondern wird darüber erfreut sein, wenn die Höchstgeschwindigkeit bei der Abfahrt auf 180 steigt und der Schiflugrekort bei 361,4 m liegen wird.

Peterk K
00
12.2.2010, 10:19
Warum keine PharmaMedizinOlympiade?

Physik, Mathematik u.a. haben ja auch ihre olypmpischen Wettbewerbe

Erzpiefke
 
31
11.2.2010, 20:47
Bei den Russen drückt man das ganze Hirn zu,

und die Claudia Pechstein wird als EINZIGE Athletin aller Zeiten durch einen "indirekten" Beweis überführt. Nicht durch Doping sondern durch die Doping-Kontrollen werden die Wettbewerbe verzerrt.

seelenloser Stahlbolzen
02
12.2.2010, 09:44
nicht als einzige,

sondern als erste.

Erzpiefke
 
00
12.2.2010, 15:58

Bislang auch die einzige. Es gibt keine einzige weitere Doping-Sperre mit dieser Begründung.

Susi Wolf
00
24.2.2010, 14:43
Pechstein war weder die einzige noch die erste!

Lesen Sie mal nach, was man unter der Bezeichnung "Monika Galambfalvy" alles so findet beim Googeln. Eine völlig unbedeutende österreichische Schach!!!-Spielerin, die zwei Jahre wegen "Doping" gesperrt wurde, weil sie ihre Dopingprobe nicht am Sonntag sich abnehmen hat lassen - sondern erst am Montag darauf.

Christ Kind
00
12.2.2010, 16:37
das wird

aber nicht so bleiben, warten Sie es ab.

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