Ein Kampf gegen die Zeit

11. Februar 2010, 18:44
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    foto: kim frank

    Peter Hein (Mitte) und seine 1979 gegründeten Fehlfarben veröffentlichen mit dem neuen Album "Glücksmaschinen" eine der stärksten Arbeiten ihrer sich dem Erfolg verweigernden Karriere.

     

     

Peter Hein und die Fehlfarben, die wichtigste deutsche Band der neueren Neuzeit ("Es geht voran"), veröffentlichen mit "Glücksmaschinen" ihr bestes Album seit "Monarchie und Alltag" von 1980

Wien - Vor 30 Jahren brachten Peter Hein und seine Düsseldorfer Bandkollegen von Fehlfarben mit dem Album "Monarchie und Alltag" ein zentrales Werk der deutschen Popgeschichte heraus. Neben Arbeiten von Can, Ton Steine Scherben, Kraftwerk, Deutsch-Amerikanische Freundschaft oder Einstürzende Neubauten wurde hier radikal subjektiv das Lebensgefühl einer Generation auf den Punkt gebracht. Das Alleinstellungsmerkmal der Fehlfarben: ein heute vorbildlicher deutschsprachiger Beschwerderock-Stil mit laut quengelnden Gitarren.

Dieser sehr gern auch eine Spur neben der jeweiligen Grundtonart dargebrachte Deklamationsstil rief später in dieser Konsequenz nur noch selten eine ähnlich radikal formulierte Verweigerungshaltung hervor. Wir sprechen über eine in Liedern wie "Das war vor Jahren", "Paul ist tot" oder "Gottseidank nicht in England" gerade auch über die Etablierung eines streng subjektiven Wir-Gefühls betriebene Ablehnung gesellschaftlicher Mindestanforderungen. Von Verantwortung musste man erst gar nicht reden.

Wer, so wie Peter Hein, zeitlebens nicht "dazugehören" will, hat nicht nur einiges zu beklagen. Diese seit mittlerweile über drei Jahrzehnte betriebene Renitenz ruft auch zahlreiche Nachahmungstäter auf den Plan. Tocotronic, Die Sterne, Goldene Zitronen, Surrogat, die frühen Blumfeld, allesamt Schüler der Fehlfarben, konnten dies mitunter kommerziell besser vermarktbar formulieren. Das Original blieb allerdings unerreicht. "Monarchie und Alltag" verkaufte bis heute trotz aller Beweihräucherung trotzdem nur relativ schmale 250.000 Stück.

Modernisierungsverweigerer

Das aufsässige Original, das, abgesehen von einigen kurzfristigen Comebacks, seither geschwiegen oder mit der Zweitband Family Five verbindlichere, an Sixties-Mod-Rock angelehnte Partymucke für Modernisierungsverweigerer betrieben hatte, brach auseinander. Ein Brotberuf als siebter Zwerg von links in einem globalen Technologieunternehmen, von Hein bis herauf in die Nullerjahre und zu seinem 50. Geburtstag betrieben, war einer Karriere im Oldie-Zirkus renitenter Punk-Frührentner allemal vorzuziehen.

2002 folgte mit dem Album "Knietief im Dispo" und der Single "Club der schönen Mütter" ein bejubeltes Comeback. Zuletzt folgten 2007 die durchwachsene Arbeit "Handbuch für die Welt" und tendenziell missmutig betriebene, aber mitunter mitreißend gallige Gastspielreisen durch die deutsche und österreichische Provinz. Außerdem ein Umzug von Düsseldorf nach Wien; der Liebe wegen.

Mit dem angenehm schmal gehaltenen neuen Album "Glücksmaschinen" und neun Songs drücken die Fehlfarben nun ordentlich aufs Gaspedal. Wir hören Großtaten wie den Titelsong "Neues Leben", die rührende Anti-Facebook-Hymne "Vielleicht Freunde 5" ("Man wusste doch nie, ob man wirklich Freunde hat, erst der Freundezähler hat's an den Tag gebracht.") oder "Wir Warten" (Ihr habt die Uhr, wir die Zeit). Eventuell müde gewordenem Aufbegehren wird mit Tempo und Affektaufladung entgegengearbeitet.

Nach wie vor setzt Peter Hein mit schneidigem Antigesang und der Einführung eines renitenten "Wir" gegen ein unmissverständliches "Sie" auf Abgrenzung und schlechte Laune. Der Feind ist klar definiert. Wer bei "ihnen" mitmacht, hat schon verloren. Das macht mit burschikos drängenden Gitarren, hüftsteifem Discobass, modernistischen Dub-Effekten Spaß trotz Unmut. Eine Frage bleibt. Warum, verdammt noch einmal, wird jetzt schon wieder keiner zuhören wollen? (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.2.2010)

 

Fehlfarben live: Am 31. 3. im Salzburger Rockhouse, am 1. 4. in der Szene Wien, jeweils 20.00

PuBär
00
19.2.2010, 10:55

Schon wieder eine "wichtigste" Band aus Deutschland - zuletzt warens Element of Crime, ....

die Resi-Tant Evil
51
12.2.2010, 13:05
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Pardon Herr Schachinger, aber von mir wird hierzu ein Veto eingelegt.
Gut, die Fehlfarben hatten nicht _keine_ Bedeutung, allerdings, sie hatten bei weitem auch nicht jene, die Sie ihnen posthum zusprechen. Ich meine, "... wichtigste deutsche Band der neueren Neuzeit ...", Jessusmariandjosef, Herr Schachinger!

Fast mag ich dagegenhalten, in einer Zeit des positiven Nihilismus, wo in DE Musiker mit dem Krautrock-Diktat brachen, man muss erstmal 5 Jahre Zappa studiert haben, um sich auf eine Konzertbühne wagen zu dürfen, waren die (Musiker der ) Fehlfarben gstandene Krautrocker, die eilig auf den NDW-Zug aufsprangen - schlau genug, damals zu verstehen, die (damals) gegenwärtige Musik war die Antithese ihres Krautrocks. Und sie adaptierten.

das Ausland
02
12.2.2010, 13:55

Aber das ist doch Unfug, Resitant. Wie in "Verschwende deine Jugend" nachzulesen, wurden die Fehlfarben erst nur als Band behauptet, um cool zu sein, noch ohne Songs oder musikalische Kenntnisse zu haben, die dann hastig nachgreicht wurden. Von Krautrock und Muckertum also keine Rede. Und der NDW-Zug war 1979 noch im Lokschuppen, wenn überhaupt.

m+m
00
15.2.2010, 16:11

fehlfarben haben den ndw zug erst gestartet.
aber bei manchen zählt nur ein durchhalten und ständiges aufwärmen ala ärzte

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