Österreich ist gut unterwegs im virtuellen Rennen um Medaillen, Kanada sogar blendend. Ab Samstag spielt es Wirklichkeit gegen Prognosen.
Seit Monaten sind Experten, Wissenschafter und andere Kundige damit beschäftigt, das Fell des Bären zu verteilen, das noch nie so groß war in der Geschichte der Olympischen Winterspiele. 86 Entscheidungen stehen bei der XXI. Auflage seit Grenoble 1924 an, Skicrosserinnen und Skicrosser sorgen dafür, dass die Spiele von 2006 um zwei Bewerbe übertroffen werden. Rund 2700 Sportler, 200 mehr als in Turin, spielen mit. Bis Samstag darf noch ungestraft spekuliert und berechnet werden, ab dann wird einfach zusammengezählt.
Die einen sagen so, die anderen so. Aber alle sind sich einig, dass die Kanadier ihr bemerkenswertes Kunststück, sowohl als Gastgeber der Sommerspiele 1976 in Montreal als auch der Winterspiele 1988 in Calgary keine einzige Goldmedaille zu erbeuten, nicht wiederholen werden.
Der kanadische Wirtschaftler Daniel Johnson, der seit 1999 ein bemerkenswert treffsicheres Prognosemodell mit sportfernen Daten wie Bruttoinlandsprodukt und politische Struktur füttert, sieht seine Landsleute mit 27 Stück, davon fünf in Gold gehalten, an der Spitze der Medaillenwertung. Österreich belegt demnach mit 25 Medaillen Rang vier. Hingegen sehe es für Deutschland, 2006 und in Turin mit 29 Medaillen, davon elf goldenen, die Nummer eins, diesmal schlechter aus.
Sports Illustrated hingegen tippt wieder auf die Deutschen als erfolgreichste Jäger, traut ihnen gar 35 Medaillen, darunter wieder elf goldene, zu. Österreich wird demnach mit 22 Medaillen, von denen fünf aus Gold sind, Platz fünf belegen. Gregor Schlierenzauer, der Weltcupweltrekordler, wird sich laut dem US-Magazin mit Olympiasiegen auf der Normalschanze und mit der Mannschaft sowie Silber auf der Großschanze beglücken, also einer der eifrigsten olympischen Hamster sein. Und die USA werden im Medaillen-Ranking hinter Kanada nur auf Platz drei landen.
Die Kanadier haben besonders viel investiert für die Heimspiele. In das Förderprogramm namens "Own the Podium" wurden in den vergangenen fünf Jahren umgerechnet rund 80 Millionen Euro investiert, für mehr als die Hälfte kam der Staat auf. Roger Jackson, Präsident des Programms, verspricht sich davon den Sieg in der Medaillenwertung und sagt: "Wir sind nicht größenwahnsinnig. Dieses Ziel ist realistisch. Kanada wird stolz sein."
Gold gebiert Gold
Zur Goldenen dazu gibt's für jede Kanadierin, jeden Kanadier 90.000 Euro. Ein Klax gegen den Geldsegen für italienische Olympioniken, die sofort 140.000 und danach bis 2014 jährlich 30.000 Euro kassieren. Russen winken vom Staat rund 75.000 Euro und ein Luxusauto, Österreichern 15.000 Euro und 17 goldene Philharmoniker. Zu alldem kommen noch die Prämien der Ausrüster, doch die unterscheiden sich dramatisch je nach Sportart. Der Rodler hat es in dieser Beziehung lange nicht so gut wie der Skifahrer. Das Leben ist ungerecht. (Benno Zelsacher aus Vancouver, DER STANDARD Printausgabe 12.02.2010)