Es ist Zeit, Lob zu spenden, meint Luzia Schrampf
Österreich gilt als flächendeckend wein-sozialisiert. Dem breiten
Weinpublikum spricht man einige Weinkenntnis zu, dass es den Wert einer
guten Flasche zu schätzen wisse und Qualität auch einfordere. Es gibt
jedoch eine Bastion, wo die kollektive Wein-Erziehung noch nicht oder
maximal nur sehr punktuell gegriffen hat: die Skihütten.
Als ob
sie exterritoriales Gastronomieland wären, werden Gäste bevorzugt mit
Tropfen abgespeist, die man im Alltagsleben nicht ohne weiters
anzubieten wagt, respektive auch nicht akzeptieren würde. Wenn's nur
kalt genug serviert wird, dann merkt eh keiner was.
Wein-affine Hütten
Doch auch
das ändert sich, und das freut die gar nicht so wenigen weinliebenden
Skifahrenden, die nicht einsehen wollen, weshalb man sich ausgerechnet
in der Freizeit mit Schlechtem begnügen sollten, und das oft bei
ambitionierter Preisgestaltung. Vor einigen Jahren bereits begann die
steirische Weinwirtschaft damit, Winzer und Weine an die Schneebar auf
die Skiberge im Ennstal zu bringen. Seit heuer werden in der Skiwelt
Amadé Wein-affine Hütten gekennzeichnet, die mit besonderem Angebot und
Service aufwarten. Positiv zu registrieren ist, dass die Idee auch
außerhalb von offiziellen Marketingaktionen Zuspruch findet.
Anspruchslose Kellerprinzen und Rabiatperlen verschwinden zusehends aus
den Karten und werden durch Qualitätsvolleres ersetzt.
Wenn
jetzt noch sickert, dass es um ein Glas Wein des Schmeckens und nicht
der Wirkung wegen geht, brechen selbst in wildesten
Halligalli-Skiwelten paradiesische Zeiten an. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/12/02/2010)