Stadt Wien schüttet 4,8 Millionen für Wahljahr 2010 aus

Saskia Jungnikl und Rosa Winkler-Hermaden, 12. Februar 2010, 10:16
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    quelle: derstandard.at
  • Akt zur "überplanmäßigen Ausgabenüberschreitung" zum Download.

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    Mehr Geld für die Stadt? Nein, aber mehr Geld für Wahl-Werbung in der Stadt. Der Ausschuss im Rathaus beschließt eine Erhöhung um satte 4,8 Millionen.

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    Zählen die schicken Uniformen der Stadt-Wien-Mitarbeiter bei der Volksbefragung auch zum Budget für Öffentlichkeitsarbeit?

Margulies: 350.000 Euro der Volksbefragung ging an die Kronen Zeitung

Die Stadt Wien greift angesichts des Wahljahrs 2010 tief in die Taschen. In einer morgen stattfindenden Ausschusssitzung soll das Budget für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinderatswahlen im Vergleich zu 2005 um ganze 392 Prozent erhöht werden. Hatte die Stadt Wien vor fünf Jahren noch 918.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung, sollen es 2010 satte 3,6 Millionen Euro brutto sein.

Folgende Budgeterhöhungen beschließt der Ausschuss für Integration, Konsumentenschutz, Frauen und Personal morgen:

  • 1,2 Millionen Euro, die für die Präsidentschaftswahl im April zur Verfügung stehen sollen.
  • Und 3,6 Millionen für die Gemeinde- und Bezirksvertretungswahl im Oktober.

Insgesamt eine satte Erhöhung von 4,8 Millionen Euro für das Wahljahr 2010.

ÖVP: 180 Millionen für Öffentlichkeitsarbeit

Die ÖVP Wien sieht darin nur die Spitze des Eisbergs. Stadträtin Isabella Leeb sagt im Gespräch mit derStandard.at: "Wir haben uns ausgerechnet, dass die Stadt Wien und somit die SPÖ im Wahljahr insgesamt 180 Millionen Euro für Öffentlichkeitsarbeit ausgibt". In dieser Summe enthalten sei unter anderem auch das Budget für den Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, so Leeb.

"Das ist schlichtweg eine Katastrophe", sagt sie. "Flyer kann man nicht essen und bunte Broschüren sind kein Dach über dem Kopf", spielt Leeb auf die hohe Zahl an Armutsgefährdeten in der Stadt an.

Grüne: "Geld bleibt in Familie"

"Als der Antrag kam, hab ich gedacht: Jetzt drehen sie komplett durch", sagt auch Martin Margulies von den Wiener Grünen zu derStandard.at. Kürzlich wurden fünf Millionen für die Volksbefragung ausgegeben, außerdem zwei Millionen für Werbung für die Wiener Kindergärten. "Geld für die Stadt Wien ist Geld für die Wiener SPÖ - Da bleibt alles in der Familie."

Auch die ÖVP befürchtet Vorteile für die SPÖ. Zwar kommt das Geld für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wien zugute, befürchtet wird trotzdem in erster Linie die Werbung für die SPÖ. Leeb findet zwar, dass es wichtig ist, die Bürger über stattfindende Wahlen zu informieren. "Diese horrenden Summe sind aber nicht nötig".

Und eines steht fest: Die SPÖ profitiert von der vermehrten Werbung für die Bundespräsidentschaftwahl am meisten. Heinz Fischer könnte dank des Zuwachses an Informationsmaterial durch das erhöhte Budget an Wählern gewinnen und das würde wiederum die Ausgangslage für die Wien-Wahlen im Oktober verbessern.

"Reihe von Kommunikationsmaßnahmen"

Der offizielle Grund für die Erhöhung und dessen Verwendungszweck ist im Übrigen etwas undurchsichtig. In dem derStandard.at vorliegenden Papier (siehe Anhang) wird vor allem die sinkende Wahlbeteiligung ins Feld geführt. So sei eine Erhöhung für eine "Reihe von Kommunikationsmaßnahmen" nötig, um "die Wahlberechtigten über Zeitpunkt, wahlwerbende Personen bzw. Parteien, über die verschiedenen Möglichkeiten der Stimmabgabe" zu informieren.

350.000 Euro an Kronen Zeitung

Von der Erhöhung profitieren wird im Übrigen nicht nur die SPÖ, sondern auch die Medien. Allen voran die Kronen Zeitung (siehe Grafik). Martin Margulies veröffentlichte auf seiner Homepage Zahlen, wonach vom Geld der Volksbefragung bisher 350.000 Euro an die Zeitung von Hans Dichand geflossen seien. Ein weiterer Löwenanteil ging an die Gratiszeitung Heute. "Das Anfüttern der Medien zwecks positiver Berichterstattung hat System", so Margulies.

800 Millionen Euro Defizit

Dass die Summen des diesjährigen Budgets außergewöhnlich hoch sind, zeigt auch der folgende Vergleich: Bei den Bundespräsidenten- und EU-Wahlen 2004 lag das vergleichsweise geringe Budget bei insgesamt 750.000 Euro.

Finanzpolitisch unklug mutet die Erhöhung an, bringt man sie mit dem Budgetbeschluss 2009 in Verbindung: Schließlich prognostizierte Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) vergangenes Jahr 800 Millionen Euro Defizit und damit ein Anwachsen des Schuldenstandes um fast 17 Prozent.

Die zuständige SP-Stadträtin Sandra Frauenberger war für derStandard.at bisher nicht zu erreichen. (nik, rwh, derStandard.at, 11.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 216
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Grünwähler
02
21.2.2010, 14:27
Tja, die Wiener SPÖ

interessiert sich halt nur für sich selbst - und für die Freunderln bei Gewista, Kronenzeitung, Flughafen und Co.

evolution hunter
00
28.4.2010, 18:55

Nach der Wahl sind wir diese verhaberten Kommunistenclans endlich los!

kakophobikerin
03
15.2.2010, 08:16
... wird vor allem die sinkende Wahlbeteiligung ins Feld geführt

zum heulen.
die leute sehen keinen sinn mehr darin ihre stimme abzugeben, weil sie damit ja e NIX beeinflussen können ... egal welche partei, das steuergeld wird ja prinzipiell in megaportionen verschwendet bzw. freunderln zugeschanzt.

reaktion: wir müssen mehr geld in PR investieren (vulgo: den freunderln zuschanzen) , denn die leute gehen ja einfach grundlos nicht mehr wählen!! wahrscheinlich liegts daran, dass sie nicht wissen, dass wahlen sind!! also schnell, schnell, broschüren drucken lassen!

un-fass-bar!

wann steht das volk auf und schmeisst diese inkompetenzler allesamt raus? maden im speck, bäääh.

Michl52
00
15.2.2010, 21:52

Ja - dann reagieren Sie einfach richtig, wählen Sie diese Verprasser des Volksvermögens einfach ab.
Ein Overkill an Werbung könnte dem durchaus dienlich sein.

vive
 
01
15.2.2010, 11:00

"wann steht das volk auf" - ja - wann tun wir endlich was ?!

Martin Margulies
17
12.2.2010, 13:35
350.000 für Krone nur seit 1.Februar

um das ganze noch zu verdeutlichen. die obengenannten 350.000 € an die krone sind lediglich die insertionen im rahmen der volksbefragung (stand gestern - heute schon wieder 21.000 € dazu)

innerhalb der letzten drei monate erhielt die kronen zeitung von der stadt wien bzw. ihren unternehmungen inserate in der größenordnung von 2 mio. euro

systemfehler1
31
12.2.2010, 16:37
Wären sie so nett, als Protagonist

einer "Aufklärerpartei", auch einmal aufzulisten, was die Um- und Vorfeldorganisationen einer ÖVP zum "Erhalt" des Boulevards beitragen?

Was auf dem Wege der politischen "Umwegrentabilität" an die Medien fließt, wird da gerne verschwiegen. IV, WK, RAIKA und sämtliche angeschlossenene Großunternehmen buttern ihre Kohle unverschämt zu ausschließlich konservativen Propagandazwecken in die Journaille.

Den Menschen auch dann noch zu erklären, dass das demokratiepolitischer Humbug und pure Manipulation ist, ihnen also die Wirkmechanismen dieses "Spiels" zu erklären. Wenn sie dass schaffen, dann wähle sogar ich grün.

Aber als Mitspieler werden sie´s wohl nicht wagen, einen eventuellen Partner zu vergraulen.

Arthur Hobel1
00
13.2.2010, 14:41

wären Sie so nett, sich auch als protagonist erkenntlich zu zeigen? Wieviel kriegen Sie denn von den Verrätern für Ihre depperten postings? damit die roten untergehn würde ich sogar den hc wählen, und ich glaube, es geht vielen so...

minski
03
12.2.2010, 17:05
Wien (OTS) 30.09.2007: http://www.ots.at/presseaus... 30_OTS0008

"Die heute veröffentlichten Zahlen zu den Wahlkampfkosten sind eine eindrucksvolle Bestätigung der Kritik der Grünen, dass die von ÖVP und SPÖ angegeben Zahlen nicht im Entferntesten der Wahrheit entsprochen haben", kritisiert Michaela Sburny, Bundesgeschäftsführerin der Grünen. Im Wahlkampf sprachen beide von 7 Millionen, tatsächlich gab die ÖVP nun zugegebene 17,3 Mio., die SPÖ zugegebene 14,5 Mio. Euro aus. In diesen Zahlen sind aber die Ausgaben der Länderparteien und Vorfeldorganisationen der Großparteien noch gar nicht eingerechnet. Dazu kommen noch die
Parteispenden via Industriellenvereinigung oder Gewerkschaft, die laut Gesetz nicht offengelegt werden müssen."

Alo
12
12.2.2010, 16:19
S.g. Hr. Margulies,

wenn das in einer Krise mit der höchsten Arbeitslosigkeit der 2. Republik und großer Armutsgefährdung wieder alles aus öffentlichen Mitteln finanziert werden muss - kann man das nicht wie Hartz 4 vor den Verfassungsgerichtshof bringen?
Irgendwer muss hier doch wieder für Demokratie, Recht und Ordnung sorgen!

Das ist zu schamlos! Der geschröpften Bevölkerung reichts endgültig mit Machtmissbrauch, Korruption, Lügen, Demütigungen und Abzocke! Für Banken, gewissenlose Parteien und ihre Opernball-, Jägerball und WKR-Ball-Freunde sind jederzeit Milliarden vorhanden. Für ihre Krisenopfer, für aktive Armutsbekämpfung, Arbeitsplatzbeschaffung, Bildung und Recht durch eine unabhängige Justiz aber nie.

Schljapnikow der IV
01
12.2.2010, 14:57

wie immer sehr weitsichtig von der SPÖ

bananistani
14
12.2.2010, 12:58

die 350.000 sind ein demokratiepolitischer skandal.

systemfehler1
25
12.2.2010, 12:31
In Relation zu den Beratergebühren

der Schüssel-Regierung sind das Peanuts.

Allerdings zu viele.....

anton anton
12
12.2.2010, 16:18
ein noch immer schüssel verfolgter

Protagoras v. Abdera
02
12.2.2010, 12:12
Angesichts dieses Defitits wirds Zeit, auch den Heldenplatz an Szene-Gastronomen zu vermieten.

wolf stroh
 
00
12.3.2010, 13:43
...plus rathaus und ballhausplatz!!!

ubu roi
28
12.2.2010, 11:49

man kann in wien guten gewissens nur grün wählen. die spö-monarchie ist in ihrer präpotenz abstoßend, die schwarzen sind ein lächerlicher haufen von autofetischisten, an die braunblauen streift man nicht einmal irgendwie an, hat man noch einen rest selbstachtung und menschlichkeit in sich. es gibt also gar keine wahl, jetzt bleibt nur zu hoffen, dass van der bellen nicht nur auf bezirksebene antritt.

4Lessing
00
12.2.2010, 18:53
@ubu roi

Es gäbe noch Wahl-Alternativen für Sie. Das Wirtschafts-Wahlprogramm der Wiener Liberalen (http://wien.liberale.at) verlangt (TZ 16), dass die Stadt Wien klare, verständlich formulierte und nachvollziehbare (Wirkungs)Ziele, daraus abgeleitete Maßnahmen und Indikatoren für eine Erfolgsmessung bei jedem Jahresbudget von vornherein festlegt.

Dann wären solche nachträglichen Budgettricks nicht mehr so leicht möglich. Was die Wiener Liberalen verlangen, macht die Stadt Wien übrigens jetzt schon im Budget (auf rd. 50 Seiten). Beim Gender Budgeting (Erweiterung der Budgetpolitik um die Geschlechterperspektive).

Buck Rodgers
02
12.2.2010, 14:04
...naja

es ist schon ein bissl armselig, dass man jetzt die urgesteine aus dem keller holt, weil man die letzten fünf jahre kein profil gezeigt hat und jetzt draufkommt, dass wieder einmal wahlen sind...

Arthur Hobel1
00
13.2.2010, 14:57
ja schon,

ist durchaus richtig, aber wieviele integre politische personen kennen Sie noch? für mich sind's VdB und Busek. ansonsten gibts noch wu wei - nichtwählen macht mich seit jahren glücklich, kanns nur empfehlen!

NONE
01
12.2.2010, 12:25

Tja, VdB als Zugpferd in Wien wär was. Ansonsten glaub ich nicht das die Grünen irgendwas reissen können.

madman
012
12.2.2010, 11:30
überall, wo politiker haushalten, gibts das gleiche, schräge bild

als wären steuergelder keine gelder.
die unverschämtheit, mit der steuergelder verheizt, rausgeschmissen, veruntreut u.ä. werden, ist schon beindruckend, im negativen sinne.
und der normalsterbliche kann nichts, aber rein garnichts dagegen tun

zkk
 
23
12.2.2010, 11:19
"Das Anfüttern der Medien zwecks positiver Berichterstattung hat System", so Margulies.

dieses system hat uns einen bk faymann beschert.

dieses system der freunderlwirtschaft ist bei ALLEN landesparteien, die in ihrem bundesland mit absoluter mehrheit jahrzehntelang regieren, zu bemerken.

als wiener ist für mich deswegen die spö für immer unwählbar, diesem sumpf gilt seit jahrzehnten meine verachtung.

zugegeben, wäre ich in einem övp dominierten bundesland aufgewachsen, wäre ich vielleicht ein strikter övp-gegner.

dass viele ehemalige rot-wähler jetzt lieber blau wählen, in erster linie aus protest, ist angesichts des unverschämten griffs der roten in den steuertopf für die "paddei" und deren freunderln nicht überraschend.

schwarz und grün in wien sind (eher laue) alternativen, leider nicht mehrheitsfähig...

Schnur
01
12.2.2010, 13:52
Sie widersprechen sich selbst!

Wollen Sie nun in einer Krise mit höchster Arbeitslosigkeit und einem gigantischen Budgetdefizit politisch organisierte Korruption und Verschwendung von dringend benötigten Steuermitteln oder nicht?
Wer das alles nicht mehr akzeptiert, MUSS Grün als einzige Alternative wählen, als einziges Korrektiv.

feuerrot
311
12.2.2010, 11:19
3,6 millionen werden den sozen auch keinen sieg bringen.

weitere kommunikationsmaßnahmen können sie sich mangels inhalten sparen, es interessiert doch niemanden mehr was sie zu sagen haben.

aber mit unserem geld waren die sozen schon immer sehr großzügig. sie sind einfach zu minderbemittelt um es gezielt einzusetzen.

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