Holtzbrinck-Verlag trotzt Medienkrise 2002

9. April 2003, 15:19
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Umsatzplus dank Auslands- und Regionalgeschäft

Die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat nach den Worten von Geschäftsführer Michael Grabner im vergangenen Jahr trotz der Medienkrise ihren Umsatz gesteigert. Dank eines guten Auslands- und Regionalzeitungsgeschäfts habe der Holtzbrinck-Verlag 2002 ein Umsatzplus erzielt, sagte Grabner am Dienstag am Rande eines Medienkongresses in Berlin, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

"Die Situation der Wirtschaftsblätter war schwierig"

Einen Umsatzrückgang hat nach Einschätzung von Branchenkennern aber die zum Konzern gehörende Verlagsgruppe Handelsblatt verzeichnet, die ihre Zahlen am Donnerstag veröffentlichen will. "Die Situation der Wirtschaftsblätter war schwierig", sagte Grabner.

Der Holtzbrinck-Verlag, der Zeitungen und Magazine ("Handelsblatt", "Die Zeit", "Wirtschaftswoche") herausgibt und im Ausland vor allem im Buch- und Fachverlagsgeschäft tätig ist, hatte im Jahr 2001 einen Umsatz von 2,37 Milliarden Euro erzielt. Ergebniszahlen veröffentlicht der Konzern traditionell nicht.

"Die Signale sind sehr positiv"

Zur anstehenden Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums über eine Ministererlaubnis der Übernahme der "Berliner Zeitung" durch den Holtzbrinck-Verlag gab sich Grabner zuversichtlich. Die Gruppe, die auf dem Berliner Zeitungsmarkt schon mit dem "Tagesspiegel" aktiv ist, will wettbewerbsrechtliche Bedenken mit der Gründung einer Stiftung ausräumen, die die Unabhängigkeit der beiden Redaktionen garantiert. Demnach soll ein Kuratorium mit Vertretern aus Politik und Medien über die redaktionelle Unabhängigkeit wachen. Die Reaktionen auf das Stiftungsmodell stimmten optimistisch, sagte Grabner. "Die Signale sind sehr positiv."

Zurückhaltend äußerte sich dagegen Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), zu dem Vorschlag. Er befürchtet, dass Modell könne bei kartellrechtlichen Problemen auch anderen Verlagen aufgezwungen werden. "Jeder kann's machen wie er will, es darf nur nicht Schule machen", sagte er auf dem Medienforum. Die WAZ-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfalenpost") ist vor allem im deutschen Regionalzeitungsmarkt aktiv und dort ebenfalls bereits mit mehreren Zukaufsvorhaben am Einspruch des Kartellamts gescheitert. In Österreich hält sie 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" und 49,4 Prozent am "Kurier". (APA/Reuters)

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