"Jahrhundert- konstellation" Schwarz-Grün

8. April 2003, 18:30
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ÖVP-Abgeordnete Cordula Frieser im STANDARD-Interview: "Die FPÖ ist kein solider Partner"

Einem "fliegenden Wechsel" zu den Grünen stünde ÖVP-Abgeordnete Cordula Frieser positiv gegenüber. Die FPÖ sei kein solider Partner, sagt sie zu Martina Salomon.

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STANDARD: Wäre ein "fliegender Wechsel" der ÖVP zu den Grünen vernünftig?

Frieser: Wenn die Grünen diese Stabilität mitbringen, die die FPÖ im Moment nicht aufweist, dann kann man dem nur zustimmen. Punkt. Ich glaube nur nicht, dass es realistisch ist, weil es von der grünen Basis auch dieses Mal sicher nicht goutiert würde.

STANDARD: Herrscht Sorge in der ÖVP, dass der Koalitionspartner zusammenbricht?

Frieser: Natürlich. Was immer man mit der FP vereinbart: Es genügt eine Reise von Herbert Haupt nach Kärnten, und die Welt sieht wieder anders aus.

STANDARD: Gibt es Kontakte zwischen Schwarz und Grün?

Frieser: Weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass einige VP-Koalitionsverhandler nach wie vor eine gute Gesprächsbasis zu den Grünen haben.

STANDARD: Aber aus der Sicht der Grünen wird’s schwierig?

Frieser: Ja, obwohl ich überzeugt bin, dass die grünen Spitzen bedauern, dass es nicht zur schwarz-grünen Koalition gekommen ist, weil das eine Jahrhundertkonstellation gewesen wäre. Die intelligenten Grünen wissen ja auch, dass sie sich in dieser Koalition profilieren hätten können und nicht mehr das Image der Chaoten gehabt hätten.

STANDARD: Gäbe es in der ÖVP genug Unterstützung für einen Wechsel zu den Grünen?

Frieser: Ich glaube, es gibt nach wie vor eine große Zahl an Befürwortern, die das als attraktive Lösung empfinden.

STANDARD: Sollte die ÖVP diesen Weg ernsthaft versuchen?

Frieser: Da kann ich keine Ratschläge erteilen. Aber die Volkspartei sollte es eventuell für die nächsten Wahlen als Option in Betracht ziehen.

STANDARD: Die könnten rasch kommen. Wie lange hält das schwarz-blaue Projekt?

Frieser: Das lässt sich nicht abschätzen. Also: Ein solider Partner ist die FPÖ nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.4.2003)

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