Arabische Presse betont Solidarität mit irakischem Volk

8. April 2003, 16:41
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Kuwait sieht "Sonnenaufgang des Bruders" - "Al-Ahram" fordert "größte Anstrengungen" der Araber

Hamburg/Wien - Im Mittelpunkt der Berichterstattung in den arabischen Zeitungen steht die Solidarität mit dem Volk des Irak und die Rolle Israels im Krieg. Zugleich werden starke Zweifel an der Zukunft der UNO laut, berichtet "Spiegel-Online" am Dienstag.

Die kuwaitische Tageszeitung "al-Seyassa" berichtet von der Sondersitzung des Golfkooperationsrats (GCC). Nachdem sich Kuwait am Anfang des Krieges von etlichen arabischen Ländern wegen seiner Unterstützung für die USA ungerecht behandelt gefühlt hatte, erfährt es nun Genugtuung. Der Außenminister von Katar bekräftigte die Solidarität mit Kuwait. Die arabischen Golfländer seien "alle auf der Seite Kuwaits und unterstützen es bei allen Sicherheitsmaßnahmen. Jede Gefährdung der Sicherheit Kuwaits ist auch eine Gefährdung der Sicherheit der Golfländer", so der Minister. Der kuwaitische Außenminister "lobte die Position der Brüder gegenüber Kuwait". Gleichzeitig "fühlen die Staaten des Golfkooperationsrates mit dem irakischen Volk im Schatten der gegenwärtigen Umstände." Kuwait erblickt schon "den Sonnenaufgang des Bruders Irak, der seinen Nachbarn respektiert, die arabischen Gepflogenheiten achtet und sich an alle internationalen Resolutionen hält."

Allerdings ergänzt die saudische Zeitung "Okaz" in ihrem Leitartikel, dass "es unsere Pflicht ist, angesichts der brennenden Lage im Irak die Staatengemeinschaft aufzurufen, dem irakischen Volk ein Recht auf Selbstbestimmung zuzubilligen ohne westliche Vormundschaft oder internationalen Pseudo-Schutz. Nur so kann man der Welt zeigen, dass das Völkerrecht noch vorhanden ist."

Ganz anders die Stimmung in Ägypten: "Die arabische Nation darf nicht vor der Katastrophe im Irak-Krieg und deren Auswirkungen auf die ganze Region kapitulieren", beschwört die ägyptische Zeitung "al-Ahram" indessen ihre Leser. "Im Gegenteil, alle arabischen Staaten müssen jetzt gemeinsam auf internationaler Ebene größte Anstrengungen unternehmen, um weiteres Blutvergießen unserer irakischen Brüder zu verhindern. Wir müssen die weltweite Front gegen die amerikanische Politik festigen. Die arabischen Staaten könnten mit Hilfe der UNO-Charta die Staatengemeinschaft dazu bringen, das Problem Tag und Nacht zu diskutieren und Druck auszuüben. Die arabischen Staaten könnten dies durch ihre guten Beziehungen mit dem europäischem, dem afrikanischen und dem islamischen Block forcieren." Denn "sein oder nicht sein - das ist hier die Frage für die Araber in diesen schicksalhaften Zeiten", resümiert das Blatt.

Der verbale Rückgriff auf die UNO scheint aber mehr aus Verzweiflung zu geschehen, denn die Organisation hat auch in der arabischen Welt stark an Ansehen eingebüßt. Die libysche Zeitung "al-Jamahirija" fragt schon seit Kriegsbeginn ihre Leser nach der Zukunft der UNO. 50 Prozent sagen, die UNO wird zukünftig ohne Einfluss und Effizienz sein, und 38 Prozent meinen, sie wird wie der Völkerbund enden und untergehen. Nur ganze sechs Prozent prognostizieren ihr eine starke Handlungsfähigkeit.

Die englischsprachige "Jordan Times" macht ein ganz anderes Themenfeld auf: "Viele Artikel haben sich mit den amerikanischen Interessen im Irak beschäftigt, aber nur wenige mit der israelischen Dimension in diesem Krieg. Einerseits gibt es da die Verschwörungstheorie, die sich auf den Kongressabgeordneten Moran beruft, der sagte: 'Wenn die jüdische Gemeinde in den USA nicht so stark für den Krieg plädiert hätte, würden wir ihn nicht führen.' Andererseits hat auch Israel selbst viele Probleme mit dem Irak. 1948 hat sich der Irak als einziges arabisches Land geweigert, einen Waffenstillstand mit Israel zu unterzeichnen. In Folge dessen befindet sich Israel immer noch im Kriegszustand mit ihm. Zudem hat der Irak nie ein Hehl daraus gemacht, dass er ganz Palästina vom Mittelmeer bis an den Jordan befreien wolle. Israel hat auch Interesse an einem zügigen Sieg der Amerikaner, damit der irakische Widerstand nicht zum Vorbild für den palästinensischen Unabhängigkeitskampf wird. Die Einsetzung eines pro-amerikanischen Regimes wird außerdem verhindern, dass sich eine Front im Osten Israels zusammenbraut."

Eine zweite jordanische Zeitung - "al-Dustour" - beleuchtet in diesem Zusammenhang aber ganz andere Interessen Israels: "Aus dem israelischen Blickwinkel ist der Krieg der USA vor allem ein Wirtschaftsunternehmen, das dazu dient, Israels Beziehungen zu den Nachbarn zu normalisieren. Bald könnte wieder eine irakische Pipeline Öl in den Hafen von Haifa bringen - ein Vorgang, der mit der palästinensischen Katastrophe von 1948 endete."

Die libanesischen Zeitungen "Daily Star" und "an-Nahar" berichten abseits der Nachkriegsszenarien von einer Explosion in einer libanesischen McDonalds-Filiale am vergangenen Samstag. Dabei sollen fünf Menschen leicht verletzt worden sein. Präsident Emile Lahoud sagte, dass dieser Akt nur "den Feinden des Libanon" diene. "Niemand darf Vorteile aus dem Irak-Krieg ziehen, um die Lage im Libanon zu gefährden." Der Präsident wies darauf hin, dass der Ladeninhaber sowie alle Gäste Libanesen seien. Wer den Anschlag verübt hat, ist noch unklar.

Und ihre Internetplattform meldet die palästinensische Organisation Hamas erste Erfolge an der Boykott-Front: "Letzte Woche haben etliche Palästinenser ihre in Amerika hergestellten Autos angezündet, um gegen die anglo-amerikanische Invasion des Irak zu protestieren." (APA)

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