Moskau bangt um lukrative Ölverträge

8. April 2003, 15:34
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Russische Unternehmen werden nach Putins Nein zum Krieg kaum zum Zug kommen

Moskau - Die Prognosen russischer Erdölunternehmen fallen in diesen Tagen nicht zum Besten aus. Die Erfolge der US-Truppen im Irak lassen den Ölpreis fallen. Zudem muss Russlands Ölindustrie bei einem Regimewechsel in Bagdad befürchten, lukrative Förderverträge aus Zeiten Saddam Husseins zu verlieren. Während der Kreml auf eine UN-Beteiligung beim Wiederaufbau dringt, setzen die russischen Ölunternehmen auch auf direkte Abmachungen mit den USA.

Von einem Konfrontationskurs gegen Amerika rät Leonid Fedun, Vizepräsident des größten russischen Erdölunternehmens Lukoil, ab. "Ich habe keinen Zweifel, dass auch nach dem Krieg im Irak russische Unternehmen arbeiten werden, darunter auch wir", sagte der Ölmanager der russischen Zeitung "Kommersant". Lukoil scheint nach Absprachen zwischen irakischen Oppositionellen und US-Vertretern immerhin zu den Firmen zu gehören, die neben den amerikanischen und britischen Ölmultis Verträge ergattern können.

Lukoil-Abkommen gekündigt

Während der UN-Sanktionen entfielen in den vergangenen Jahren 40 Prozent der erlaubten irakischen Außenhandelsgeschäfte ("Öl für Lebensmittel") auf russische Firmen. Lukoil hatte 1997 Verträge über Bohrungen im Ölfeld West-Kurna mit geschätzten Vorräten von etwa acht Mrd. Barrel abgeschlossen.

Das Abkommen war jedoch von der irakischen Führung Ende 2002 aus Enttäuschung über fehlenden Widerstand Moskaus gegen einen US-Angriff gekündigt worden. Dagegen spricht Fedun von "international abgesicherten Verträgen". Lukoil habe bei Aufkündigung einen Schadensersatzanspruch "in zweistelliger Milliardenhöhe".

Moskau in schlechter Position

Während die Soldaten noch um die Hauptstadt Bagdad kämpfen, werden am grünen Tisch bereits erste Konzessionen für den Wiederaufbau der irakischen Industrie vergeben. Wenig Begeisterung dürfte in Moskau die Nachricht ausgelöst haben, dass ein US-Unternehmen bereits einen Vertrag für Reparaturen der veralteten Ölförderanlagen im Irak in der Tasche hat. Die Fördertechnik stammt überwiegend aus sowjetischer Produktion.

Bereits vor Kriegsbeginn hatten russische Experten davor gewarnt, dass sich Russland mit seinem Widerstand gegen den Krieg in eine schlechte Position manövriere. Russland macht beim Irak acht Milliarden Dollar Schulden vor allem aus Rüstungsgeschäften geltend. Bei einem Regimewechsel in Bagdad, so fürchtet Moskau, könnten die Verbindlichkeiten eingefroren werden.

Seit die Panzer in Richtung Bagdad rollen, betont Präsident Wladimir Putin, ein Sieg der Amerikaner sei auch im wirtschaftlichen Interesse Russlands. Wenig zuversichtlich äußerte sich dagegen der Industrieminister Ilja Klebanow über die Wirtschaftsaussichten seines Landes im Irak. "Jetzt, wo die USA die Kontrolle übernehmen, ist es gut möglich, dass die Verträge für ungültig erklärt werden", sagte Klebanow der Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). (APA/dpa)

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