"Haben kein amerikanisches Feindbild"

8. April 2003, 18:37
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Österreichs Draken-Piloten sind in höchster Alarmbereitschaft - Die Probleme: Die alte Saab-Maschine und der Populismus der Politiker

Zeltweg - Mit der Vorbereitung zum Irak-Krieg und den Kampfhandlungen hat die Zahl der Bewegungen in Österreichs Luftraum zugenommen. Für die beiden Bereitschaftspiloten im obersteirischen Fliegerhorst Zeltweg, die Hauptleute Günter Taschler und Jörg Sandhofer, ist dies "nichts Besonderes". "Das ist für uns das tägliche Brot, wir tun, was wir jahrelang geübt haben", so die beiden Draken-Piloten. Derzeit sind Bundesheerpiloten rund um die Uhr in Bereitschaft, um Überflüge im Bedarfsfall zu kontrollieren. "In höchster Alarmstufe", so Taschler.

Überstunden-Haufen für "Yeti" & Co.

15 Piloten hat das Bundesheer für die Draken-Abfangjäger noch zur Verfügung, zwei sind zuletzt zu zivilen Fluglinien abgewandert, wie Taschler mitteilte. Durch die geringe Anzahl an Piloten komme derzeit ein Haufen Überstunden zusammen, meinte Sandhofer: "Wir bauen sie aber so rasch wie möglich ab." "Es ist tatsächlich viel Überzeit", bestätigte Taschler, dessen Rufzeichen im Bundesheer-Funkverkehr "Yeti" lautet, "meine Frau würde es wahrscheinlich anders formulieren". Derzeit könne auf Grund der ständigen Bereitschaften und Einsätze nicht daran gedacht werden, fliegendes Personal für die Fliegerschule abzugeben. Es sei auch schwierig, so Taschler, den Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten, "ein Geschwader-Kommandant bzw. Trainingsleiter müsse ja auch führen können; dazu gebe es ja auch noch die administrative Arbeit", erklärte der Grazer Geschwader-Kommandant.

So gut als möglich

"Ich versuche, meinen Auftrag so gut als möglich zu erfüllen", erklärte Taschler, "aber ich ärgere mich über mangelnde Mittel bzw. mangelnde politische Unterstützung". Dabei gehe es um die Nachbeschaffung von Abfangjägern. "Die Qualität des Einsatzes wäre mit einem neuen Muster ganz anders. Man kann zu überprüfende Flugobjekte schneller erfassen und identifizieren, und man hat auch eine längere Verweildauer bei so genannten Combat-Air-Patrols über Westösterreich." Das ganze System wäre dann effizienter, sagte der Hauptmann, der derzeit eine Zwölf-Stunden-Bereitschaft in Zeltweg leistet.

Sechs in Zeltweg

Zur Zeit gibt es in Graz fünf Piloten, in Zeltweg sechs. Die restlichen vier dienen vorwiegend in Stabs- und Kommandantenfunktionen. Taschler ärgert sich über Versäumnisse der Vergangenheit: "Man hat versäumt, ein so genanntes Laufbahnbild für Einsatzpiloten zu erstellen, was wahrscheinlich auch zur Abwanderung einiger Kameraden in die Ziviluftfahrt beigetragen hat. Fairerweise muss man aber sagen, dass daran gerade gearbeitet wird." Dabei gehe es um weitere berufliche Möglichkeiten für die Jet-Piloten, wenn die Flugtauglichkeit nicht mehr gegeben sei.

Populismus der Politiker

In Zukunft werde es keine größere Veranstaltung mehr geben, ohne dass solche Ereignisse ständig im Luftraum überwacht würden, meinte Draken-Pilot Jörg Sandhofer. Aber nur wegen einer Fußball-EM könne man nicht die Abfangjäger herbeiargumentieren, ergänzte sein Kollege Günter Taschler. "Wenn man in Österreich die Bedrohungsfälle ehrlicher verkaufen würde, dann gäbe es auch mehr Akzeptanz für die Luftraumüberwachung", so Taschler. Kameraden von ihm hätten "den Populismus der Politik mit Abfangjägern" am eigenen Leibe erlebt, da habe es Zeiten gegeben, da hatten alle Piloten geheime Telefonnummern, weil sie oft als Krawallmacher und ähnliches beschimpft wurden.

"Kein amerikanisches Feindbild"

Taschler verwahrte sich dagegen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehe, dass nur amerikanische Flugzeuge abgefangen werden. "Wir haben kein amerikanisches Feindbild. Seit dem 11. September fliegen wir verstärkt Überwachungseinsätze, aber das unabhängig von der Nationalität der Flugzeuge." Laut Sandhofer, dessen Rufzeichen im internen Funkverkehr auf "Sandman" lautet, war man nach dem 11. September eher "geschärft auf terroristische Anschläge". Nun gebe es eher den Neutralitätsfall, wenn ein fremdes Flugzeug ohne Genehmigung den österreichischen Luftraum benützen wolle.

Der Luftraum ist eng

Taschler: "Wir sind jeden Tag unterwegs, auch zu reinen Grenzüberwachungsflügen ohne aktuellen Anlass. Natürlich gibt es auch Nachtflüge, aber eher selten." Die sei eine Kostenfrage, die aber auch für andere Luftstreitkräfte gelte, denn zu normalen Dienstzeiten komme es eben billiger. Es komme schon vor, dass ein Flugzeug bei Kontakt mit den Abfangjägern sich nicht melde, aber die bloße Präsenz reiche oft schon. "Die übliche Prozedur ist Anfliegen, Position neben dem Flugzeug zu beziehen und nach festgeschriebenen, international anerkannten Manövern, Kontakt aufzunehmen. Hierbei ist die ganze Aufmerksamkeit des Piloten in Anspruch genommen", so Taschler. Der Luftraum über Österreich sei eng. Man müsse die Kamera bedienen und dabei speziell über Westösterreich noch auf die Grenze achten, da bleibe nicht viel Zeit.

Es kommt auf den Inhalt an

Über ihre Maschinen, die Saab 35 OE Draken, lassen die Piloten nichts kommen: "Er ist alt, aber genau für diese Rolle gebaut worden", erklärte Sandhofer. Man habe zwar keinen Scheinwerfer für Identifizierung in der Nacht, aber die Aufträge ließen sich durchführen. Mit einem neuen Flugzeug gebe es natürlich eine höhere Qualität des Einsatzes. Sandhofer erläuterte den Unterschied zwischen Draken und gegenwärtigen Militär-Jets so: "Das ist wie ein PC. Der Flieger ist die Hülle, es fragt sich nur, was du dann für Grafik-Karten usw. drinnen hast." Ein Resümee über die derzeitige Luftraumüberwachung zieht Taschler so: "Man braucht mehr Mittel, denn: Eine Orange kann ich nicht ewig ausquetschen, irgendwann ist der Saft draußen." (APA)

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    Die Draken-Piloten hängen zur Zeit ziemlich in der Luft: Haufenweise Überstunden, alte Saab-Maschinen und dann noch der Populismus von Seiten der Politiker. Ein Pilot: "Eine Orange kann ich nicht ewig ausquetschen, irgendwann ist der Saft draußen."

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