Warten auf Lebenszeichen

9. April 2003, 10:44
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Trotz der größten je in Algerien gestarteten Suchaktion fehlt immer noch jede Spur von sechs Reisegruppen- auch von acht Salzburgern

Salzburg/Algier - "Es gibt derzeit zumindest keine neuen Meldungen über weitere Vermisste." Thomas Buchsbaum, Gesandter an der österreichischen Botschaft in Algier, ist um eine gute Nachricht bemüht. Doch den Angehörigen von acht Salzburgern, die in der Sahara vermisst werden, blieb auch Dienstag nur die Hoffnung.

Ein Großaufgebot von algerischen Soldaten und Gendarmen durchkämmt seit einer Woche die Sahara im Südosten des Landes. In dem Gebiet in der Größe von Frankreich sind seit 10. März insgesamt sechs Reisegruppen - vier aus Deutschland, eine aus der Schweiz und zuletzt vergangenen Freitag die Salzburger Gruppe - verschwunden. Alle waren in der Nähe der so genannten "Gräberpiste", einer beliebten Wüstentour zwischen den Städten Bordj Omarr Driss und Djanet, unterwegs gewesen.

29 Vermisste

Mit jedem Tag ohne Lebenszeichen der insgesamt 29 Vermissten wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie von Banditen oder muslimischen Freischärlern überfallen und entführt worden sein könnten, größer. Und so paradox es klingen mag: Darin liegt auch die größte Chance, dass die Vermissten noch am Leben sind. Der letzte Kontakt zu den vier Schweizer Vermissten etwa stammt vom 22. Februar. Hätten sie einen Unfall gehabt, wären sie ohne Hilfe wahrscheinlich bereits verdurstet.

Nahezu ausgeschlossen wird, dass sich die Urlauber wegen einer durch den Irakkrieg bedingten GPS-Störung verirrt haben. Wenn das US-Militär sein Satellitennavigationssystem, dessen private Nutzung längst zum Alltag geworden ist, absichtlich gestört hätte, wäre das in vielen Regionen aufgefallen. Was aber bisher nicht der Fall war. In Schluchten, wie sie entlang der Gräberpiste vorkommen, kann aber der Empfang sehr wohl ausfallen. Die Satelliten haben generell eine schwache Sendeleistung von 20 bis 50 Watt. Doch erfahrene Reiseführer wie Johann Kienberger (55) von der vermissten Salzburger Gruppe wissen um diese Gefahren und verwenden GPS nur zusätzlich zu genauen topografischen Karten.

Parallel zur Suche ist in Djanet die groß angelegte Rückführaktion für Touristen angelaufen. Saharareisende können sich militärisch begleiteten Konvois nach Algier oder zur tunesischen Grenze anschließen. (simo, DER STANDARD Printausgabe 9.4.2003)

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