"Visionär Mozart" als Vorbild

8. April 2003, 14:11
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Peter Sellars bringt mit Mozart eine "neue Ära" nach Wien

Wien - Die bekannte Frage, was Mozart noch getan und geschaffen hätte, wenn er nicht so früh gestorben wäre, erfährt durch die Planungen der Stadt Wien für das Mozart-Jubiläumsjahr 2006 eine neue Antwort: "Unser Festival, das ist es, was er gemacht hätte", so der US-amerikanische Theatermacher Peter Sellars.

"Mozart-Special"

Sellars wird mit einem Budget von rund zehn Mio. Euro die Spezialschiene "Mozart-Special" konzipieren - und ist damit Herr über die größte Initiative zur Kunstauftrags-Vergabe in der Geschichte Wiens. Nicht eine, gleich zwei neue "Zauberflöten", zwei neue "Clemenzas", zwei neue Requiems werden im Jubiläumsjahr in Wien zu hören sein. Auf Basis der genannten Mozart-Werke aus seinen letzten Schaffensjahren sollen insgesamt sechs neue Opern, sechs neue Filme und sechs architektonische oder stadtplanerische Projekte anlässlich Mozarts 250. Geburtstag von der Stadt Wien in Auftrag gegeben werden. Präsentiert werden sie im Jubiläumsjahr in dem dreiteiligen Festival "New Crowned Hope", das Sellars konzipiert.

Befreiung

Der Name ist die englische Bezeichnung der Wiener Freimaurerloge Mozarts und verweist auf Sellars Bild eines visionären Mozart als Vorkämpfer von Demokratie, Revolution und Versöhnung. Sellars will anhand Mozarts Gedankenwelt 2006 eine "neue Ära in Wien" einläuten - nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch. "Die Musik Mozarts bereitete die Demokratie, die Befreiung, das neue Europa der Aufklärung vor", so Sellars. "2006 wird Wien der Ort sein, wo eine neue Welt entworfen und erschaffen werden wird", ein "neuer Wiener Kongress" soll ein neues Zeitalter der "Vergebung" einläuten.

"Vergebung und Versöhnung"

So sollen, neben den künstlerischen Projekten, auch die neuen politischen Führer aus Krisenherden wie Pakistan und Indien oder dem Nahen Osten nach Wien eingeladen werden, um nach Mozarts Vorbild und Ideenwelt "Vergebung und Versöhnung" zu erreichen. In "La Clemenza di Tito" habe der Komponist die Biografie Nelson Mandelas vorweggenommen. Die Vernetzung mit internationalen Kulturinstitutionen in New York (Lincoln Center), London, Paris und weiteren Städten soll für "globale Auswirkungen" sorgen. Namen der beteiligten Künstler werde er erst im kommenden Jahr nennen, doch es werden "einige erstaunliche Namen dabei sein", so Sellars.

Blick von außen

Durchwegs alle großen Musikinstitutionen Wiens planen eigene Programme zu Mozarts Geburtstag. Wien brauche jedoch auch "den Blick von außen", der mit Sellars eingeladen werde, ist sich Mailath-Pokorny sicher. "2006 wird die Welt Mozarts 250. Geburtstag feiern. Da muss auch das Wiener Mozartjahr international sein". Sellars Spezialschiene forme zusammen mit der Umorientierung des Theaters an der Wien, wo 2006 fast ausschließlich Mozart (sowie ein Gluck-Zyklus) und ab 2007 statt Musicals nur noch Ernste Musik gespielt wird, sowie der Nachhaltigkeit der in Wien entstehenden Projekte die drei Säulen des Mozartjahres.

(APA)

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    Sellars: "Die Musik Mozarts bereitete die Demokratie, die Befreiung, das neue Europa der Aufklärung vor"

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