SARS in Afrika: Erster bestätigter Fall

9. April 2003, 13:38
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Untersuchungen in Südchina konzentrieren sich auf Virus der Familie der Coronaviren und auf Chlamydien

Hongkong/Pretoria/Genf/Toronto - Die gefährliche Lungenkrankheit SARS hat nun auch Afrika erreicht. Ein 62-jähriger Geschäftsmann, der mit Verdacht auf SARS im Krankenhaus der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria unter Quarantäne gestellt worden war, ist nach Rundfunk-Angaben vom Mittwoch positiv getestet worden.

Er war erst vor kurzem von einer Reise nach Hongkong zurückgekehrt. Es ist der erste bekannt gewordene Fall des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) in Afrika. Weltweit wurden bisher mehr als 2.600 SARS-Fälle und 100 Tote registriert.

Schutzmaßnahmen in Kanada gelockert

Trotz zwei neuer SARS-Todesfälle haben die meisten Krankenhäuser in Kanadas Wirtschaftsmetropole Toronto ihre Schutzmaßnahmen gelockert. Erstmals seit dem Ausbruch durften Besucher und freiwillige Helfer Torontos Kliniken betreten. Eine Spezialeinrichtung für SARS-Verdachtsfälle in der westkanadischen Provinz British Columbia schloss mangels Patienten, berichtete die Zeitung "Globe and Mail".

Bei den beiden neuen Opfern handelte es sich Behördenangaben zufolge um zwei ältere Menschen, die bereits wegen anderer Gesundheitsprobleme geschwächt waren. Mit ihnen stieg die Zahl der SARS-Toten in der am schwersten betroffenen Provinz Ontario jetzt auf elf. Eine Frau starb am Sonntag auf der Isolierstation eines Krankenhauses im Zentrum von Toronto, die zweite in einem kleinen Ort im Osten Ontarios. Von den bisher insgesamt 226 kanadischen SARS-Verdachtsfällen kommen 188 aus Ontario.

Verdachtsfall in Portugal nicht bestätigt

Weltweit wurden weitere SARS-Verdachtsfälle bekannt, in Deutschland, Indien, Kambodscha und Spanien. Ein Verdacht in Portugal bestätigte sich nicht.

Ein SARS-Expertenteam der WHO hat am Dienstag seine Untersuchungen über die Ursprünge der Lungenkrankheit in Südchina abgeschlossen. Erkenntnisse und Empfehlungen sollten am Mittwoch den Gesundheitsbehörden in Peking vorgelegt werden, sagte der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, der zu dem WHO-Team gehört. Es wird erwartet, dass China aufgerufen wird, verstärkt mit internationalen Behörden zusammenzuarbeiten.

Coronaviren und Paramyxoviren

Nach Preisers Worten vom Sonntag konzentrierten sich die Untersuchungen in Südchina auf das neue Virus der Familie der Coronaviren und als weitere Faktoren auf Chlamydien genannte Mikroorganismen und Paramyxoviren. In den bisherigen Untersuchungen sei nichts gefunden worden, "was gegen die ursächliche Rolle des Coronavirus spricht", sagte der Fachmann.

Mediziner aus Hongkong haben inzwischen neue Hinweise darauf, dass Coronaviren die Hauptursache der Lungenerkrankung sind. Bei 45 von 50 für eine Studie untersuchten SARS-Patienten seien Hinweise auf Coronaviren gefunden worden, schreiben die Forscher in der Online- Ausgabe des britischen Fachjournals "Lancet". Bei gesunden Menschen einer Vergleichsgruppe wurden keine derartigen Viren nachgewiesen.

Kampf in Südostasien verschärft

In Südostasien wurde der Kampf gegen SARS weiter verschärft. Die thailändische Fluggesellschaft Thai Airways sonderte 31 Maschinen aus, die künftig ausschließlich SARS-Gebiete ansteuern, wie die Zeitung "Bangkok Post" berichtete. Im Hafen von Singapur sollen alle ankommenden Seeleute auf SARS-Symptome untersucht werden. Der Stadtstaat stellte zudem ein Altersheim unter Quarantäne, nachdem bei einer Krankenschwester eine Infektion festgestellt worden war.

Singapurs Regierungschef Goh Chok Tong warnte vor wirtschaftlichen Einbußen durch die gefährliche Lungenkrankheit. In Südostasien seien die Passagierzahlen im Luftverkehr zurückgegangen und die Tourismusindustrie leide, sagte der Regierungschef bei einem Besuch in Indiens Hauptstadt Neu Delhi.

Insgesamt sieht die WHO noch keinen Grund, ihre Empfehlung zurückzunehmen, nicht nach Hongkong und in die chinesische Provinz Guangdong zu reisen. "Wir beraten die Sachlage jeden Tag, aber bisher gibt es keine Änderung", sagte Simpson. (APA/dpa)

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