Lebende Gemälde

8. April 2003, 15:26
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Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien malen Bilder aus Mikroorganismen

Wien - Eine ganz besondere Verwendung für Mikroorganismen haben Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) entwickelt: Sie malen Bilder mit lebenden Bakterien. Erich Schopf und seine Kollegen vom Institut für Fleischhygiene machen sich dabei den Umstand zu Nutze, dass Bakterien teilweise von sich aus Pigmente ausbilden und dann etwa auf einem Nährboden in bunten Farben erscheinen. Die Pigmente bieten den Mikroben in der Natur Schutz vor UV-Strahlung.

Mit Vermehrung wird es bunter

Bevor sich die Forscher an die Kunst wagen, werden geeignete Bakterien auf Nährboden gezüchtet und dann in einer flüssigen Nährlösung aufgeschwemmt. Die Mixtur ist dann gleichsam die Farbe, die sich mit Pinsel, Tupfer oder anderen Werkzeugen auf die Leinwand - wieder ein Nährboden - auftragen lässt. Dabei kann der Künstler nach Lust und Laune vorgehen, wie mit herkömmlicher Farbe etwa Landschaften malen oder auch nur Kleckse auftragen und die weitere Bildentwicklung den lebenden Mikroorganismen überlassen.

Bakterien-Schlacht

Generell sind alle Bilder anfangs noch blass, erst mit einsetzender Vermehrung der Bakterien wird es zunehmend bunter. Aber auch die aufgetragenen Strukturen können ihr Aussehen verändern. Einige Bakterien bleiben stationär, andere schwärmen aus und bilden Ausläufer. Besonders interessant ist es laut Schopf, wenn zwei Bakterienstämme aufeinander treffen und sich dann eine richtige Schlacht entspinnt. Zunächst werden fremde Keime von einer Kolonie meist abgewehrt. Schaffen einige wenige es dennoch einzudringen, so dauert die Eroberung der fremden Festung immer noch relativ lange, wobei einzigartige Farbeffekte entstehen können.

Um das Geschehen zu dokumentieren, werden die Bilder von Anfang an in regelmäßigen Abständen fotografiert und dann auf Wunsch mit Pigmentdruckern ausgedruckt. Derzeit arbeiten die Fleischhygieniker aber auch an Konservierungsmethoden, so dass die Bilder selbst haltbar gemacht und an die Wand gehängt werden können. (APA)

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