Breit angelegter Aktionstag in Oberösterreich

8. April 2003, 12:58
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Lehrer befürchten das Aus von speziellen Schulzweigen - Landesschulrat: "Bewegungsspielräume" müssen erhalten bleiben

Linz/Wien - Mit einem breit angelegten und landesweiten Aktionstag werden die AHS-Lehrer in Oberösterreich am Mittwoch gegen die geplanten Stundenkürzungen protestieren. In die Veranstaltungen eingebunden werden auch die Schüler und die Eltern. Man befürchte vor allem das Aus von speziellen Schulzweigen, die an den verschiedenen AHS angeboten werden und sich großer Beliebtheit erfreuen.

"Es muss schon trist ausschauen mit dem österreichischen Bundesbudget, wenn jetzt auch so massiv bei den Zukunftschancen unserer Jugend gespart werden soll", warnte der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft in Oberösterreich, Franz Andexlinger, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz. Bildungsministerin Gehrer nehme den AHS-Schülern von der ersten bis zur achten Klasse "in einer unüberlegten Nacht- und Nebelaktion umgerechnet ein halbes Jahr Ausbildungszeit weg", so Andexlinger. Es handle sich bei der Stundenkürzung um eine "reine Sparmaßnahme" mit der Konsequenz der "schlagartigen Vernichtung von jahrelanger Schulentwicklungsarbeit und Streichung attraktiver schulspezifischer Angebote".

Schulzweige gefährdet

Eine Gruppe von oberösterreichischen Gymnasien - vor allem im Linzer Raum - nennt konkrete Beispiele für die Folgen der Stundenreduzierung: in einem Fall drohe einem Zweig "Kulturgymnasium" nach nur einem Jahr die Einstellung, in einem anderen Fall sei das Aus für einen speziellen musisch-kreativen Zweig zu erwarten. Wieder eine andere AHS sieht ihre Spezialangebote eines Informatik- oder eines Sportzweigs gefährdet.

Die Gymnasien wollen am Mittwoch im Rahmen von Veranstaltungen vor allem auch die Eltern über die drohende Einstellung der vielfältigen Angebote informieren, ebenso die Schüler. Andere AHS starten öffentliche Aktionen, etwa auf dem Linzer Taubenmarkt unter dem Motto "Bildung ist eine Chance, keine Belastung".

"Bewegungsspielräume"

Der Präsident des OÖ. Landesschulrates, Fritz Enzenhofer (V), teilt die Befürchtungen nicht, dass es durch die geplanten Stundenkürzungen zum "Zusammenbruch des ganzen Bildungssystems" kommen werde. Insofern hätten die Lehrer aber Recht, dass die "Bewegungsspielräume" für spezielle Angebote und Schulzweige erhalten bleiben müssen. Der OÖ. Landesschulrat werde dies auch in seiner offiziellen Stellungnahme dem Bildungsministerium zur Kenntnis bringen, kündigte Enzenhofer an.

Nachhaltige Kritik

Nachhaltige Kritik an den Plänen Gehrers kommt von sozialdemokratischen Bildungspolitikern und Lehrervertretern. Die oberösterreichische SPÖ-Landtagsabgeordnete Kordula Schmidt bezeichnete in einer Aussendung die Stundenkürzungen als "kurzsichtig und konzeptlos", hier würden Einsparungen auf dem Rücken der Schüler erfolgen. Für die Eltern würden sich in der Folge finanzielle Mehrbelastungen durch die Notwendigkeit von Nachhilfestunden ergeben. Und Peter Grassnigg vom sozialdemokratischen Lehrerverein Oberösterreichs meinte ebenfalls in einer Aussendung zu den Stundenkürzungen: "Entlastung der Schüler ist ein Scheinargument. In Wahrheit handelt es sich um eine Aktion der Geldbeschaffung nach dem Rasenmäherprinzip".

Auch die Grünen fürchten einen "Bildungsabbau" und unterstützen die Proteste gegen die Stundenkürzungen. Diese Maßnahme Gehrers sei "rein budgetär" motiviert, es werde "ausgerechnet bei der Ausbildung und Qualifizierung der Sparstift angesetzt", kritisierte der Bildungssprecher der oberösterreichischen Grünen, Gottfried Hirz.(APA)

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