"Focus"-Reporter: "Keine Story ist es wert, für sie zu sterben"

9. April 2003, 11:01
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Christian Liebig kam bei einem irakischen Raketenangriff ums Leben

"Wie geht's Christian Liebig?" Mit dieser Frage, so schrieb "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort in der am Montag erschienenen Ausgabe, habe in den vergangenen Tagen jede Redaktionskonferenz begonnen. Der 35-jährige Journalist aus Offenbach am Main begleitete die US-Truppen seit Beginn des Krieges auf ihrem Vormarsch nach Bagdad, um der Öffentlichkeit in Deutschland ein Bild vom Kriegsgeschehen zu vermitteln. Am Montag kam Christian Liebig bei einem irakischen Raketenangriff ums Leben - der achte Reporter, der seit Kriegsbeginn sein Leben verlor.

Bei "Focus" widmete sich der Journalist der Aufgabe, der deutschen Öffentlichkeit die Probleme der Menschen in anderen Ländern nahe zu bringen. So schrieb er unter anderem über die Hungersnot in Ostafrika, berichtete über die Kriege im Kosovo und in Afghanistan.

"embedded correspondent"

Als die US-Streitkräfte der internationalen Presse anboten, als "embedded correspondents" die Truppen im Irak-Krieg zu begleiten, wurde Liebig einer der wenigen deutschen Journalisten, die sich dafür entschieden. Der 35-Jährige wurde der 2. Brigade der 3. Infanteriedivision zugeteilt, die am Abend des 20. März von Kuwait aus die Grenze zum Irak überschritt.

"So muss die Vorhölle aussehen"

Am sechsten Tag des Irak-Kriegs beschrieb Liebig für den "Focus" seine Eindrücke aus der irakischen Wüste im Sandsturm mit den Worten: "So muss die Vorhölle aussehen." Am Morgen des 19. Kriegstages drangen Soldaten der 2. Brigade in den Neuen Präsidentenpalast in der Innenstadt von Bagdad ein. Liebig hatte sich am Vorabend aus Sicherheitsgründen entschieden, diesen Vorstoß nicht zu begleiten.

Am Montagmorgen, in Bagdad war es etwa 10.30 Uhr, rief Liebig bei AP an, um Informationen über die aktuelle Lage auszutauschen. Die Kämpfe seien abgeflaut, sagte er, nachdem er sich beim Brigadestab über die jüngste Entwicklung unterrichtet hatte. Eine Stunde später, gegen 11.30 Uhr, schlugen nach Angaben des US-Oberkommandos irakische Raketen im südlich der Hauptstadt gelegenen Quartier der Einheit ein. Zusammen mit Liebig wurden der Reporter Julio Anguita Parrado von der spanischen Zeitung "El Mundo" und zwei US-Soldaten tödlich getroffen. 15 Soldaten wurden verletzt.

Liebig beschäftigte sich mit den Gefahren seiner Arbeit. Am 14. März schloss er seinen Text für "Focus Online" mit dem Satz "Keine Story ist es wert, für sie zu sterben". (APA/red)

Im Nachrichtengeschäft wird oft vergessen, welch hohe Risiken Journalisten auf sich nehmen, um die flüchtigen Tagesereignisse in Text oder Bild festzuhalten. In den betroffenen Redaktionen bleibt die Trauer.

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Focus: Er wollte nie an die vorderste Front

  • Bereits der achte getötete Journalist im Irak-Krieg, der 35-jährige Christian Liebig.
    foto: epa/heider - sawall

    Bereits der achte getötete Journalist im Irak-Krieg, der 35-jährige Christian Liebig.

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