Pulitzer-Preise für investigativen Journalismus

9. April 2003, 11:46
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Aufdeckung von Misshandlungen und Firmenskandalen gewürdigt - Je drei Auszeichnungen für "Los Angeles Times" und "Washington Post"

Für investigativen Journalismus zur Aufdeckung von Missständen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind mehrere amerikanische Reporter mit dem Pulitzer-Preis 2003 ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurden in New York ferner so unterschiedliche Themen wie die Suche eines Buben aus Honduras nach seiner Mutter oder der Tod von vier Kindern, die im Eis eines Flusses eingebrochen waren. Die renommierten Journalismus-Preise sind mit jeweils 7.500 Dollar (rund 7.000 Euro) dotiert.

"Es war richtig auffällig, wie viele Zeitungen sich mit Missständen und Korruption befasst haben. Damit erhält die Presse ihre Wächterfunktion zurück", sagte Sig Gissler, der Organisator der Preisverleihung. So wurde etwa der "Boston Globe" für seine Berichterstattung über sexuelle Misshandlung Jugendlicher seitens katholischer Priester ausgezeichnet. Die Tageszeitung erhielt den Pulitzer-Preis in der Kategorie Verdienste zum Wohl der Öffentlichkeit.

Clifford Levy von der "New York Times" gewann mit seiner Reportage über Misshandlungen psychisch Kranker in New Yorker Heimen den Pulitzer-Preis für investigativen Journalismus.

Die Redaktion des "Wall Street Journal" wurde für ausgiebige Hintergrundberichte zu einer Serie amerikanischer Firmenskandale gewürdigt.

Jeweils gleich drei Auszeichnungen gingen an die "Los Angeles Times" und die "Washington Post". Als beste Feature-Schreiberin wurde Sonia Nazario von der "Los Angeles Times" für ihre Serie "Enriques Reise" geehrt - die nach Ansicht der Juroren einfühlsame und ausgiebig recherchierte Geschichte eines honduranischen Jungen, der in den USA nach seiner dorthin emigrierten Mutter sucht. Alan Miller und Kevin Sack von derselben Zeitung gewannen den Pulitzer-Preis für nationale Berichterstattung mit einem Beitrag über die mysteriöse Absturzserie des Militärflugzeugs "Harrier". Dabei kamen 45 Piloten ums Leben.

Der Preis in der Sparte Auslandsberichterstattung ging an Kevin Sullivan und Mary Jordan von der "Washington Post" für ihre kritischen Berichte über das mexikanische Justizsystem. Auch die Preise in den Sparten politischer Kommentar und Rezensionen in der Kulturszene gingen an diese Zeitung. Cornelia Grumman von der "Chicago Tribune" überzeugte die Jury mit Leitartikeln gegen die Todesstrafe.

Für die beste Karikatur wurde David Horsey vom "Post-Intelligencer" aus Seattle geehrt. Er hatte bereits im vergangenen August die Pläne von US-Präsident George W. Bush für einen Krieg gegen Irak mit beißendem Spott aufs Korn genommen. Die besten Pressefotos waren nach Meinung der Juroren Bilder von den Waldbränden im amerikanischen Westen - veröffentlicht in den "Rocky Mountain News" aus Denver.

Für die beste aktuelle Berichterstattung zeichnete die Jury die "Eagle-Tribune" aus Lawrence im US-Staat Massachusetts aus. Die Zeitung hatte detailliert über das Ertrinken von vier Jungen im Fluss Merrimack berichtet. Insgesamt waren seinerzeit sechs Kinder im Eis eingebrochen, nachdem sie versucht hatten, einen Freund aus dem Wasser zu ziehen. Die Gesundheitsexpertin von "The Sun of Baltimore", Diana Sugg, wurde für ihre verständliche Darstellung von komplexen medizinischen Themen ausgezeichnet. (APA/AP)

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    foto: www.pulitzer.org
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